Top 15 Mixtape von Markus Kavka

Wenn es einen Namen gibt, der mit dem Begriff „Musikexperte“ in einem Atemzug genannt werden soll, dann ist das unbedingt Markus Kavka (Jahrgang 1967). Um die Jahrtausendwende war er das Aushängeschild der Musiksender VIVA und MTV. Seit dem Ende des Musikfernsehens ist der Wahl-Berliner als Moderator, Journalist, Buchautor und DJ im Einsatz, immer noch mit dem Schwerpunkt Musik.

Wer so viele Bands live gesehen und sogar ein Buch über Depeche Mode veröffentlicht hat, der darf natürlich bei unseren Top 15 Mixtapes nicht fehlen. Und wie es sich für den Profi gehört, gibt es zu jedem Song eine sehr umfangreiche Beschreibung. Sortiert hat er seine Songs in drei Lebensphasen, die Playlist findet ihr am Ende.

Die 15 liebsten Songs von Markus Kavka

first

1. Visage // Fade To Grey

Das war die erste Platte, die ich mir mit 13 von meinem Taschengeld gekauft, beziehungsweise kaufen lassen habe. Und zwar von meiner Oma, die jeden Samstag zum Einkaufen in die Stadt fuhr. Ich habe ihr die 6 D-Mark dafür gegeben und ihr genau aufgeschrieben, was ich möchte. Sie fragte noch „Was soll das denn sein, dieses Singli?!“, brachte dann aber wacker das Gewünschte mit. ´Fade To Grey´ war damals eine Offenbarung für mich. Davor hörte ich den üblichen Charts-Kram, der im Radio lief, also so Sachen wie Abba, Smokie, Queen oder Supertramp. Bei Visage hatte ich das erste Mal das Gefühl, dass diese Musik nur für mich und niemanden sonst auf der Welt gemacht ist, so sehr hat sie mich berührt. Diese Melancholie, die neuartige elektronische Instrumentierung, die Stimme, der Text, das Cover der Single, das Video zum Song – das alles kannte ich in der Form noch nicht, und es sollte mich für lange Zeit prägen.

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2. New Order // Blue Monday

Das war die nächste große Offenbarung für mich. Synthie-Pop kannte ich da ja nun schon eine Weile, aber eben nicht so. Mit diesem Druck, den Dance-Elementen und der einnehmenden Melancholie. Es ist wirklich nicht zu glauben, dass der Track 38 Jahre auf dem Buckel hat, so zeitgemäß und unangestaubt wie er heute noch klingt. Ich habe in den 80ern dazu getanzt, ebenso in den 90ern, wenn der Track wie selbstverständlich in Techno-Sets von DJ Hell lief,  und auch in meinen eigenen Sets ist ´Blue Monday´ seit jeher ein regelmäßiger Bestandteil. Anfangs gab es den Song ja nur als Maxi-Single. Die habe ich mir damals für 12 D-Mark gekauft. Die Original-Pressung steht in einer Schutzhülle in der Schatz-Abteilung meines Plattenregals und wird nur in ganz besonderen Momenten rausgeholt. Was ja wohl das Mindeste an Wertschätzung ist, das man dieser Platte entgegenbringen kann. Wegen des extrem aufwändigen und teuren Coverartworks hat das Label nämlich mit jeder verkauften Kopie draufgezahlt und Verlust gemacht.

3. Depeche Mode // People Are People

Depeche Mode waren die erste Band, von der ich so richtig Fan war, mit Postern im Zimmern, jeden Release kaufen und natürlich auch so aussehen wollen. Speziell wie Dave Gahan in der Zeit um 1983/84 herum, also exakt wie im Video zu diesem Song. Seine Frisur war so eine Art Flat-Top mit blondierten Spitzen, die wollte ich auch. Dieser Sache nahm sich mein Onkel Hans an, damals wie heute der Herrenfriseur am Platze in meinem Heimatdorf Manching. Sein Plan war folgender: Zunächst wollte er mir eine Dauerwelle machen, um etwas Spannkraft und Stehvermögen in meine ansonsten eher fluffigen und schlaffen Haare zu bringen. Anschließend wollte er sie ganz kurz schneiden und die Spitzen blondieren. Was in der Theorie schon abenteuerlich klang, sollte in der Praxis der größte Frisurenunfall in meinem an Frisurenunfällen ohnehin nicht armen Leben werden. Ich sah aus, als hätte erst eine Katze auf meinem Kopf Junge bekommen und danach noch ein Marabu drauf gekackt.

