Am 3. November ist Weltmännertag. Am 19. November noch einmal Männertag. Gefeiert wird keiner von beiden so wirklich intensiv mit Pauken und Trompeten oder Frühstück am Bett. Dabei geht es um etwas, das du ganz gut gebrauchen kannst: ein paar zusätzliche Jahre.
Zwei Tage ohne Blumen
Der Frauentag hat Demonstrationen, Rosen und in Berlin sogar einen Feiertag. Der Männertag hat ein Problem: Es gibt ihn zweimal, und kaum jemand kennt einen davon. Wenn du am 3. November im Büro „Alles Gute zum Weltmännertag“ sagst, erntest du wahrscheinlich ein Stirnrunzeln. Mit Glück ist es nur das.
Und das ist schade. Und gleichzeitig ziemlich typisch. Denn der Weltmännertag wurde nicht erfunden, um Männer zu feiern. Er wurde erfunden, weil Männer etwas Bestimmtes zuverlässig ignorieren: ihre eigene Gesundheit.
Wer hat sich das ausgedacht?
Der Weltmännertag am 3. November stammt aus Wien. Im Jahr 2000 wurde er dort zum ersten Mal begangen. Angestoßen haben ihn Männermediziner der Universität Wien, die Schirmherrschaft übernahm ausgerechnet Michail Gorbatschow. Das Thema war von Anfang an klar: Männergesundheit, Vorsorge und die Frage, warum Männer erst zum Arzt gehen, wenn gar nichts mehr geht.
Der Internationale Männertag am 19. November ist ein anderer Tag. Er geht auf eine Initiative aus Trinidad und Tobago von 1999 zurück und ist breiter aufgestellt: Rollenbilder, Vaterschaft und psychische Gesundheit. Wer beide Tage verwechselt, ist in guter Gesellschaft. Sogar einige Kalenderseiten bringen sie durcheinander.
Die Rechnung, die keiner aufmachen will
Nach den neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamts lag die Lebenserwartung eines Jungen, der 2025 geboren wurde, bei 79,1 Jahren. Für ein Mädchen waren es 83,6 Jahre. Das ergibt eine Differenz von 4,5 Jahren. Immerhin holen die Männer langsam auf: 2025 legten sie stärker zu als die Frauen.

Für dich ist eine andere Zahl interessanter: Ein Mann, der heute 65 ist, hat statistisch noch gut 18 Jahre vor sich. Ob das gute Jahre werden, entscheidet sich zum Teil genau jetzt.
Denn die Lücke ist nur zum Teil Biologie. Männer rauchen häufiger, trinken mehr, haben mehr Unfälle und sterben häufiger an Herzinfarkten. Und sie gehen seltener zur Vorsorge. An diesem letzten Punkt lässt sich am leichtesten etwas ändern, und es kostet dich nicht einmal Geld.
Warum wir trotzdem nicht hingehen
Die Ausreden sind bekannt, du hast vermutlich selbst ein paar davon im Repertoire. „Mir fehlt nichts.“ „Keine Zeit.“ „Wenn was ist, merke ich das schon.“ Gerade die letzte Ausrede ist heikel, denn Vorsorge ist genau für die Dinge gedacht, die man nicht merkt. Bluthochdruck tut nicht weh, erhöhte Blutzuckerwerte auch nicht, und ein Tumor im Frühstadium meldet sich in der Regel nicht.
Dazu kommt etwas, worüber Männer ungern sprechen: Ein Arzttermin fühlt sich wie ein Eingeständnis an. Wer hingeht, gibt zu, dass der Körper nicht mehr ganz von allein läuft. Mit Mitte 50 ist das allerdings keine Schwäche mehr, sondern schlicht realistisch. Für dein Auto hast du einen Wartungsplan, für den Rest eher nicht.
