Trauer richtig bewältigen: 5 Phasen und Tipps, um den Schmerz gehen zu lassen

Wir die 50 Lebensjahre überschreitet, wird es auch mit Trauer zu tun bekommen, denn die eigenen Eltern dürften schon mit fortgeschrittenen Alter sein. Und auch im Freundeskreis gibt es oft Verluste durch Krankheiten. In einem Gastbeitrag erzählt der Bestatter Karl Wilhelm, wie mit dem Schmerz durch den Tod umgegangen werden kann. Denn der hat täglich mit Menschen zu tun, die in Trauer sind.

Irgendwann im Leben muss jeder Mensch die schmerzliche Erfahrung durchlaufen, wie es ist, einen geliebten Menschen zu verlieren. Was folgt, ist ein Prozess der Trauer, bei dem Angehörige meistens mehrere Phasen durchmachen und mal besser, mal schlechter damit zurecht kommen. Es tut weh, die Tatsachen zu akzeptieren und Abschied zu nehmen. Das Leben steht Kopf. Trauer zu bewältigen, wird nicht in der Schule unterrichtet und stellt jeden Einzelnen vor eine Herausforderung.

Die Art des Todes und die Tiefe der Bindung zur verstorbenen Person spielen dabei eine Rolle. Man braucht Zeit und Kraft – was in den einzelnen Phasen der Trauer und allgemein beim Trauerprozess hilft, erfahren Sie in den nachfolgenden Zeilen. Wir verraten Ihnen die besten Tipps, um den Schmerz gehen zu lassen.

Erste Phase: Nicht wahrhaben wollen

Man kennt es vielleicht schon aus dem Bekanntenkreis: Wenn ein geliebter Mensch aus dem Leben scheidet und man die Nachricht erfährt, möchte man sie zunächst nicht glauben. Was in dem Moment spricht, ist unser innerster Instinkt, der sich vom Verstand abkoppelt und uns lediglich schützen möchte. Betroffene weigern sich, den Tatsachen in die Augen zu sehen und möchten den Verstorbenen verständlicherweise nicht ziehen lassen. Das trifft insbesondere dann zu, wenn es um eine Krankheit geht, bei der man Hoffnung oder Aussicht auf Heilung hatte.

In diesem Fall hilft es, sich daran zu erinnern, dass das Leben ein Geschenk ist und niemand vorhersehen kann, wann es vorbei ist. Führen Sie sich vor Augen, dass der Tod ein Teil unseres natürlichen Lebenskreislaufs ist und außerdem nicht das Ende von Existenz sein muss.

Die 5 Phasen der Trauer - und ein paar Tipps gegen den Schmerz
© Sandra Seitamaa (Unsplash)

Zweite Phase: Zorn

Hat man den Tatsachen in die Augen geschaut, löst der Tod der geliebten Person bei den Angehörigen meist Wut aus. Man kanalisiert den Schmerz durch Zorn, beispielsweise auf die Ärzte oder die Tatsache, dass der verstorbene Mensch zu früh aus dem Leben geschieden ist und man selbst nichts dagegen tun konnte. Damit einher geht, dass man sich wehrlos und vom Leben im Stich gelassen fühlt – „Warum hat man mir das angetan“?

In dieser Phase ist es enorm wichtig, den Blick auf die Dinge zu lenken, die man in der Hand hat  und aktiv beeinflussen kann, z. B. Die Planung einer würdevollen und schönen Trauerfeier. Überlegen Sie sich, wen Sie einladen möchten und welche Inschrift auf dem Grabstein die verstorbene Person am meisten ehren würde.

Dritte Phase: Verhandeln

In der dritten Phase hadert man immer noch mit dem Schicksal, ist aber bereits dabei, zu verhandeln. Das bedeutet, man überlegt sich, wie man es wiedergutmachen oder in Zukunft ähnliche Schicksalsschläge von sich selbst abwenden kann. Wird hierbei rational und besonnen vorgegangen, können die Resultate sogar äußerst produktiv sein. Ist jemand durch Unfall oder Krankheit gestorben, nimmt man sich vor, im Straßenverkehr vorsichtiger zu fahren oder im Alltag mehr auf Sport und gesunde Ernährung zu achten. Es wiedergutzumachen, kann auch bedeuten, dass man sich liebevoll um die anderen Hinterlassenen der verstorbenen Person kümmert. Wichtig bei dieser Phase ist, dass man nicht nur grübelt, sondern auch ins Handeln kommt.