Was den Song betrifft: Der sollte mich Jahrzehnte später noch mal einholen. Ich war zu Gast bei ´Zimmer frei´, und wie jeder Gast sollte auch ich zusammen mit Götz Alsmann ein Musikstück darbieten. Meine Wahl fiel im Vorfeld auf ´Never Let Me Down Again´ von Depeche Mode. Kurz vor Sendungsbeginn meinte Götz allerdings, dass er das Stück zum Spielen zu langweilig fände und lieber ´People Are People´ aufführen würde. Widerspruch zwecklos. Es war ein Desaster. Ich konnte mich nicht mehr richtig an den Text erinnern und ging bei der verglichen mit meiner ursprünglichen Wahl deutlich komplizierteren Gesangslinie komplett baden.

4. The Cure // A Forest

Der Song, der stellvertretend für meine Jahre als Gruftie steht. Die Musik, die da ständig aus meinem Zimmer dröhnte, war für meine Eltern schon eine echte Zumutung, noch schlimmer war für sie aber wahrscheinlich das, was optisch damit bei mir einherging. Meine Klamotten waren nur noch schwarz, an den Füßen trug ich Schnallenschuhe, ich schminkte mich weiß mit schwarzumrandeten Augen und trug blutroten Lippenstift, so wie Robert Smith von The Cure eben, die Haare waren an den Seiten abrasiert und oben zu einer Art 10 cm hohen Trichter geformt, mit so einem Haarlappen über der linken Gesichtshälfte. Als Accessoires hatte ich umgedrehte Kreuze und Rosenkränze umhängen, dazu silberne Sarg-Ohrhänger und – besonders pikant – einen skelettierten Katzenkopf. Ich hab das Viech schon skelettiert im Straßengraben gefunden und musste den Schädel nur noch ein bisschen reinigen. Trotzdem dachten die Leute im Dorf, dass ich reihenweise Katzen umbringe und opfere und fragten jedes Mal bei meiner Mutter nach, ob ich denn nicht ihre verschwundene Katze „gesehen“ hätte. Dabei hat die bei uns im Dorf wahrscheinlich nur der Traktor überfahren oder der Hund gefressen. Ja, es war nicht leicht für meine Eltern. Ich tanzte derweil in den einschlägigen Clubs unermüdlich zu ´A Forest´. Wobei man das Ganze nicht wirklich „tanzen“ nennen konnte. Man marschierte vier Schritte vor, verneigte sich und ging dann wieder vier zurück. Und weil das Instrumental-Intro so extralang ist, stand man erst mal gebückt auf der Stelle und vollführte mit den Armen Bewegungen, die aussahen, als würde man Staubwedeln.

5. Echo & The Bunnymen // The Killing Moon

Einer meiner absoluten Lieblingssongs aus den 80ern und einer, der so gut ist, dass bei seiner Entstehung höhere Mächte im Spiel gewesen sein mussten. Und so war’s wahrscheinlich auch. Über den famos gereimten Text, den ich unzählige Mal (gewohnt schief) mitgesungen habe, sagte Bandchef Ian McCulloch mal, dass er eines Morgens aus einem Traum aufwachte, aufrecht im Bett saß und dann genau diese berühmten Zeilen im Kopf hatte, Wort für Wort. Und weil das davor oder danach nie wieder vorkam und es sowieso auch ziemlich selten bis unmöglich ist, dass man sich so genau an Worte aus einem Traum erinnert, gibt er die Credits für den Text zur Hälfte an Gott ab. Netter Zug. Musikalisch ist die Nummer ganz ganz großes Breitwandkino, weswegen „The Killing Moon“ bis heute auch nicht angestaubt klingt.