Was dir zusteht und was du wahrscheinlich liegen lässt
Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt für Männer in deinem Alter eine ganze Reihe von Früherkennungsuntersuchungen, ohne Zuzahlung. Hier ist die Liste. Was du daraus machst, entscheidest du selbst.
| Ab Alter | Untersuchung | Wie oft | Wo |
|---|---|---|---|
| 35 | Gesundheits-Check-up (Herz-Kreislauf, Nieren, Diabetes), einmalig mit Test auf Hepatitis B und C | alle 3 Jahre | Hausarztpraxis |
| 35 | Hautkrebs-Screening, Haut am ganzen Körper | alle 2 Jahre | Haut- oder Hausarztpraxis mit KV-Genehmigung |
| 45 | Krebsfrüherkennung an Prostata und Genitalien (Tastuntersuchung) | jährlich | Urologie, Hausarzt- oder Internistenpraxis |
| 50 | Darmkrebs: Stuhltest auf verborgenes Blut (50–54 jährlich) oder Darmspiegelung (zwei im Abstand von mindestens 10 Jahren) | siehe links | Hausarztpraxis bzw. Gastroenterologie |
| 50–75 | Lungenkrebs-Früherkennung per Niedrigdosis-CT, nur für langjährige starke Raucher (neu seit April 2026) | jährlich | nach Rücksprache mit der Hausarztpraxis |
| 65 | Ultraschall der Bauchschlagader (Aneurysma) | einmalig | Praxen mit KV-Genehmigung |
Zwei Hinweise in eigener Sache. Erstens: Der PSA-Test auf Prostatakrebs gehört nicht zum Kassenpaket. Er wird als Selbstzahlerleistung angeboten, und ob er dir etwas bringt, besprichst du am besten in Ruhe mit deinem Arzt. Zweitens: Viele Kassen belohnen Vorsorge mit Bonusprogrammen. Wenn du schon hingehst, lass dir den Stempel geben.
Was beim Check-up eigentlich passiert
Falls dich die Vorstellung eines Gesundheits-Check-ups abschreckt: Er ist unspektakulär. Zuerst stellt dir deine Hausärztin Fragen zu Beschwerden, Lebensstil und Krankheiten in der Familie. Danach folgt eine körperliche Untersuchung mit Herz, Lunge und Blutdruck. Zum Schluss werden Blut und Urin untersucht, unter anderem auf Cholesterin und Blutzucker. Insgesamt kostet dich das etwa eine Stunde, Wartezimmer eingerechnet.

Der eigentliche Wert liegt im Gespräch danach. Dort erfährst du, wo du stehst, und kannst gezielt nachfragen: ob dein Herz-Kreislauf-Risiko eine genauere Abklärung rechtfertigt, ob der PSA-Test für dich sinnvoll ist oder ob deine Impfungen auf dem aktuellen Stand sind. Ab 60 kommen etwa Pneumokokken und Gürtelrose dazu, und Tetanus solltest du ohnehin alle zehn Jahre auffrischen.
Und der Kopf?
Vorsorge endet nicht am Hals. Der Internationale Männertag am 19. November rückt genau das in den Mittelpunkt: psychische Gesundheit, Einsamkeit und die Frage, mit wem du eigentlich über mehr redest als über Fußball und Felgen. Für viele Männer jenseits der 50 wird der Freundeskreis kleiner, oft ohne dass sie es richtig bemerken.
Eine Untersuchung gibt es dafür nicht, wohl aber eine einfache Übung: Ruf diese Woche jemanden an, mit dem du schon zu lange nicht mehr gesprochen hast. Das kostet weniger Überwindung als eine Darmspiegelung und ist vermutlich nicht weniger wichtig. Noch mehr Inspiration zur psychischen Männergesundheit findet ihr bei der Initiative vom Movember, die gerade läuft.
Kein Appell, nur ein Vorschlag
Niemand muss am 3. November eine Kerze für die Männergesundheit anzünden. Aber du könntest an diesem Tag einen Termin machen. Den Check-up, den du seit drei Jahren vor dir herschiebst, oder die Darmspiegelung, über die dein Kumpel beim Grillen so ausführlich erzählt hat.
Das ist nicht heroisch, sondern einfach vernünftig. Und es ist vermutlich die einzige Form, in der dieser Tag tatsächlich etwas bringt.
