Er hat mit „Bilder von Dir“ einen der meistgespielten deutschen Pop-Songs der Nullerjahre abgeliefert, stand mehrfach auf Platz 1 der Albumcharts und hat seine größten Songs jetzt für ein Jubiläumsalbum komplett neu eingespielt. Laith Al-Deen ist seit 25 Jahren im Geschäft und redet im NOT TOO OLD Podcast so offen, wie man es selten hört. Über das Älterwerden in der Musikszene, über Social Media, über psychische Probleme, Patchwork-Familie und Freundschaft. Hört mal rein.
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Es beginnt mit einem Bild von Laith Al-Deen zu seinem erfolgreichsten Song. Er beschreibt „Bilder von Dir“ so: „Es ist so ein klebriges Bonbon. Total lecker, und es klebt aber doch und man wird es auch nicht irgendwie los, wenn man möchte.“ Der Song, mit dem alles begann, verfolgt ihn bis heute. Und er weiß das und arbeitet daran und damit. Er hat seinen Frieden damit gemacht und der frühe Erfolg ist auch ein Motivator.
Zehn Jahre Vorarbeit, ein einziger Ton
Wer Laith Al-Deen nur aus den Charts kennt, verpasst die eigentliche Geschichte. Der 1972 in Karlsruhe geborene Sohn eines irakischen Vaters und einer deutschen Mutter aus Osnabrück hat mehr als zehn Jahre gespielt, bevor er überhaupt einen Plattenvertrag hatte. Es Hochzeiten, Straßenauftritte, regionale Clubs, er nutzte viele Bühnen und alles, was eine Schule sein kann, war seine Schule. Als sein Debütalbum 2000 erscheint, hat er bereits ein Jahrzehnt mit Musik machen hinter sich.
Und dann: ein einziger Ton. „Bilder von Dir“ läuft, das Debüt verkauft sich gut, recht schnell schon 65.000 Stück, eine Zahl, die sich für einen Newcomer respektabel anhört. Für das Major-Label Sony Music offenbar nicht. „Wir müssen was tun“, sagt jemand in einem Berliner Büro. Laith sitzt dabei, 28 Jahre alt, und versteht die Welt nicht mehr. Er dachte, er macht eine Langstrecke. Die Industrie dachte anders. „Ich habe nie vergessen, dass die eigene Wahrnehmung unter Umständen mit dem, was von anderen erwartet wird, überhaupt nicht übereinstimmt“, sagt er heute. Und man spürt, dass dieser Satz damals schmerzhaft gelernt wurde.

Vom Gipfel in die Krise
2004 steht er auf Platz 1 der Albumcharts. Das ist der Gipfel. Was danach kommt, ist das, worüber nicht viele Musiker reden wollen: der Abstieg, der keiner sein soll, weil man ja immer noch Konzerte spielt und Songs schreibt und Fans hat. Aber irgendwo zwischen 2009 und 2014 verliert Laith Al-Deen den Faden.
Er nennt es keine Depression. Er sagt: Lebenskrise. „Burnout-nah“, wie er es formuliert. „Ich habe festgestellt, dass ich gerne der Realität entfliehe.“ Was dann folgt, klingt nach einer Geschichte, die viele Männer seiner Generation kennen, auch wenn sie sie meistens nicht erzählen: die Exzesse, die zunächst verlockend wirken, weil sie Erleichterung versprechen. Die Nächte, die nach Freiheit aussehen. Der Prozess wegen einer kleinen Menge Drogen, der dann plötzlich mehr Presse bringt als zehn Alben. Die Erkenntnis, dass man seiner eigenen Realität nicht entfliehen kann.