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later 

6. Nirvana // Smells Like Teen Spirit

´Smells Like Teen Spirit´ gilt ja als der wichtigste Song der 90er, und natürlich hat er auch bei mir seine Spuren hinterlassen. Ich hab zur der Zeit beim Radio in Erlangen bzw. Nürnberg moderiert, für die Stadtzeitung geschrieben und in einem Indie-Club aufgelegt. Deswegen hab ich Vorab-Promos von kommenden Veröffentlichungen bekommen. Auch das Nirvana-Album ´Nevermind´, und zwar etwa sechs Wochen vor dem Release am 24. September 1991 und damit vier Wochen vor dem Singlerelease von ´Smells Like Teen Spirit´. Wie damals üblich auf Cassette. Der Song hat mich sofort weggeblasen, ich wollte ihn unbedingt im Radio spielen. Zum Glück befand sich dort noch ein Kassettendeck, das man benutzen konnte. In dem Club, in dem ich damals auflegte, war allerdings keins. Was zur Folge hatte, dass ich jedes Mal mein eigenes von Zuhause mitschleppte, nur um diesen einen Song spielen zu können. Mittlerweile kamen auch Leute in den Laden, nur um dieses eine Lied zu hören, auf der Tanzfläche spielten sich jedes Mal Szenarien ab, die kann man sich heutzutage gar nicht mehr vorstellen. Die Leute sind regelrecht durchgedreht und wollten „Smells Like Teen Spirit“ mindestens drei Mal pro Abend hören. Als das Video dazu dann noch bei MTV lief, gab’s überhaupt kein Halten mehr. Spätestens da war dann auch klar, dass da gerade was ganz Großes passiert.

7. Red Hot Chili Peppers // Under The Bridge

Der Sing ist der wohl bekannteste und auch erfolgreichste der Red Hot Chili Peppers. Und dass der es seinerzeit, also 1991, auf das Album ´Bloodsugarsexmagik´ geschafft hat, ist eigentlich nur dem Produzenten Rick Rubin zu verdanken. Sänger Anthony Kiedis hat mir in einem Interview mal erzählt, dass der Text ursprünglich eigentlich nur ein Gedicht war, auf das Rubin zufällig beim Blättern in seinem Notizbuch stieß. Kiedis hielt das Ganze für überhaupt nicht Chili-Peppers-mäßig und wollte es dem Rest der Band gar nicht erst unterbreiten. Rick Rubin überredete ihn dann aber dazu, den Jungs das Gedicht vorzusingen. Flea und John Frusciante fanden die sehr persönlichen Zeilen sofort super, ihnen fiel dazu auch gleich was ein. Der Text dreht sich ja um Anthony Kiedis finstere Drogen-Jahre. Zum damaligen Zeitpunkt lagen die zwar schon drei Jahre zurück, mit diesem Song wurde sie dann aber erst final aufgearbeitet. Ich hab die textlichen Drogenreferenzen in der 90ern, also auch die der ganzen Grunge-Bands, nie so richtig verstanden. Aber klar, ich superbraves Bürschlein hab damals ja noch nicht mal Alkohol getrunken.

8. Oasis // Live Forever

Mein absoluter Lieblingssong von Oasis. Ich habe damals das Debütalbum „Definitely Maybe“ für den – Achtung! – „Metal Hammer“ besprochen. Und zwar mit 7 von 7 Punkten, den Spaß habe ich mir gegönnt, obwohl Oasis natürlich nie was mit Metal zu tun hatten. Aber neben extremen Metal wie Slayer, Morbid Angel, Cannibal Corpse etc. habe ich damals auch Grunge, Industrial und eben auch Britpop gehört. Ich habe meines Wissens auch eins der ersten Oasis-Interviews in Deutschland geführt, und weil ich mich auch ansonsten auch schnell als Fan outete und bei meinen Jobs im TV, Radio und Print viele nette Sachen über Oasis sagte, wurde ich Ende der 90er zum „Ehren-Ultra“ im hochexklusiven Fanclub „Oasis Ultras“ ernannt. Das war ein etwa 30 Mitglieder umfassender Haufen aus allesamt in der Musikbranche tätigen Nerds und Nerdinnen, darunter zum Beispiel Thees Uhlmann oder Rocco Clein, mein ehemaliger, 2004 leider verstorbener Viva-Zwei-Kollege Rocco Clein. Dem ich diesen Song an dieser Stelle widmen möchte, denn auch er hat ihn geliebt.