Vierte Phase: Depressionen

Für viele Menschen kommt danach noch einmal ein sehr ernüchterndes Gefühl. Es ist nun nicht mehr abwendbar, dass die verstorbene Person in Zukunftsszenarien nicht mehr dabei sein wird und aufs Schmerzlichste vermisst wird. Gestehen Sie sich diese Gefühle ein, und ziehen Sie sich ein Weilchen zurück, um der Trauer Raum zu geben. Jeder um Sie herum wird Sie verstehen. Versuchen Sie dabei, den Fokus auf die schönen Erinnerungen zu legen – auf gemeinsame Zeiten, Urlaube, glückliche Momente, Erfolge und andere tolle Dinge, die Sie mit Ihrem verstorbenen Angehörigen erlebt haben.

Fünfte Phase: Akzeptanz

Das Tröstliche ist: Nach einer Weile stellt sich meistens auf natürliche Art und Weise ein Gefühl der Akzeptanz ein, welches bewirkt, dass man seinen Frieden mit dem Todesfall gemacht hat und die verstorbene Person gedanklich endlich ziehen lassen kann. Nehmen Sie die Kraft und das Potential, das in dieser Phase liegt, mit – schmieden Sie neue Pläne und fangen Sie an, das Leben wieder zu genießen. Zukunftspläne sind wichtig, um den kommenden Wochen eine Bedeutung zu verleihen und nicht in weiterer Trauer und Sinnlosigkeit zu versinken.

Am besten ist es, wenn man akzeptiert, dass Trauer im Alltag immer wieder auftreten kann, man jedoch jederzeit die Möglichkeit hat, sie mit schönen Erlebnissen und anderen, guten Gefühlen auszugleichen. Verbringen Sie viel Zeit in sozialen Gefügen, also unter Freunden, in der Familie oder im Verein. Soziale Kontakte helfen dabei, Trauer zu überwinden.

Trauer zu bewältigen hat niemand gelernt
© Caroline Attwood (Unsplash)

Allgemeine Tipps

Sie müssen einen Verstorbenen niemals ganz vergessen oder aus ihrem Leben streichen. Man kann liebe Menschen bei sich behalten, indem man kleine Rituale einführt und pflegt, beispielsweise am Geburtstag der Person einfach ihr Foto mit auf den Esstisch stellt und ihrer gedenkt. Auch kann man das Vermächtnis eines Menschen leben, indem man eine Stiftung gründet oder Werte, die derjenige vertreten hat, an die eigenen Kinder weitergibt. Manche Menschen sprechen mit ihren verstorbenen Angehörigen, als seien sie im Raum – auch dagegen ist nichts einzuwenden, sofern man dadurch nicht seinen Bezug zur Realität verliert.

Grundsätzlich ist es gut, wenn man sich zu Beginn etwas zurückzieht, um mit der Trauer zurechtzukommen. Langfristig gesehen empfiehlt sich allerdings, die Gesellschaft von anderen Menschen zu suchen, um den Anschluss nicht zu verlieren und in allzu düstere Gedanken abzurutschen. Fällt die Trauerarbeit sehr schwer, kann man sich an eine Selbsthilfegruppe wenden.

Fazit

Stirbt ein geliebter Mensch, stellt dass alle Beteiligten vor eine emotionale Herausforderung. Während der Trauer durchläuft man mehrere Phasen, die jeder individuell auf seine Art und Weise bewältigt. Sehen Sie den Tatsachen ins Auge und lassen Sie den Schmerz zu – er wird nicht für immer andauern, wenn Sie die vorangegangenen Tipps beherzigen. Umgeben sie sich mit lieben Menschen, die ihre Gefühle teilen, und richten Sie Ihren Blick auf die Zukunft. Sie können Erinnerungen und das Gedenken an den Verstorbenen auch in Zukunft im Elltag auf gesunde Art beibehalten.

Bestatter Karl Wilhelm betreibt die Birner Bestattungen in Neunburg vorm Wald und ist auch auf Facebook und Instagram zu finden.

Titelbild © Dragana Gordic (Shutterstock)

Kai Bösel
Kai Bösel (Jg. 1971) lebt als Patchwork-Papa mit der Familie in Hamburg. Neben NOT TOO OLD betreibt er auch das Väter-Magazin Daddylicious. Außerdem ist er Experte für Influencer-Marketing. Bisher hat er bereits fünf eigene Unternehmen gegründet, schreibt für diverse Print- und Online-Magazine, tritt als Speaker und Moderator auf und betreibt zu diesem Magazin auch einen Podcast. Nach Feierabend entspannt er beim Laufen oder Golf.

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