HomeLEBENPartnerschaftMansplaining & Manterrupting – Ein kritischer Blick auf männliche Kommunikationsfallen

Mansplaining & Manterrupting – Ein kritischer Blick auf männliche Kommunikationsfallen

Männer aufgepasst! Seid ihr sicher, dass ihr wirklich zuhört, wenn Frauen sprechen? Oder übernehmt ihr unbewusst das Steuer des Gesprächs? Es ist an der Zeit, zwei Wörter zu entwirren, die unsere Kommunikation und Beziehungen beeinflussen: Mansplaining und Manterrupting. Doch warum solltet ihr euch überhaupt damit beschäftigen? Ganz einfach: Weil euer Verhalten nicht nur Frauen, sondern auch euch selbst betrifft – und die Welt um euch herum. Hier tauchen wir ein in die Tiefen der Geschlechterkommunikation, um herauszufinden, was es mit den vieldiskutierten Buzzwords auf sich hat und wie ihr dazu beitragen könnt, die Dinge zu ändern. Seid ihr bereit, eure Kommunikationsgewohnheiten auf den Prüfstand zu stellen?

Bevor wir aber aufzeigen, wo etwas im Argen liegt und was es eventuell zu optimieren gibt, erklären wir zuerst einmal die beiden Begriffe.

Mansplaining – Wenn Männer meinen, alles besser zu wissen

Definition und Erklärung von Mansplaining

Mansplaining ist ein Kommunikationsphänomen, das in den letzten Jahren zunehmend Aufmerksamkeit erhalten hat. Der Begriff setzt sich aus „Man“ und „Explaining“ (Erklären) zusammen und beschreibt die Neigung einiger Männer, Frauen ungebetene Erklärungen zu geben. Das passiert insbesondere bei Themen, zu denen die Frau mehr Fachwissen oder Erfahrung hat. Mansplaining manifestiert sich oft in Form von paternalistischen oder herablassenden Bemerkungen und suggeriert, dass der Mann mehr weiß und viele Themen besser versteht, unabhängig von den tatsächlichen Qualifikationen der Frau.

Praxisbeispiele und typische Situationen

Mansplaining kann in verschiedenen Situationen auftreten, sei es in beruflichen Umgebungen, sozialen Interaktionen oder auch im Internet. Ein gängiges Szenario ist, wenn eine Frau in einer Besprechung ihre Expertise zu einem bestimmten Thema einbringen möchte, aber ein männlicher Kollege ihr erklärt, wie die Dinge funktionieren, ohne auf ihre Kenntnisse einzugehen. Ebenso kann es passieren, dass eine Frau in einem technischen oder wissenschaftlichen Bereich von einem Mann belehrt wird, obwohl sie selbst Expertin auf diesem Gebiet ist.

Typisch ist auch das Vorkommen von Mansplaining in alltäglichen Situationen. Zum Beispiel, wenn eine Frau ihr Auto in der Werkstatt abgibt und der Mechaniker ihr erzählt, wie ein Motor funktioniert, obwohl sie nach einer einfachen Reparatur gefragt hat. Oder wenn eine Frau in einem Buchladen nach einem Buch sucht und ein Mann ihr unaufgefordert erklärt, welches Buch sie lesen sollte, ohne auf ihre Vorlieben einzugehen.

Die psychologischen Mechanismen hinter Mansplaining

Mansplaining kann auf verschiedene psychologische Mechanismen zurückgeführt werden. Einer davon ist das unbewusste Vorurteil und die Tendenz, Frauen als weniger kompetent oder sachkundig anzusehen. Das passiert insbesondere in Bereichen, die stereotypisch als „männlich“ betrachtet werden. Dies führt dazu, dass Männer glauben, sie müssten Frauen Dinge erklären, die diese bereits wissen.

Ein weiterer Mechanismus ist die Annahme, dass Männer von Natur aus die Rolle des Wissenden übernehmen sollten, um ihre Männlichkeit zu bestätigen. Dies kann dazu führen, dass Männer in Gesprächen dominant auftreten und Frauen herabsetzen, ohne es bewusst zu beabsichtigen.

Mansplaining kann für Frauen frustrierend und demütigend sein, da es ihre Expertise in Frage stellt und ihnen das Gefühl vermittelt, nicht ernst genommen zu werden. Um eine respektvolle Kommunikation zu fördern, ist es wichtig, Mansplaining zu erkennen und zu verhindern, indem Männer sich bewusst werden und lernen, auf die Meinungen und das Wissen von Frauen zu achten, anstatt sie zu belehren.