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9. Radiohead // Exit Music (For A Film)

Mein Lieblingssong von meinem Radiohead-Lieblingsalbum ´OK Computer´. Ich erinnere  mich dabei immer an mein erstes Interview mit Thom Yorke, das war nämlich zum Release von „OK Computer“ Anfang Juni 1997 in seiner Heimatstadt Oxford. Die Interviewlocation war, nun ja, etwas ungewöhnlich. Thom wollte das Gespräch sozusagen in seinem Stamm-Späti führen, also so ein kleiner Cornershop bei ihm ums Eck. Der wurde dafür extra bereits um 20 Uhr geschlossen, und dann saßen wir beide da so auf zwei Stühlen in einem Gang zwischen Chips und Konserven und unterhielten uns. Thom Yorke ist wirklich ein sehr inspirierender Interviewpartner. Sehr gebildet, sehr tiefgründig, und wenn er seine erste Zurückhaltung und Schüchternheit überwunden und Vertrauen gefasst hat, übrigens auch sehr lustig. Bei ihm habe ich wie bei sonst kaum einem Musker das Gefühl, dass er ein konsequent moderner Mensch ist, einer der immer nach vorne blickt, immer neugierig ist und nie stehen bleiben will – was man der Musik seiner Band auch immer wieder aufs Neue anmerkt, weswegen Radiohead als eine der wenigen Bands aus den 90ern auch bis heute relevant sind.

10. The Verve // Bitter Sweet Symphony

Ein Riesenhit auch ein nicht tot zu kriegender Klassiker. An dem The Verve allerdings nichts verdient haben. Die Nummer basiert ja auf einem Streicher-Sample, und dieses stammt von einer Orchesterversion, die Andrew Loog Oldham, seines Zeichens von 1963-1967 Rolling-Stones-Produzent und –manager, vom Stones-Song ´The Last Time´ eingespielt hat. The Verve hatten die Erlaubnis eingeholt, daraus ein sechs Noten langes Sample zu verwenden, die Einnahmen sollten 50/50 aufgeteilt werden. Als der frühere Stones-Manager Allen Klein gesehen hat, wie erfolgreich ´Bitter Sweet Symphony´ ist, behauptete er, dass The Verve mehr als sechs Noten verwendet haben und wegen Vertragsbruchs nun 100 % der Einnahmen abgeführt werden müssen. The Verve hatten da nicht wirklich eine Wahl, man hat sich also außergerichtlich darauf verständigt und die Songwriting-Credits entsprechend auf Jagger/Richards/Ashcroft geändert wurden. Was wiederum The Verve Chef Richard Ashcroft zu der sarkastischen Aussage verleitete, dass ´Bitter Sweet Symphony´ der beste Song sei, den Jagger und Richards seit 20 Jahren geschrieben haben. Tja, Scheiße passiert.  

