Die meisten Deutschen nennen den Sommer bei der Frage nach der liebsten Jahreszeit. Und ja, sicherlich liegt das an der Wärme, den lauschigen Abenden und dem Wochenende am Strand oder Badesee. Es liegt aber vielleicht auch daran, dass man in der warmen Jahreszeit so gern den Grill anschmeißt. Wir Deutschen lieben es, die Kohle zu entfachen oder den Elektro- oder Gasgrill anzufeuern. Bei dem, was wir auf den Grill packen, sind wir immer noch sehr fleischlastig. Aber es zeichnen sich Trends ab, daher wollen wir heute mal einen Überblick rund ums Grillen und das BBQ liefern.
Checken wir erstmal anhand einiger Zahlen, was bei uns in der Republik auf dem Rost landet. In der repräsentativen Studie „So grillt Deutschland 2025″, die der Grillhersteller SharkNinja vom Institut Civey erheben ließ, führen Steak mit 80 Prozent und Wurst mit 78 Prozent das Feld souverän an. Eine Umfrage des Online-Supermarkts Knuspr, durchgeführt vom Marktforscher Appinio, kommt zum selben Schluss: Ganz oben stehen Würste und Hähnchen.
Und jetzt halten wir kurz die Luft an, denn ausgerechnet unsere Altersgruppe hält die Fahne besonders hoch. Bei den 55- bis 65-Jährigen sind Würste mit 79 Prozent und Schweinesteak mit 64 Prozent beliebter als in jeder anderen Generation. Wir sind statistisch gesehen also die Hardliner am Rost.
Zur Einordnung gehört, dass beide Erhebungen aus der Industrie stammen, die eine von einem Grillhersteller, die andere von einem Lebensmittelhändler. Erstaunlich ist aber, wie deutlich sie in dieselbe Richtung zeigen.

Trotzdem wird der Rost grüner
Denn unter den Klassikern wächst etwas heran, und zwar kräftig. Laut SharkNinja landet inzwischen bei 48 Prozent der Befragten Gemüse auf dem Rost, bei 32 Prozent Grillkäse wie Halloumi oder Feta und bei 24 Prozent Fisch. Bei Knuspr sagt jeder Dritte, also 33 Prozent, er grille bereits überwiegend fleischfrei, und mehr als die Hälfte, nämlich 57 Prozent, ist offen für fleischlose Alternativen.
Regional ist die Entwicklung längst angekommen. In Hamburg liegt der Anteil von Grillgemüse bei 74 Prozent, fast so hoch wie anderswo das Steak. Selbst der Markt zieht mit: Beim Hersteller PHW legten die veganen Bruzzzler-Varianten in einer Saison um fast 98 Prozent zu, berichtet die Branche. Vegetarisch grillen ist also keine Marotte einer kleinen Minderheit mehr. Es ist Mainstream mit Wachstumskurve.
Die Skepsis ist nur bedingt berechtigt
Jetzt kommt der unbequeme Teil. Begeisterung sieht anders aus. In der Knuspr-Umfrage empfinden 42 Prozent vegane Burger als „Beleidigung für jeden echten Grillmeister“, und knapp 60 Prozent halten Grillen ohne Fleisch schlicht für kein echtes Grillen. Diese Skepsis ist verständlich. Und das Schöne ist: Sie trifft gar nicht das, worum es hier eigentlich geht.
Denn die Ablehnung richtet sich fast immer gegen den labbrigen Fake-Burger, gegen das Imitat, das so tun will, als wäre es Fleisch. Das ist in Teilen nachvollziehbar. Wer braucht eine Wurst, die keine sein darf? Der Trick eines richtig guten vegetarischen Grillabends ist deshalb denkbar einfach: das Imitat weglassen. Kein Ersatzfleisch, sondern echte Lebensmittel, die aus eigenem Recht überzeugen. Wer so denkt, muss niemandem etwas beweisen und schon gar nichts ersetzen.
Auf der anderen Seite haben natürlich auch die Menschen, die sich für eine vegetarische Ernährung entscheiden, hin und wieder Bock auf den Geschmack und die Form einer Wurst, nur eben nicht aus tierischen Zutaten. Zum Glück gibt es aber auch da mittlerweile richtig gute Sachen, die beim Blindtest zwar immer noch schnell entlarvt werden, aber trotzdem schmackhaft sind und das Bedürfnis befriedigen.

