HomePODCASTNTO Podcast #67 mit Regisseur Marc Rothemund über "Ein fast perfekter Antrag"

NTO Podcast #67 mit Regisseur Marc Rothemund über „Ein fast perfekter Antrag“

Der erfolgreiche Regisseur Marc Rothemund bringt am 26. Februar 2026 mit „Ein fast perfekter Antrag“ einen Film ins Kino, der wie gemacht ist für alle, die wissen: Das Leben wird in der zweiten Hälfte oft erst richtig interessant. Iris Berben und Heiner Lauterbach treffen sich als Walter und Alice gut 40 Jahre nach einem verunglückten Heiratsantrag zufällig wieder und insbesondere bei Walter fangen die Schmetterlinge an zu flattern. Um Alice für sich zu gewinnen, muss er aber einiges anstellen und beweisen, dass man nie zu alt ist, umzudenken und Neues zu lernen.

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Es gibt einen Moment im Gespräch mit Marc Rothemund, der viel erklärt. Er beschreibt die schwierigste Drehszene seines neuen Films: ein Sprung in die Donau bei Wien, nachts, bei Hochwasser. Das Wasser stank. Die Wasserwacht weigerte sich einzusteigen. Das Team auch. Regisseur Marc Rothemund sprang selbst zuerst rein, um den anderen zu zeigen, dass es geht. Iris Berben und Heiner Lauterbach, beide über 70, folgten.

Marc Rothemund, Jahrgang 1968, ist seit über 25 Jahren im Filmgeschäft. Er hat mit „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ einen Oscar-nominierten Historienfilm gedreht und mit „Dieses bescheuerte Herz“ und „Wochenendrebellen“ Komikdramen auf die Leinwand gebracht, die Millionen ins Kino lockten. Sein neuer Film „Ein fast perfekter Antrag“ eröffnet ab dem 26. Februar eine Nische, die das deutsche Kino viel zu selten bedient: die romantische Komödie für ältere Erwachsene.

Eine Liebesgeschichte mit Geschichte

Walter, pedantischer Witwer und Hobby-Restaurantkritiker, trifft nach 40 Jahren zufällig Alice wieder, seine Jugendliebe, der er damals einen Heiratsantrag gemacht hat, der mit einer Platzwunde und gebrochenem Zeh endete. Alice ist heute Kunstprofessorin in Regensburg, freigeistig und bestens ohne ihn ausgekommen. Er versucht trotzdem sein Glück und schreibt sich kurzerhand als Gaststudent in ihre Vorlesung ein.

Was folgt, ist eine temporeiche Komödie über Vorurteile, Generationenkonflikte und die Frage, ob man mit über 70 noch mal von vorne anfangen kann. Spoiler laut Rothemund: „Ich kann es verraten, dass es ein wunderschönes Happy End gibt.“ Die Spannung liegt im Weg dorthin.

Heiner Lauterbach und Iris Berben spielen die Hauptrollen, zum ersten Mal als Liebespaar, obwohl sie sich seit Jahrzehnten kennen. Hinter der Kamera sind sie laut Rothemund ähnlich verschieden wie vor ihr: Berben die Neugierige, Lauterbach der Musikalische, der jeden Text nach Rhythmus zerlegt. Beide über 70, beide mit einer Begeisterung für Geschichten, die das Alter vergessen lässt. Rothemund vergleicht das mit seinem Vorbild Bernd Eichinger: „Der konnte lachen wie ein Schuljunge.“

Einsamkeit, Neugier und ein Saugroboter

Das eigentliche Thema des Films ist weniger die romantische Wiedervereinigung als das, was davor kommt: Einsamkeit. Walter schaltet nach dem Tod seines Hundes den Saugroboter an, nur damit irgendein Geräusch in der Wohnung ist. Alice hört zum Einschlafen Podcasts, weil sie seit Jahren alleine lebt. Beide haben sich in ihrem jeweiligen Leben eingerichtet, beide merken im Laufe der Geschichte, dass ihnen etwas fehlt.

Gedreht wurde hauptsächlich in Regensburg, einer Stadt, die Rothemund vorher fast nur von der Autobahn kannte. Der Drehbuchautor Richard Kropf, mit dem Rothemund bereits die „Wochenendrebellen“ entwickelt hat, wuchs mit Regensburger Kunstgeschichte auf: Seine Mutter studierte dort. Die mittelalterliche Altstadt, die Donau, eine riesige Betonuniversität aus den 60ern, die aussieht wie ein Parkhaus, das alles wurde zur Kulisse für eine Geschichte über alte Vorurteile und neue Anfange. Eine Semesterreise führt die Gruppe schließlich nach Wien, wo Marc Rothemund mit der Crew im Albertina vor echten Picasso- und Manet-Gemälden im laufenden Museumsbetrieb drehen durfte.

Kino ist nicht Fernsehen

Marc ist ein leidenschaftlicher Kino-Verfechter und er begründet das nicht mit Nostalgie, sondern mit einem einzigen Wort: Weiterempfehlungswert. Beim Fernsehen schaltet man ein, schaut, schaltet ab. Das Kino kostet Zeit, Geld, einen Parkplatz. Und wenn man danach jemandem sagt „Das musst du sehen“, dann hat ein Film seine eigentliche Aufgabe erfüllt. Das ist der Maßstab, an dem er seine Arbeit misst.

Zur Premiere wird er den Film selbst übrigens wieder nicht im Saal sehen. Das macht er grundsätzlich nicht, weil er immer noch etwas verändern würde, solange er kann. Und wenn er nichts mehr ändern kann, dann will er es auch nicht mehr sehen. Die Idee dazu hat er von Billy Wilder, der bei einer Premiere einmal draußen wartete und dem ein herauskommender Zuschauer auf die Schulter klopfte und fragte, ob er den Film auch so schlimm fand.

Rothemund lacht, wenn er das erzählt. Ein Mann, der seit 25 Jahren Filme macht und immer noch so nervös ist wie beim ersten Mal. Das ist, bei aller Selbstironie, das größte Kompliment, das man sich selbst machen kann.

Schließen tut er unser unterhaltsames Gespräch mit einem Zitat von Coco Chanel. Die hat mal gesagt: Alter schützt vor Liebe nicht – aber Liebe vor dem Altern. Marc Rothemund hat diesen Satz als Motto für seinen Film gefunden. Man merkt: Er glaubt daran.

ZUM FILM

Ein fast perfekter Antrag | Regie: Marc Rothemund | Mit Iris Berben & Heiner Lauterbach | Kinostart: 26. Februar 2026 | Drehbuch: Richard Kropf | Drehorte: Regensburg & Wien
Website (Leonine): Ein fast perfekter Antrag

Trailer zu „Ein fast perfekter Antrag“: bei youTube.

Kai Bösel
Kai Bösel
Kai Bösel (Jg. 1971) lebt als Patchwork-Papa mit der Familie in Hamburg. Neben NOT TOO OLD betreibt er auch das Väter-Magazin Daddylicious. Außerdem ist er Experte für Influencer-Marketing. Bisher hat er bereits fünf eigene Unternehmen gegründet, schreibt für diverse Print- und Online-Magazine, tritt als Speaker und Moderator auf und betreibt zu diesem Magazin auch einen Podcast. Nach Feierabend entspannt er beim Laufen oder Golf.

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