now

11. Jack Penate // Every Glance

Dieser Song lief bei meiner Hochzeit zu Beginn der standesamtlichen Trauung. Es war sozusagen DAS Lied von meiner Frau und mir, UNSER Song. Am Anfang war bei der Trauung auch noch alles wie geplant, dann allerdings legte der Standesbeamte los. Er war kurzfristig für seine Kollegin eingesprungen, die an dem Tag krank war. Mit ihr hatten wir uns im Vorfeld getroffen, um die Inhalte der Rede abzusprechen, zusätzlich hatten wir ihr noch eine Mail mit unserer Kennenlerngeschichte geschrieben, da diese sehr viel mit dem Ort zu tun hat, an dem die Trauung stattfand. Leider hatte sie es nicht mehr geschafft, ihrem Kollegen die Informationen zu übermitteln, weswegen dieser aus dem Stegreif eine Rede aus der Hüfte zaubern musste. Die dann allerdings eher zu einem Fahrlehrer-Pärchen gepasst hätte, jedenfalls war sie gespickt mit Straßenverkehrs-Metaphern. „Auch in der Ehe muss man mal vom Gas gehen und runterschalten“, „die Ehe kann manchmal wie eine holprige Straße sein“, blablabla, so was halt. Zwischendurch dachte ich mir nur: „Was für’n Scheiß, meine Braut hat noch nicht mal ´nen Führerschein!“ Im Nachhinein ist die Geschichte natürlich saulustig, die Rede habe ich dann nachher selbst vorgetragen, insofern war unsere Hochzeit ganz wunderbar.

12. Lawrence Rothman // Designer Babies (feat. Kim Gordon)

Eins meiner Lieblingslieder der letzten Jahre. Meine Frau hat es zufällig auf einem Musik-Blog entdeckt. Der Künstler sagte uns gar nichts, als große Verehrer von Sonic Youth wurden wir aber natürlich neugierig, als wir „featuring Kim Gordon“ lasen. Und das hier ist nun mal wirklich einer der großartigsten, breitwandigsten, dramatischsten und traurigsten Songs aller Zeiten. Ich mag auch die sehr besondere Stimme von Lawrence Rothman, und wenn im letzten Teil dann voller Inbrunst, Leidenschaft und Schmerz Kim Gordon zu singen anfängt, bleibt einem wirklich die Luft weg. So hat man sie vorher bei Sonic Youth noch nie gehört. Textlich dreht sich der Song mutmaßlich um die Trennung von ihrem Mann Thurston Moore, der sie nach 27 Jahren Ehe für eine jüngere Frau verlassen hat. War eine sehr bittere Geschichte, die Kim Gordon öffentlich in diversen Interviews, ihrer Autobiographie und eben diesem Song aufarbeitete, in dem sie in den Zeilen „The chain of command is in your head / I cross with you, just press stop, come on start again / I cross with you I cross with your genes“ sogar noch mal auf die gemeinsame Tochter verweist. Als meine Frau und ich den Song zum ersten Mal hörten, drückten wir sofort auf die Repeat-Taste. Er kam dann noch weitere sechs Mal nacheinander. Wir konnten in diesen 30 Minuten nicht sprechen, weil wir vor Ergriffenheit beide einen Kloß im Hals und feuchte Augen hatten. Beschämt vollführten wir stattdessen allerlei Übersprunghandlungen wie Geschirrspüler ausräumen, Wäsche abhängen und Papierkram sortieren, nur um nicht vollends in Tränen auszubrechen.

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13. Sufjan Stevens // Fourth Of July

Ich werde ja immer wieder mal ganz originell gefragt, welcher Song denn bei meiner Beerdigung gespielt werden soll. Garantiert nicht „My Way“, weder von Frank Sinatra noch von Sid Vicious. Im Laufe der Jahrzehnte gab und gibt es immer wieder mal Kandidaten, die ich dann aber irgendwann wieder verworfen habe. Dieser Song hält sich jetzt allerdings schon auffallend lange auf der Pole Position – eigentlich seit er  2015 auf dem Album „Carrie & Lowell“ rauskam. Da bekam ich schon beim ersten Hören feuchte Augen, und das nicht nur wegen der Textzeilen „Shall we look at the moon, my little loon / Why do you cry? / Make the most of your life, while it is rife / While it is light / We’re all gonna die /We’re all gonna die“. Sufjan Stevens hat den Song nach dem Krebstod seiner Mutter im Jahr 2012 geschrieben, und er verarbeitet diesen Verlust ohne Pomp und Pathos, ohne jegliches Selbstmitleid oder Trauer um der Trauer willen, sondern ganz zart, zerbrechlich, leise und voller Liebe. 

