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WHO warnt: Viele Erwachsene riskieren Krankheiten durch zu wenig Bewegung

Mit der Bewegung ist das echt verhext. Alle wissen, dass man viel Bewegung braucht und Treppen statt Fahrstuhl benutzen und gern auch mal mit dem Fahrrad zum Einkaufen düsen sollte. Aber allein das reicht nicht aus, bestenfalls halten sich Menschen auch durch Sport und mehr körperliche Betätigung fit. Die WHO hat in einer aktuellen Meldung recht erschreckende Zahlen veröffentlicht: Demnach haben weltweit über 1.8 Mrd. Erwachsene ein Krankheitsrisiko durch zu wenig Bewegung.

In unseren Gefilden ist es leider ziemlich einfach, ein paar passende Ausreden zu finden. Im Winter ist es nass, kalt und zu glatt für Outdoor-Sport, im Sommer ist es zu heiß für die Joggingrunde oder eine Radtour und ein Workout im Home-Gym kommt für viele aus Platzgründen oder durch die Anschaffung der teuren Sportgeräte nicht in Frage. Was in jedem Alter zu empfehlen ist, das ist Vereinssport. Oder ein Heimtraining mit einer Fitness-App. Den inneren Schweinehund auf dem Sofa zur Seite zu boxen und sich in die Sportklamotte zu schwingen ist eine der großen Herausforderungen im zunehmenden Alter. Aber vielleicht können die Zahlen überzeugen und motivieren.

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© Lo Sarno (Unsplash)

WHO mit globaler Studie zur Bewegung

Die WHO, die alle seit der Corona-Pandemie kennen sollten, hat zusammen mit akademischen Kolleg*innen eine aktuelle Studie zur Bewegung von Erwachsenen durchgeführt und im Fachjournal The Lancet Global Health veröffentlicht. Die Ergebnisse liefern Grund zur Sorge, denn fast ein Drittel (31 %) der Erwachsenen weltweit, also etwa 1,8 Milliarden Menschen, haben im untersuchten Jahr 2022 nicht die empfohlenen körperlichen Aktivitätsniveaus erreichte. Und diese Inaktivität stagniert nicht auf diesem Level, sondern steigen weiter. In der Zeit von 2010 bis 2022 entwickelte sich ein besorgniserregender Trend und ein Anstieg der körperlichen Inaktivität bei Erwachsenen um etwa fünf Prozent.

Schreibt man diese Entwicklung in die Zukunft fort, dann ist davon auszugehen, dass die Inaktivitätsrate bis 2030 auf 35 % ansteigen wird. Dabei müsste schon längst eine Gegenbewegung eingesetzt haben, um gerade die gesundheitlichen Folgen und auch die daraus entstehenden Kosten zu verringern.

So viel Bewegung sollte es sein

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) lautet die Empfehlung, dass Erwachsene jede Woche mindestens 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive körperliche Aktivität betreiben. Ansonsten drohen gesundheitliche Konsequenzen durch die körperliche Inaktivität wie ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Herzinfarkte und Schlaganfälle), Typ-2-Diabetes, Demenz und Krebsarten wie Brust- und Darmkrebs.

Schaubild zur WHO-Studie über die Bewegung von Erwachsenen
© WHO

„Diese neuen Erkenntnisse verdeutlichen eine verpasste Chance, Krebs und Herzkrankheiten zu reduzieren und die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden durch vermehrte körperliche Aktivität zu verbessern“, sagte Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO. „Wir müssen unser Engagement für die Erhöhung der körperlichen Aktivität erneuern und mutige Maßnahmen priorisieren, einschließlich gestärkter politischer Maßnahmen und erhöhter Finanzierung, um diesen besorgniserregenden Trend umzukehren.“

Unterschiede nach Ländern, Geschlecht und Alter

Der Anteil der körperlichen Inaktivität ist nicht in jedem Land gleich, es gibt massive Unterschiede. Den höchsten Mangel an Bewegung verzeichnen die Forscher*innen in den wohlhabenden Asien-Pazifik-Region (48 %) und Südasien (45 %), in den wohlhabenden westlichen Ländern liegt der Anteil bei 28 % und am geringsten ist der Anteil mit 14 % in Ozeanien.

Ähnlich deutlich sind die Unterschiede, wenn man die Gruppen nach Geschlecht und Alter untersucht. Tatsächlich haben die Männer die Nase in Sachen Bewegung vorne, im weltweiten Vergleich sind 29 % der Männer körperlich inaktiv, aber 34 % der Frauen. In einigen Ländern beträgt dieser Unterschied bis zu 20 Prozentpunkte. Außerdem sind Menschen über 60 weniger aktiv als andere Erwachsene, was die Bedeutung der Förderung körperlicher Aktivität für ältere Erwachsene unterstreicht.

