Der Veganuary ist lange vorbei, aber irgendwie ist er es natürlich auch nicht. Denn eine neue, offizielle Umfrage unter mehr als 7.000 Teilnehmenden zeigt: Der vegane Januar hinterlässt Spuren. Nicht nur im Kühlschrank, sondern im Körper, im Kopf und offenbar auch im Alltag. Spuren, die für Männer in der Lebensmitte besonders interessant sein dürften. Zumal die Zahlen zeigen, dass genau unsere Generation besonders häufig mitmacht.
Wir bei NOT TOO OLD begleiten den Veganuary seit Jahren. Nicht, weil wir euch zum Verzicht erziehen wollen. Sondern weil wir wissen: Wer Mitte 40, 50 oder 60 ist, denkt anders über seine Ernährung als mit 25. Die Gelenke melden sich. Der Arzt spricht über Cholesterin. Die Hose sitzt enger als gedacht. Und plötzlich fragt man sich: Was könnte ich eigentlich ändern, ohne gleich mein ganzes Leben umzukrempeln? Ich selbst ernähre mich seit vielen Jahren komplett tierfrei und habe nicht den Eindruck, auf etwas verzichten zu müssen.
Klar schmeckt die Veggie-Grillwurst nicht zu 100 % wie die Version mit Fleisch. Aber sie ist nah dran und man kann sich an diesen „neuen“ Geschmack auf jeden Fall auch sehr schnell gewöhnen. Und viele der Fleischersatzprodukte wie Frühstückssalate oder Aufschnitt sind wirklich sehr nah dran. Um es mal auszuprobieren und einen Motivator zu haben, gibt es den Aktionsmonat des Veganuary. Und genau hier liefert die neue Umfrage der Organisation bemerkenswerte Antworten.
Wer macht eigentlich mit?
Zunächst eine Zahl, die überrascht: 30 Millionen Menschen weltweit haben am Veganuary 2026 teilgenommen. Ein Teil davon nutzte die 31-tägige E-Mail-Begleitung der Organisation, und von diesen nahmen 7.319 Personen an der anschließenden Umfrage teil.
Interessant ist, wer das ist. Von den Befragten waren 15 Prozent männlich. Das klingt wenig und ist es auch, gemessen am Gesamtbild. Männer tun sich traditionell schwerer damit, beim Thema Ernährung aktiv umzusteuern. Aber: Die bei weitem größte Altersgruppe unter allen Teilnehmenden war die der 55- bis 64-Jährigen mit 26 Prozent. Die 45- bis 54-Jährigen kamen auf 21 Prozent. Das heißt: Fast die Hälfte aller Befragten ist exakt in unserem Alter. Der Veganuary ist also kein Ding junger Hipster-Ernährungsbewegter. Er ist längst in der Lebensmitte angekommen.

Was die Zahlen sagen
79 Prozent der Befragten, die sich vor dem Veganuary noch nicht rein pflanzlich ernährt hatten, möchten auch danach ihre Ernährung grundlegend umstellen. 32 Prozent wollen dauerhaft vegan bleiben. 47 Prozent, die das nicht planen, wollen ihren Konsum von Tierprodukten mindestens halbieren. Und 89 Prozent gaben an, es sei wahrscheinlich, dass sie in Zukunft eine pflanzliche Ernährung erneut ausprobieren würden.
Anders gesagt: Selbst wer nicht zum überzeugten Veganer wird, verlässt das Experiment verändert. Nur 2 Prozent der Befragten wollen überhaupt nichts an ihrer Ernährung ändern. Die große Mehrheit hat durch einen einzigen Monat eine Richtung eingeschlagen, von der sie nicht mehr abrücken möchte.

Noch ein Befund aus den Folien, der beruhigt: Nicht mal jeder Zweite (48 Prozent) hat den Monat vollständig vegan durchgehalten. Die anderen 52 Prozent haben irgendwo zwischendrin geschummelt – und trotzdem waren sie im Schnitt 18 Tage dabei. Auch das gilt offenbar als Erfolg, denn die positiven Effekte blieben nicht aus.
Der Körper antwortet schneller als gedacht
49 Prozent der Befragten erlebten nach dem Monat eine Verbesserung ihrer allgemeinen Gesundheit. 46 Prozent berichteten von mehr Energie, 47 Prozent von einer besseren Stimmung, 39 Prozent von einer gewünschten Veränderung des Körpergewichts, 36 Prozent von einem verbesserten Hautbild.