14. Bicep // Glue

Bicep ist ein Duo aus Belfast, das 2017 sein fantastisches selbstbetiteltes Debüt-Album veröffentlicht hat. War eine meiner Lieblingsplatten in dem Jahr. Musikalisch ist das Ganze eine sehr respektvolle Verneigung vor der goldenen Rave-Ära, ohne allerdings dabei retro zu sein. Ganz im Gegenteil, das klingt wirklich alles total zeitgemäß. Das Video zum Track ´Glue´ greift genau diesen Umstand auf. Denn es zeigt Orte, an denen in den 90ern in UK all die legendären Raves stattfanden, von denen die Menschen, die damals dabei waren, heute noch reden. Also Waldlichtungen, Brückenunterführungen, Felder und Wiesen, Lagerhäuser, Fabriken, Parkplätze – wo man halt so ravte. Zwischendurch werden dann noch so Youtube-Kommentare von Leuten eingeblendet, die damals an diesen Orten dabei waren. Ich finde den Clip sehr berührend, er macht einen fast ein bisschen melancholisch, weil man sich eigentlich sofort wünscht, so etwas noch ein einziges Mal erleben zu dürfen. Würde vermutlich auch vollkommen reichen. Am schönsten im Video fand ich die Aussage: „Ich bin so glücklich, dass ich auf etwas zurückblicken und sagen kann: Ich war dabei!“ Darum geht’s doch im Leben, dass man eben nicht nur am Rand steht und zuguckt, sondern irgendwo dabei war und es nie vergessen wird, weil´s so super war. Ich bin auch überaus dankbar dafür, dass ich schon bei so vielen Dingen dabei sein durfte, auch bei der goldenen Rave-Ära Anfang bis Mitte der 90er im Nachwendeberlin. In Clubs wie dem Tresor oder E-Werk oder einfach in irgendeinem Keller in einem verlassenen Haus in Mitte. Ich kann mich noch an einen Rave in der Münzstraße erinnern. Im Lagerkeller von so nem alten Geschäftshaus standen auf Bierkästen zwei Plattenspieler und ein Mischpult, die einzige Beleuchtung war ein Dauerstrobo und als einziges Getränk gab es Caipirinha. Und zwar aus einer Zinkbadewanne, durch die man seinen Plastikbecher zog. Unvergessen sind auch die Partys in München im alten Ultraschall, in Frankfurt im Omen mit Sven Väth, oder, auch mit ihm, am Strand in Ibiza. Fehlt mir irgendwie.

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15. Haerts // For The Sky (feat. Ed Droste)

Haerts sind ein Frau-Mann-Duo, das vor zehn Jahren von München nach Brooklyn zog, und das jetzt dort seit vielen Jahren schon tolle Musik macht. Für „For The Sky“ haben sie sich sozusagen jemanden aus der Nachbarschaft dazu geholt, nämlich Ed Droste, das Mastermind von Grizzly Bear, einer meiner absoluten Lieblingsbands. Ich liebe auch seine seidenweiche Stimme, die bei diesem Song für eine der schönsten zweistimmigen Gesangsperformances mitverantwortlich ist, dich ich seit langem gehört habe. War mein Lieblingssong 2020.

WOW, lieber Markus Kavka, das ist eine wirklich sehr spannende musikalische Reise. Vielen Dank! Toll zu sehen, wie die Erklärungen bei unseren Mixtapes immer länger und ausführlicher werden. So werden es wirklich sehr persönliche Berichte über etwas so wundervolles wie Musik.

Playlist zum Mixtape von Markus Kavka

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Kai Bösel
Kai Bösel
Kai Bösel (Jg. 1971) lebt als Patchwork-Papa mit der Familie in Hamburg. Neben NOT TOO OLD betreibt er auch das Väter-Magazin Daddylicious. Außerdem ist er Experte für Influencer-Marketing. Bisher hat er bereits fünf eigene Unternehmen gegründet, schreibt für diverse Print- und Online-Magazine, tritt als Speaker und Moderator auf und betreibt zu diesem Magazin auch einen Podcast. Nach Feierabend entspannt er beim Laufen oder Golf.

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