Der Weg ist das Ziel, in diesen Cabrios gilt das mehr denn je. Das passende Bild dazu zeigt eine Landstraße an einem späten Nachmittag mit langsam untergehender Sonne, das Verdeck ist offen, der Motor brummt im mittleren Drehzahlbereich. So ein Ausritt bringt euch nicht von A nach B, vielmehr ist diese Fahrt der Grund, überhaupt gestartetet zu sein. Für dieses Gefühl braucht es kein neues Auto. Im Gegenteil, manchmal braucht es das richtige alte. Daher checken wir mal, welches Cabrio zu so einer Best Ager Ausfahrt passen könnte.
Youngtimer sind längst kein Nischenthema mehr. Rund 8,6 Millionen Fahrzeuge zwischen 15 und 30 Jahren rollen in Deutschland über die Straßen, und der Markt beobachtet sie inzwischen so ernsthaft wie die noch älteren Klassiker. Der Grund ist so simpel wie menschlich: Wer heute Mitte fünfzig ist, für den waren diese Fahrzeuge als Teenager ein Traum auf vier Rädern oder der Superstich beim Autoquartett. Jetzt ist bestenfalls das Geld da und der Wunsch, sich den Jugendtraum endlich zu erfüllen.
Damit verbunden ist aber noch ein weiterer spannender Aspekt, denn viele dieser Autos sind nicht nur Sommerfreude, sondern auch eine kleine Wertanlage. Der Deutsche Oldtimer Index legt für Fahrzeuge der 80er-Jahre zuletzt rund 6,8 Prozent pro Jahr zu, deutlich mehr als für das ganz alte Blech. Einzelne Modelle sind regelrecht durch die Decke gegangen: Ein BMW E36 als offene Baur-Variante stand laut Classic Analytics 2020 noch bei 5.500 Euro, 2025 waren es rund 19.000. Wer klug kauft, fährt also nicht nur schön, sondern verbrennt auch kein Geld.
Wir haben sieben offene Klassiker herausgesucht, vom bezahlbaren Einstieg bis zum großen Traum. Alle mit einem gemeinsamen Nenner: Sie machen in der Garage und auf der Landstraße einfach eine gute Figur.
Mazda MX-5 (NA) – der ehrliche Roadster
Fangen wir da an, wo offenes Fahren am meisten Spaß fürs wenigste Geld bietet. Der Ur-MX-5 von 1989 hat das totgeglaubte Roadster-Konzept im Alleingang wiederbelebt: leicht, agil, mit klappbaren Klappscheinwerfern und einem Fahrverhalten, das bis heute als Maßstab gilt. Kein Turbo, kein Schnickschnack, nur Mensch, Maschine und Kurve.

Gepflegte NA-Modelle bekommt ihr für rund 8.000 bis 15.000 Euro, Tendenz steigend, denn die frühen Baujahre erreichen jetzt H-Kennzeichen-Alter. Achtung beim Kauf: Der MX-5 rostet gern an Schwellern und hinteren Radläufen. Taschenlampe mitnehmen, drunterschauen, nicht vom frischen Lack blenden lassen. Zur Not einen Experten oder eine Expertin mitnehmen. Das gilt für jede Probefahrt mit einem Cabrio aus dieser Liste.
NTO-Fazit: Der vernünftigste Einstieg in die Youngtimer-Welt. Wer sich noch unsicher ist, ob offenes Fahren das Seine ist, findet hier die risikoärmste Antwort.
Porsche Boxster (986) – der günstige Weg zum Boxermotor
Der Boxster hat Ende der 90er nicht weniger getan, als Porsche vor der Pleite zu retten. Und er ist bis heute die preiswerteste Möglichkeit, einen Porsche mit Sechszylinder-Boxer im Rücken zu fahren. Mit einem Sound, den man einmal live gehört haben muss.

Die Zeiten, in denen der 986 verramscht wurde, sind vorbei. Saubere Exemplare von diesem Cabrio liegen aktuell überwiegend zwischen 15.000 und 23.000 Euro (Stand Sommer 2026), gute Einstiege gibt es vereinzelt darunter. Da die frühen Jahrgänge aufs H-Kennzeichen zufahren, dürfte der Boden endgültig durchschritten sein. Achtung beim Kauf: Das berüchtigte IMS-Lager der frühen Modelle. Ein professionell saniertes Exemplar ist den Aufpreis wert, ohne Nachweis lieber die Finger lassen.
NTO-Fazit: Der klügste Kauf der Liste. Porsche-Zuffenhausen-Emblem, Mittelmotor-Handling und ein Markt, der eher nach oben als nach unten zeigt.
Mercedes SL (R129) – der Boulevard-Cruiser, der gerade abhebt
Der R129 ist kein Sportwagen, er ist ein Statement. Bauhaus-klare Linien, massiver Auftritt, dieses satte Türen-Schließen, das man in modernen Autos vergeblich sucht. Der SL war schon immer das Cabrio für den souveränen Auftritt und genau deshalb zieht er jetzt im Wert an.