„Körperliche Inaktivität ist eine stille Bedrohung für die globale Gesundheit und trägt erheblich zur Belastung durch chronische Krankheiten bei“

Dr. Rüdiger Krech (Direktor für Gesundheitsförderung bei der WHO)

Der Experte weiter: „Wir müssen innovative Wege finden, um Menschen zu motivieren, aktiver zu sein, wobei Faktoren wie Alter, Umwelt und kultureller Hintergrund berücksichtigt werden. Indem wir körperliche Aktivität für alle zugänglich, erschwinglich und angenehm machen, können wir das Risiko nichtübertragbarer Krankheiten erheblich reduzieren und eine gesündere und produktivere Bevölkerung schaffen.“

Einige Entwicklungen machen Hoffnung

Es ist zum Glück nicht alles schlecht, denn trotz der besorgniserregenden Ergebnisse gibt es in einigen Ländern Anzeichen für Verbesserungen. Die Studie der WHO hebt hervor, dass fast die Hälfte der Länder weltweit in den letzten zehn Jahren einige Fortschritte gemacht hat und immerhin 22 Länder wurden als wahrscheinlich identifiziert, das globale Ziel einer Reduzierung der Inaktivität um 15 % bis 2030 zu erreichen, wenn ihr Trend in gleichem Tempo anhält.

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© Alejandra Ezquerro (Unsplash)

Was aber sind die Hebel und wie kann auch die Politik für eine Umkehrung des Trends zu immer geringerer Bewegung unterstützen? Laut WHO wäre es eine große Hilfe, wenn die Länder ihre politischen Aktivitäten verstärken, um körperliche Aktivität durch Breitensport und aktive Freizeitgestaltung sowie durch Transport (Gehen, Radfahren und Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel) zu fördern und zu ermöglichen.

„Diese neuen Erkenntnisse verdeutlichen eine verpasste Chance, Krebs und Herzkrankheiten zu reduzieren und die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden durch vermehrte körperliche Aktivität zu verbessern“, sagte Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO. „Wir müssen unser Engagement für die Erhöhung der körperlichen Aktivität erneuern und mutige Maßnahmen priorisieren, einschließlich gestärkter politischer Maßnahmen und erhöhter Finanzierung, um diesen besorgniserregenden Trend umzukehren.“

„Die Förderung körperlicher Aktivität geht über die Förderung individueller Lebensstilentscheidungen hinaus – sie erfordert einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz und die Schaffung von Umgebungen, die es jedem erleichtern und sicherer machen, auf eine Weise aktiver zu sein, die ihm Freude bereitet, um die vielen gesundheitlichen Vorteile regelmäßiger körperlicher Aktivität zu nutzen“, sagte Dr. Fiona Bull, Leiterin der WHO-Einheit für körperliche Aktivität.

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© Angelo Pantazis (Unsplash)

Wir sollten die Verantwortung aber nicht allein bei der Regierung suchen, die haben schon genug schwierige Themen zu stemmen. Für ausreichende Bewegung ist am Ende jeder einzelne Mensch verantwortlich. Denn es ist ja auch sein Körper, dem er damit etwas Gutes tut. Solltet ihr also noch keine für euch passende Aktivität gefunden haben, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt dafür. Geht schwimmen, wandern oder besorgt euch ein ordentliches Fahrrad als „daily driver“. Und wenn ihr dann noch ein paar schweißtreibende Workouts einstreut, seid ihr auf einem guten Weg zu einer besseren Gesundheit. Wenn ihr noch einen Impuls braucht, wie ihr nur mit einer App und eurem Körpergewicht trainieren könnt, findet ihr hier einen Artikel.

Die Studie hat nicht explizit die Bewegung älterer Männer untersucht. Trotzdem hielten wir die Ergebnisse für relevant, daher haben wir die Meldung aufbereitet.

Kai Bösel
Kai Bösel
Kai Bösel (Jg. 1971) lebt als Patchwork-Papa mit der Familie in Hamburg. Neben NOT TOO OLD betreibt er auch das Väter-Magazin Daddylicious. Außerdem ist er Experte für Influencer-Marketing. Bisher hat er bereits fünf eigene Unternehmen gegründet, schreibt für diverse Print- und Online-Magazine, tritt als Speaker und Moderator auf und betreibt zu diesem Magazin auch einen Podcast. Nach Feierabend entspannt er beim Laufen oder Golf.

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