Was wirklich auf den Rost gehört
Fangen wir beim heimlichen Star an, den die Zahlen längst verraten: Grillkäse grillt bereits fast ein Drittel der Deutschen. Ein Halloumi, der außen knusprig bräunt und innen saftig bleibt, oder ein Grillkäse vom Stück, der quietschend auf den Rost kommt und in Minuten goldbraun ist, braucht keine Beilagenrolle, der ist ein Hauptdarsteller.
Daneben spielt das Gemüse längst in einer eigenen Liga. Eine in Scheiben gegrillte Zucchini entwickelt Röstaromen, die man kaum für möglich hält. Paprika wird süß und weich. Große Portobello-Pilze oder Kräuterseitlinge bekommen eine fast fleischige Tiefe, die selbst Skeptiker am Tisch verstummen lässt. Maiskolben, kurz vorgekocht und über der Glut karamellisiert, mit etwas Salzbutter bestrichen, sind reiner Sommer. Bunte Spieße aus Paprika, Zucchini, roten Zwiebeln und Cherrytomaten sehen auf dem Rost auch noch verdammt gut aus.
Der zweite Geheimtipp liegt nicht auf dem Rost, sondern daneben: ein gutes, leicht angegrilltes Fladenbrot, dazu zwei, drei selbst gerührte Dips, ein cremiger Joghurt-Dip mit Kräutern, eine Aioli, ein Ajvar aus dem Glas. Mehr braucht ein voller Teller nicht. Wer Lust auf eine Überraschung hat, legt eine dicke Scheibe Wassermelone auf den heißen Rost. Klingt schräg, schmeckt fantastisch, und immerhin jeder fünfte Deutsche hat das laut Knuspr schon ausprobiert. Schon vor Jahren haben wir in unseren fünf Tipps zum Grillen festgehalten, dass wenige gute Zutaten mehr bringen als ein überladenes Menü. Beim vegetarischen Grillen gilt das erst recht.
Gastgeber statt Grillmeister
Und hier liegt vielleicht der wahre Gewinn. Vegetarisch grillen ist herrlich entspannt. Kein nervöses Beobachten von Kerntemperaturen, keine Angst, dass etwas roh bleibt, kein Geschirrtsunami aus blutigen Brettern. Das passt zu einer Erkenntnis, die in den Umfragen immer wieder durchscheint: Beim Grillen geht es uns vor allem um die Gemeinschaft. Fast 70 Prozent sagen, die Geselligkeit stehe im Vordergrund, und im Schnitt grillt man hierzulande gleich für acht Personen.
Genau dafür ist dieser Sommer wie gemacht. Die Weltmeisterschaft läuft, wenn auch inzwischen ohne unser DFB-Team, die Abende sind lang, der Anlass zum spontanen Einladen war selten leichter zu finden. Wie stark so ein Turnier wirkt, hat die letzte Europameisterschaft gezeigt: 52 Prozent der Deutschen haben 2024 wegen des Fußballs öfter gegrillt als sonst. Ein Spiel im Hintergrund, ein paar Stühle in den Garten, der Grill an, dazu das beliebteste Grillgetränk der Männer, ein kühles Bier, und aus einem Mittwoch wird ein kleines Fest.
Der alte Typ Grillmeister, der mit Zange und Schürze sein Revier verteidigt und niemanden an die Kohle lässt, darf in dieser Rolle gern in Rente gehen. Mit Mitte fünfzig muss man nicht mehr die größte Keule auflegen. Man darf endlich das Entspanntere sein: ein guter Gastgeber, der ein Getränk in der Hand hat und ein offenes Ohr. Vegetarisches Grillgut hilft dabei sogar, weil es für alle am Tisch funktioniert, vom hungrigen Teenager bis zur Freundin, die seit Jahren kein Fleisch mehr isst.

Wir bei NOT TOO OLD machen aus unserer Haltung keinen Hehl: Wir grillen fleischfrei, und wir finden, dass das kein Verzicht ist, sondern ein Gewinn. Aber keine Sorge, das ist keine Einladung zur Missionierung. Niemand muss am Sonntag den Nacken aus der Pfanne verbannen. Es geht nur um eine kleine, lohnende Idee.
Einfach mal auflegen
Probiert es bei der nächsten Gelegenheit aus. Legt neben das Gewohnte einen Halloumi, ein paar Pilze, einen Maiskolben und eine Handvoll bunter Spieße. Mehr Aufwand ist das nicht, mehr Farbe auf dem Rost dafür schon. Und die Chance ist groß, dass am Ende des Abends niemand die Wurst vermisst. Ein guter Grillabend braucht heute kein Steak. Er braucht eine gute Idee, ein paar gute Zutaten und gute Leute. Den Rest macht die Sonne.