Für uns Best Ager sind das keine abstrakten Zahlen. Mehr Energie klingt nach dem, was wir brauchen, wenn wir abends nach dem Job noch Sport machen wollen. Bessere Stimmung ist das, was unsere Partner schätzen würden. Und beim Thema Gewicht müssen wir nicht weiter ausführen.
Wissenschaftliche Rückendeckung gibt es ebenfalls. Dr. Markus Keller, Leiter des Forschungsinstituts für pflanzenbasierte Ernährung (IFPE), erklärt: „Studien zeigen, dass sich eine Umstellung auf pflanzliche Ernährung bereits innerhalb weniger Wochen positiv auf die Gesundheit auswirken kann, beispielsweise auf Risikomarker im Blut wie Gesamt- und LDL-Cholesterin, Blutzucker- und Entzündungswerte sowie auf Körpergewicht und Blutdruck.“
LDL-Cholesterin, Blutzucker, Blutdruck – das ist das Trio infernale, das vielen von uns ab 45 beim Hausarzt begegnet. Dass ein einmonatiger Ernährungsversuch hier messbare Effekte erzielen kann, verdient Aufmerksamkeit.
Einfacher als gedacht – bis auf den Käse
Eines der stärksten Ergebnisse der Umfrage ist gleichzeitig das unauffälligste. Knapp jeder Fünfte unter den Befragten, die sich zuvor nicht vegan ernährt hatten, findet die pflanzliche Ernährung einfacher als erwartet. 19 Prozent nennen das als ausschlaggebenden Grund, weiterzumache. Genauso viele wie jene, die wegen verbesserter Gesundheit dranbleiben.

Veganuary-Pressesprecherin Mirjam Schmitt bringt es auf den Punkt: „Die Ergebnisse zeigen, wie viel Potenzial in einem veganen Monat liegt: Viele Teilnehmende entwickeln neue Routinen, entdecken neue Gerichte und integrieren pflanzliche Optionen ganz selbstverständlich in ihren Alltag.“
Was fehlt den Teilnehmenden am meisten? Die Antwort ist ehrlich: Käse. 38 Prozent nannten Käse als das nicht-vegane Produkt, das sie am stärksten vermissten. Fleisch hingegen, das kommt weit hinten. Nur 4 Prozent vermissten Hühnerfleisch, nur 3 Prozent anderes Fleisch. Das passt zum pragmatischen Bild des Veganuary: Es geht weniger ums Steak als ums Gouda-Brot am Abend.
Die größte Herausforderung war übrigens auch nicht das Kochen (nur 11 Prozent), sondern das Auswärtsessen (30 Prozent). Wer einen veganen Monat plant, tut gut daran, sich vorab ein paar Lieblingsrestaurants anzuschauen und die Speisekarte zu kennen. Das löst den Großteil des Problems.
Was sich im Alltag verändert
70 Prozent der Teilnehmenden planten ihre Mahlzeiten während des Veganuary häufiger im Voraus, 49 Prozent kochten häufiger frisch und zwei Drittel aßen mehr Obst und Gemüse. Nur 4 Prozent griffen vermehrt zu Fertiggerichten. Das widerlegt das Klischee, dass eine pflanzliche Ernährung zwingend in der Convenience-Falle landet.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt fünf Portionen Obst und Gemüse täglich. Ein höherer Verzehr wird mit einem geringeren Risiko für Bluthochdruck, Herzkrankheiten und Schlaganfälle in Verbindung gebracht. Laut aktuellem Ernährungsreport des Bundesministeriums essen aber nur 70 Prozent der deutschen Bevölkerung überhaupt täglich einmal Obst oder Gemüse. Das heißt, jeder Dritte kommt an einem normalen Tag weder an einen Apfel noch an einen Salat.
Kein Alles-oder-nichts-Spiel
Wer jetzt denkt: „Ich muss ja nicht gleich komplett umsteigen“ – genau das ist die gute Nachricht. Der Veganuary ist kein Dogma. Die Umfrage zeigt das deutlich: 52 Prozent der Befragten haben den Monat gar nicht vollständig vegan absolviert. Und trotzdem haben sie davon profitiert. 68 Prozent derjenigen, die nicht vegan bleiben wollen, planen trotzdem, ihren Tierproduktkonsum mindestens zu halbieren.
Mehr Hülsenfrüchte, mehr Gemüse, mehr frisch Gekochtes. Weniger Wurst, weniger Fertigkram, weniger gedankenloser Griff in den Kühlschrank. Das ist kein Verzichtsprogramm. Das ist eine Neuausrichtung und die lässt sich in jedem Tempo angehen.
Gerade für Männer zwischen 45 und 65 liegt hier eine echte Chance. Nicht weil wir alle den Grill verkaufen und nur noch Quinoa-Schalen essen müssen. Sondern weil in dieser Lebensphase ohnehin viele von uns über ihre Gesundheit nachdenken und weil pflanzliche Ernährung eine der wenigen gut belegten Stellschrauben ist, an denen man selbst drehen kann.

98 Prozent würden es weiterempfehlen
Eine letzte Zahl aus der Umfrage, die sich gewaschen hat: 98 Prozent der Befragten würden den Veganuary Freunden oder Familienmitgliedern empfehlen. Kaum eine Produktbewertung, kaum ein Restaurantbesuch, kaum ein Selbstversuch erzielt solche Werte. Das sagt mehr als jede Statistik über Cholesterinwerte.
Wer konkret einsteigen will, findet unter veganuary.com/de ganzjährig kostenlose Unterstützung, inklusive der 31-tägigen E-Mail-Serie. Der nächste Januar ist nicht mehr weit. Und wer nicht warten will: Es gibt keinen Grund, warum der Versuch nicht auch im Mai beginnen kann.
