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NTO Podcast #72 mit Lars und Ande über 30 Jahre Mundstuhl & Comedy

Es gibt Menschen, die älter werden. Und es gibt Menschen, die einfach weitermachen. Lars Niedereichholz und Ande Werner von Mundstuhl gehören klar zur zweiten Gruppe. Die beiden Frankfurter stehen seit fast 30 Jahren gemeinsam auf der Bühne, haben mehr Touren hinter sich als die meisten Rockbands, und wirken backstage in Hamburg so, als würden sie das alles gerade zum ersten Mal machen. Entspannt, direkt, kein Künstlergetue. In anderthalb Stunden gehen sie auf die Bühne. Nervös? „Völlige Routine“, sagt Lars. „Aber geil.“ Das ist Mundstuhl, jetzt im NOT TOO OLD Podcast.

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Der beste Beruf der Welt

Wer Lars und Ande fragt, ob das Touren nach drei Jahrzehnten noch Spaß macht, bekommt keine diplomatische Antwort. „Das ist einfach so ein geiler Job“, sagt Ande. „Und wir haben die Fäden in der Hand.“ Das klingt nach Phrase, ist aber keine. Denn Mundstuhl haben vor Jahren eine Entscheidung getroffen, die in der Unterhaltungsbranche nicht selbstverständlich ist: Sie haben aufgehört, sich von außen steuern zu lassen.

Kein Management, das den Kalender vollpackt. Kein Sender, der das nächste Format bestellt. Stattdessen: 45 Gigs im Jahr, sorgfältig ausgewählt, der Rest frei. Städte, die ihnen nicht gefallen, fliegen raus. Fernsehen machen sie so wenig wie möglich. Nicht weil sie nicht gefragt werden, sondern weil sie irgendwann festgestellt haben, dass Fernsehen Gesichter verbraucht. „Wenn du ständig im Fernsehen bist, hast du eine geringere Halbwertszeit als Künstler“, sagt Lars. Das klingt provokant. Es ist aber schlicht eine nüchterne Beobachtung von jemandem, der die Branche lange genug kennt.

Das Ergebnis dieser Entscheidungen ist eine Work-Life-Balance, die die meisten Männer unserer Generation beim besten Willen nicht hinkriegen. Und das Beste daran: Sie haben sie sich erarbeitet, nicht geerbt. „Wenn du ein Berufssohn bist, weiß ich nicht, ob das Geld ausgeben dann so viel Spaß macht“, sagt Ande. „Aber wir haben es uns verdient.“

30 Jahre Partnerschaft

Die naheliegende Frage bei zwei Menschen, die seit drei Jahrzehnten beruflich wie privat aufeinanderhocken, lautet: Wie zum Teufel funktioniert das? Die ehrliche Antwort von Lars und Ande ist weniger romantisch als man denken könnte und gerade deswegen überzeugend.

Ja, es gab Reibung. Vor allem in den frühen Jahren, als der Kalender so voll war, dass beide bis heute nicht ganz verstehen, wie sie das überlebt haben. „Manchmal wird man dünnhäutig“, sagt Lars. Aber es gab nie den Moment, an dem sie ans Aufhören gedacht haben. Das Projekt war und ist alternativlos. Nicht weil sie nicht könnten, sondern weil sie nicht wollen. Weil dieses Leben, wie es ist, das freieste ist, das sie sich vorstellen können.

Was hält das zusammen? Gegenseitige Toleranz. Die Fähigkeit, Entscheidungen gemeinsam zu treffen und dann auch gemeinsam dahinterzustehen. Und wahrscheinlich auch das hier: Beide haben nie wirklich aufgehört, das zu tun, was sie am meisten mögen. Wer das hat, braucht keinen Therapeuten.

Der Seidenschal und die Wahrheit über das Älterwerden

Irgendwann im Gespräch kommt Lars auf den Seidenschal. Dieses Accessoire im Kleiderschrank, welches Männer eines bestimmten Alters plötzlich tragen und dabei erzählen, sie hätten sich weiterentwickelt. Lars‘ Diagnose ist präzise und gnadenlos: „Die kriegen einen Schildkrötenhals und schämen sich.“ Der Schal ist keine Aussage über Stil. Er ist eine Aussage über Angst.