Mansplaining & Manterrupting sind schlechte Angewohnheiten von Männern in der Kommunikation
© cottonbro studio (Pexels)

Manterrupting – Wenn Männer das Gespräch dominieren

Definition und Erklärung von Manterrupting

Manterrupting, ein Kofferwort aus den Begriffen „Man“ und „Interrupting“ (Unterbrechen), beschreibt ein Kommunikationsverhalten, bei dem Männer Gespräche von Frauen unterbrechen, dominieren oder deren Redezeit verkürzen, indem sie unangemessen oft oder aufdringlich das Wort ergreifen. Dieses Verhalten zeigt sich häufig, wenn Frauen versuchen, ihre Gedanken, Meinungen oder Ideen auszudrücken. Manterrupting spiegelt oft ein Ungleichgewicht in der Geschlechterkommunikation wider und kann dazu führen, dass Frauen in Gesprächen in den Hintergrund gedrängt werden, ihre Stimmen nicht gehört werden und ihre Ideen nicht ausreichend zur Geltung kommen.

Beispiele aus dem Alltag und der Arbeitswelt

Manterrupting ist keine seltene Erscheinung, sondern tritt in vielen Lebensbereichen auf. In Besprechungen bei der Arbeit kommt es vor, dass Frauen wiederholt von männlichen Kollegen unterbrochen werden, wenn sie versuchen, ihre Ansichten darzulegen. In privaten Gesprächen kann es vorkommen, dass Männer ohne Rücksicht auf das Gesagte einer Frau sprechen und sie kaum zu Wort kommen lässt. Sogar in öffentlichen Diskussionen und Debatten sind Fälle von Manterrupting zu beobachten, bei denen Frauen systematisch überstimmt oder ignoriert werden.

Die Auswirkungen von Manterrupting auf Frauen und die Gesprächskultur

Die Auswirkungen von Manterrupting können für Frauen vielfältig und tiefgreifend sein. Es führt oft dazu, dass Frauen sich frustriert, unsichtbar und nicht respektiert fühlen. Dies wiederum kann ihr Selbstbewusstsein beeinträchtigen und sie dazu bringen, sich in Diskussionen zurückzuhalten oder sogar ihre Ideen ganz aufzugeben. Manterrupting kann auch dazu führen, dass Frauen ihre beruflichen oder persönlichen Ziele nicht erreichen, da sie nicht die Möglichkeit erhalten, ihre Qualifikationen und ihr Fachwissen angemessen darzustellen.

Darüber hinaus trägt Manterrupting zur Verstärkung von Geschlechterstereotypen bei, die besagen, dass Männer dominanter und kompetenter in Gesprächen sind, während Frauen passiver und weniger sachkundig sind. Dieses Ungleichgewicht in der Gesprächskultur kann sich negativ auf die gesamte Gesellschaft auswirken, indem es die Chancen für die Zusammenarbeit und den Ideenaustausch zwischen den Geschlechtern verringert.

Manterrupting ist ein ernstes Problem, das die Geschlechterkommunikation und die Gleichberechtigung in vielerlei Hinsicht beeinflusst. Indem wir dieses Verhalten erkennen und angehen, können wir dazu beitragen, eine respektvolle und ausgewogene Gesprächskultur zu fördern, in der Frauen und Männer gleichermaßen gehört werden.

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© IgorTishenko (depositphotos.com)

Warum passiert das überhaupt?

Geschlechterrollen und kulturelle Einflüsse

Einer der Hauptgründe für das Auftreten von Manterrupting und Mansplaining sind tief verwurzelte Geschlechterrollen und kulturelle Einflüsse. Traditionell wurde Männern oft beigebracht, dass sie in Gesprächen dominanter und sachkundiger sein sollten, während Frauen dazu ermutigt wurden, passiv zuzuhören. Diese überholten Vorstellungen von Geschlechterrollen beeinflussen nach wie vor die Art und Weise, wie Menschen miteinander kommunizieren. Männer könnten sich unbewusst in der Rolle des „Erklärers“ oder „Experten“ sehen, während Frauen als „Lernende“ oder „Nichtwissende“ betrachtet werden.

Empathie und Kommunikationsfähigkeiten

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Fähigkeit zur Empathie und die Qualität der Kommunikationsfähigkeiten. Mansplaining und Manterrupting sind oft das Ergebnis von mangelnder Empathie, da die Bedürfnisse und Meinungen der Gesprächspartner nicht ausreichend berücksichtigt werden. Männer, die Mansplaining praktizieren, könnten Schwierigkeiten haben, sich in die Lage der Frau zu versetzen oder ihr Wissen und ihre Erfahrung anzuerkennen. Es ist entscheidend, Empathie als Schlüsselkomponente erfolgreicher Kommunikation zu fördern und zu entwickeln.