Marktbeobachter berichten, dass sich top-gepflegte R129 binnen zwei Jahren teils verdoppelt haben und die Vorgänger-Baureihen zeigen, dass da noch Luft ist. Gute Exemplare beginnen bei etwa 15.000 Euro, für die Spitzenstücke mit V8 und lückenloser Historie werden auch mal 30.000 Euro und mehr aufgerufen. Achtung beim Kauf: Weniger der Rost (die Karosserie ist robust), mehr die Technik, gerade Verdeckhydraulik und Elektrik können ins Geld gehen.
NTO-Fazit: Für alle, die entspannt gleiten statt hetzen wollen. Ein Auto, das seinen Fahrer älter aussehen lässt, im allerbesten Sinne.
BMW Z3 – 90er-Ikone mit Kinoauftritt
Ein Z3 Cabrio kam zeitgleich mit James Bond in „GoldenEye“ in die Kinos und sieht bis heute so aus, wie sich die 90er ihre Zukunft vorgestellt haben. Lange Haube, kurzes Heck, Fahrer weit hinten überm Hinterrad. Die Vierzylinder sind ehrliche Cruiser, die Sechszylinder-Modelle liefern den Sound und den Nachdruck, den dieses Auto verdient.

Solide Z3 gibt es ab rund 8.000 Euro, für die begehrten Sechszylinder und erst recht das M Roadster ruft der Markt deutlich mehr auf. Achtung beim Kauf: Der berüchtigte hintere Achsträger, bei starken Motoren kann der Kofferraumboden reißen. Unbedingt prüfen (lassen).
NTO-Fazit: Das Auto für alle, die die 90er nicht nostalgisch verklären müssen, weil sie sie einfach nochmal fahren wollen.
Alfa Romeo Spider – das Herz über dem Verstand
Kein Auto auf dieser Liste ist unvernünftiger als dieses Cabrio. Und keines ist schöner. Der Alfa Spider ist Pininfarina-Design, italienisches Temperament und ein Motorklang, für den man Umwege in Kauf nimmt. Man kauft keinen Alfa, weil es der Kopf empfiehlt, man kauft ihn, weil das Herz mitentscheidet.

Gute Exemplare starten bei etwa 10.000 Euro. Achtung beim Kauf: Rost und Elektrik sind die üblichen italienischen Verdächtigen, und je nach Motor will das Zahnriemen- bzw. Wartungsintervall penibel eingehalten sein. Ein Alfa verzeiht Vernachlässigung schlechter als ein Mazda.
NTO-Fazit: Wenn ihr euch fürs Gefühl und gegen die Tabelle entscheiden wollt, ist hier eure Ausfahrt.
Jaguar XK8 Cabrio – britische Eleganz mit V8-Bass
Der XK8 ist der Grand Tourer unter den erschwinglichen Klassikern: langgestreckt, katzenhaft, mit einem V8, der nicht schreit, sondern grollt. Ein Cabrio, das nicht auf die Rennstrecke will, sondern an die Küstenstraße, am liebsten mit offenem Verdeck und viel Zeit.

Für ein sauberes, gut gewartetes Cabrio solltet ihr mit etwa 15.000 bis 20.000 Euro rechnen; die stärkere XK-R-Variante kostet deutlich mehr. Weil viele Exemplare intensiv genutzt wurden, sind originale, gepflegte Autos selten geworden. Das tut der Wertentwicklung gut. Achtung beim Kauf: Bei frühen Motoren Steuerkettenspanner und (ganz frühe Jahrgänge) die Nikasil-Thematik prüfen, dazu Fahrwerk und Verdeck.
NTO-Fazit: Der Understatement-Gentleman der Runde. Für Männer, die nichts mehr beweisen müssen und genau deshalb den größten Auftritt haben.
Porsche 911 Cabrio (964/993) – der Traum, wenn das Budget mitspielt
Bleibt der große Traum. Das offene 911 der luftgekühlten Baureihen 964 und 993 ist kein Vernunftkauf, sondern die Krönung. Der 993 gilt vielen als der schönste luftgekühlte Elfer überhaupt und als eine der klügsten automobilen Wertanlagen der letzten Jahre.

Der Preis spiegelt das: Gute luftgekühlte 911 Cabrios beginnen jenseits der 50.000 Euro, nach oben ist die Grenze offen. Achtung beim Kauf: Hier ist ein Gutachten Pflicht, kein Luxus. Ölundichtigkeiten, Kettenspanner (964) und das Sekundärluftsystem (993) sind bekannte Themen, und die Wartung ist entsprechend kostspielig.
NTO-Fazit: Das Ziel am Horizont. Wer den Weg über MX-5, Boxster und SL gegangen ist, weiß am Ende genau, warum er hier ankommt.
Was bleibt: Fahren schlägt Rendite
Ja, viele dieser Autos steigen im Wert, manche deutlich. Aber der Experte Frank Wilke von Classic Analytics bringt es auf den Punkt: Wer sich einen Youngtimer als Sparbuch kauft, kauft aus den falschen Gründen. Gefragt sind die analogen, fahraktiven Autos mit Schaltgetriebe, „wo man noch was machen muss am Steuer“. Die Wertsteigerung ist der Bonus. Der eigentliche Gewinn steht sonntagmorgens in der Garage und wartet auf Cabrio-Wetter.
Ein letzter, praktischer Hinweis: Fahrzeuge ab 30 Jahren können ein H-Kennzeichen bekommen und das bedeutet pauschale Kfz-Steuer und oft günstige Spezialversicherungen. Das macht so manchen Klassiker im Unterhalt planbarer, als viele denken. Voraussetzung ist ein guter, zeittypischer Zustand ohne wilde Umbauten.
Und weil Stil eben kein Alter kennt: Das Cabrio ist am Ende dasselbe Prinzip wie die richtige Uhr am Handgelenk, denn Qualität, Charakter und Langlebigkeit schlagen kurzlebige Trends. Wer noch mehr Inspiration rund ums Thema Auto und Unterwegssein sucht, wird in unserer Rubrik Mobilität fündig.
Jetzt aber: Verdeck auf. Der Sommer wartet nicht.