Mundstuhl haben diese Angst nicht. Ande ist 57 und möchte gesiezt werden. Und zwar nicht weil er altmodisch ist, sondern weil er es ernstnimmt, wo er im Leben steht. Lars ist überzeugt, dass die Entwicklung eines Mannes irgendwo um die 32 abgeschlossen ist und danach „alles nur noch Behauptungen“ sind.

Was beide beschreiben, ist im Kern das, worüber wir bei NOT TOO OLD immer wieder reden: Älterwerden als neutraler Vorgang, nicht als Niederlage.

„Wenn man nicht älter werden will, muss man früh in die Kiste springen“

sagt Ande. „Und das ist ja überhaupt keine Alternative.“

Midlife-Crisis? Verpasst.

Die Frage nach der Midlife-Crisis beantworten die beiden so, wie man es von Mundstuhl erwartet: direkt und ohne Selbstmitleid. Ande hatte nie eine, weil er keine Kinder hat und sich deshalb nie hat vorstellen müssen, wie schnell die Zeit vergeht. Lars hatte ein Motorrad mit 18, hat es während der Kinderphase seiner Frau zuliebe weggestellt und ist danach wieder eingestiegen. „Es gibt nichts Geileres als Motorradfahren“, sagt er. „Dass das überhaupt erlaubt ist.“

Kein Yoga, kein Segelboot, kein Coaching-Seminar über die zweite Lebenshälfte. Stattdessen: Bühne, Poker, Motorrad, Podcast. Und das Wissen, dass die eigentliche Midlife-Crisis für sie sowieso schon vorbei ist. „Wir sind ja nicht mehr in der Mitte des Lebens“, stellt Lars trocken fest. „Das ist rum.“

Mundstuhl forever

Am Ende des Gesprächs kommt die Frage nach dem Ende. Wann ist Schluss? Beide wissen es nicht genau – und wollen es auch nicht genau wissen. Was sie wissen: Sie wollen nicht die Thomas Gottschalks der Comedy werden. Sie wollen aufhören, bevor es peinlich wird. Aber aufhören wollen sie noch lange nicht.

„Mundstuhl wird sich niemals auflösen“, sagt Ande. „Es sei denn, einer von uns deckt den kühlen Rasen drüber.“ Bis dahin vielleicht irgendwann etwas kürzer treten, also acht Wochenenden im Oktober, 24 Shows, fertig. Aber die Bühne macht abhängig. Das sagen beide ohne Umschweife. Die direkte Bestätigung, das Lachen, der volle Saal, das kriegt man woanders nicht.

Was bleibt von einem Abend mit Mundstuhl backstage in Hamburg? Das Gefühl, dass diese beiden Männer etwas herausgefunden haben, das viele von uns noch suchen. Nicht den perfekten Plan für die zweite Lebenshälfte. Nicht die optimierte Routine. Sondern einfach die Antwort auf die Frage, was man wirklich will und dann die Konsequenz, es auch so zu leben.

Das ist keine schlechte Vorlage. Auch ohne Seidenschal.

Links zu Mundstuhl

Website von Mundstuhlwww.mundstuhl.de
Mundstuhl-PodcastDer Podcadz
Mundstuhl bei Instagram@mundstuhl_official
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Mundstuhl bei Facebook@Mundstuhl.de
Kai Bösel
Kai Bösel
Kai Bösel (Jg. 1971) lebt als Patchwork-Papa mit der Familie in Hamburg. Neben NOT TOO OLD betreibt er auch das Väter-Magazin Daddylicious. Außerdem ist er Experte für Influencer-Marketing. Bisher hat er bereits fünf eigene Unternehmen gegründet, schreibt für diverse Print- und Online-Magazine, tritt als Speaker und Moderator auf und betreibt zu diesem Magazin auch einen Podcast. Nach Feierabend entspannt er beim Laufen oder Golf.

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