„Am Ende des Tages kann man seiner eigenen Realität nicht entfliehen. Und es hat eine Weile gedauert, das zu lernen.“ Es war Therapie, Motorradfahren, Sport, und die bewusste Entscheidung, Strukturen zu bauen, die aus der Dunkelheit herausführen. Und es war eine Platte, auf der er das alles verarbeitet hat und die ihn mit Menschen zusammengebracht hat, denen es ähnlich ging. „Ich bin einfach nicht allein“, sagt er. „Es gibt da draußen so viele, die mit Themen unterwegs sind, die öffentlich stattfinden müssen, damit eine Akzeptanz entsteht.“
Patchwork, Privatrente und Pragmatismus
Mit 44 wird Laith Al-Deen Patchwork-Vater, aus dem Stand, wie er sagt. Drei Bonuskinder, eine neue Liebe, ein Familienmodell voller Herausforderungen und voller Leben. Sein Bassist gibt ihm in dieser Zeit den besten Rat, den er je bekommen hat: „Versuch erst mal, ein Kumpel zu sein.“ Er hat diesen Rat fünf Jahre später immer noch nicht überholt. Er ist noch nicht weiter und damit ganz zufrieden.
Beim Thema Finanzen ist Laith Al-Deen ungewöhnlich offen. Er ist „direkt reingesprungen“, sagt er, hat nicht zur richtigen Zeit die richtigen Standbeine aufgebaut. Es gibt eine kleine Privatrente, die er „mit dem letzten Rest Vernunft Anfang der 2000er“ gestartet hat. Was dabei rauskommt, nennt er „spannend“ in einem Ton, der Humor und leise Sorge gleichermaßen enthält. Die Musik muss weiter funktionieren. Nicht weil er es sich nicht anders vorstellen kann, sondern weil die Rechnung aufgeht, solange es so ist. Was passiert, wenn die Musik nicht mehr funktioniert? „Das ist natürlich auch ein Motivator. Gleichzeitig ist es eine Warnlampe.“
15 Songs, neu gedacht
Für sein Jubiläumsalbum „25 – Best Of“, das im Oktober erscheint, hat Laith Al-Deen alle 15 Tracks komplett neu eingespielt. Keine Archivversion, kein Remastering, sondern neue Arrangements mit neuer Energie, quasi 25 Jahre Live-Erfahrung in eine Platte gegossen. Die Idee kam aus dem Feedback des Publikums: „Das ist live geiler als auf Platte“ ist ein Satz, der ihm jahrelang nachgegangen ist und den er jetzt in eine Antwort verwandelt hat.

Am schwierigsten war „Bilder von Dir“. Die Band hat Reggae-Versionen und Swing-Versionen ausprobiert. Der Swing fiel beim Heimspiel in Mannheim durch. „40 Prozent der Leute fanden es überhaupt nicht gut.“ Am Ende war es Produzent Florian Sitzmann, der einen neuen Zugang fand. Eine Version, die mit dem Original nicht konkurriert, sie existiert einfach daneben. „Bilder von Dir 2.0, und damit mache ich einen Haken.“
Dass er dabei trotzdem noch im klassischen Album-Format denkt, hinterfragt er selbst. „Ich habe lang versucht, mir das schön zu reden mit der Album-Geschichte.“ Im Kern geht es ihm darum, eine Schaffensphase abzuschließen, einen Punkt zu setzen. Was danach kommt, wird man sehen.
Wie alt darf man werden?
Die Fanta 4 machen Abschiedstour. Udo Lindenberg wird 80 und macht einfach weiter. Laith Al-Deen hat eine klare Meinung dazu: „Solange man sich gut fühlt, solange man seine Botschaft noch an die Leute kriegt und man kriegt das auch zurück, sollte man es tun.“ Er findet sowieso, dass 50 die neue 40 ist. Und fühlt sich gut.
Den einen Song, mit dem er in Erinnerung bleiben möchte, kennt man weniger als „Bilder von Dir“. Es ist „Ich will nur wissen“, der Titelsong seines Debütalbums, ein Lied über Werte und Zwischenmenschlichkeit, das er vor 25 Jahren auf Basis eines kanadischen Gedichts geschrieben hat. „Wenn ich mich mit dem Song irgendwo festnageln könnte, wäre ich wahnsinnig dankbar.“
Das ist die ehrlichste Antwort, die man in einem Pop-Interview bekommen kann: nicht der größte Hit, sondern der persönlichste Song. Nicht der, den alle kennen, sondern der, der am meisten bedeutet. Nach 25 Jahren weiß Laith Al-Deen den Unterschied.
Links zu Laith Al-Deen
| Website von Laith Al-Deen | www.laith.de |
| Laith bei Instagram | @laithaldeen_official |
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