Unbewusste Vorurteile und Stereotypen

Unbewusste Vorurteile und Stereotypen spielen ebenfalls eine Rolle. Diese Vorurteile können dazu führen, dass Menschen, ohne es zu merken, Frauen als weniger kompetent oder sachkundig einschätzen. Solche Stereotypen sind in unserer Gesellschaft weit verbreitet und können dazu führen, dass Männer Frauen unterbrechen, um sie zu korrigieren oder zu belehren. Das Erkennen und Überwinden dieser Vorurteile ist entscheidend, um respektvolle Gespräche zu ermöglichen und Chancengleichheit zu fördern.

Die Rolle der Best Ager Männer

Wie Best Ager Männer dazu beitragen können, diese Probleme zu lösen

Best Ager Männer spielen eine wichtige Rolle bei der Bewältigung von Manterrupting und Mansplaining. Denn gerade bei den älteren Generationen ist die Ungleichheit der Geschlechter oft noch präsenter in den Köpfen als bei den jüngeren Menschen. Indem sich die Best Ager bewusst machen, wie ihre Verhaltensweisen die Kommunikation beeinflussen, können sie aktiv dazu beitragen, die Geschlechterkommunikation zu verbessern. Dies kann durch das Hören und Anerkennen der Meinungen und Ideen von Frauen geschehen, anstatt sie zu unterbrechen oder zu belehren.

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© Jud Mackrill (Unsplash)

Tipps zur besseren Kommunikation und Empathie

Um zu einer respektvolleren Kommunikation beizutragen, können männliche Best Ager folgende Tipps beherzigen:

  1. Zuhören: Nehmen Sie sich Zeit, aktiv zuzuhören, anstatt vorschnell zu reagieren oder zu unterbrechen.
  2. Fragen stellen: Ermutigen Sie Frauen dazu, ihre Gedanken und Ideen auszudrücken und stellen Sie Fragen, um ihr Wissen und ihre Erfahrung zu vertiefen.
  3. Selbstreflexion: Überprüfen Sie Ihre eigenen Vorurteile und Stereotypen und arbeiten Sie daran, diese abzubauen.
  4. Empathie entwickeln: Versetzen Sie sich in die Lage anderer Menschen, um deren Perspektiven besser zu verstehen.
  5. Gleichberechtigung unterstützen: Setzen Sie sich aktiv für die Gleichberechtigung von Frauen in allen Lebensbereichen ein.

Best Ager Männer haben die Möglichkeit, positive Veränderungen in der Geschlechterkommunikation herbeizuführen und dazu beizutragen, dass Frauen in Gesprächen gehört und respektiert werden. Dies trägt nicht nur zur individuellen Weiterentwicklung bei, sondern fördert auch eine inklusivere und gerechtere Gesellschaft insgesamt.

Schlussfolgerung und Ausblick

Die zwei Kommunikationsphänomene Mansplaining und Manterrupting sind eine nicht zeitgemäße Art der Gesprächsführung und sollten abgestellt werden. Manterrupting bezieht sich dabei auf das Unterbrechen und Dominieren von Gesprächen durch Männer, während Mansplaining Männer dazu verleitet, ungebetene Erklärungen abzugeben und Frauen herabzusetzen.

Appell an Best Ager Männer, aktiv zur Veränderung beizutragen

Unser Wunsch an die männlichen Best Ager ist, sich aktiv an der Veränderung zu beteiligen. Dazu gehört, sich bewusst mit Manterrupting und Mansplaining auseinanderzusetzen und das eigene Kommunikationsverhalten zu überdenken. So kann jeder Mann dazu beitragen, eine respektvollere und gleichberechtigtere Gesprächskultur zu schaffen. Hört Frauen zu, erkennt ihr Wissen und ihre Erfahrung an und setzt euch für die Chancengleichheit in der Kommunikation ein.

Die Bedeutung einer gleichberechtigten Kommunikation für eine bessere Gesellschaft

Die Förderung einer gleichberechtigten Kommunikation zwischen den Geschlechtern ist entscheidend für eine bessere Gesellschaft. Sie ermöglicht es Frauen, ihre Ideen und Qualifikationen frei zu äußern und fördert eine diversifizierte und inklusive Denkweise. Gleichberechtigte Kommunikation trägt dazu bei, Stereotypen und Vorurteile abzubauen und schafft eine Welt, in der Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht gleichwertige Chancen und Stimmen haben.

Ressourcen und weiterführende Informationen

Für Männer, die tiefer in das Thema Geschlechterkommunikation eintauchen möchten, stehen zahlreiche Ressourcen zur Verfügung. Hier sind einige Empfehlungen:

  • Literaturhinweise: Lest Bücher wie „Wenn Männer mir die Welt erklären“ von Rebecca Solnit oder „The Gender Knot“ von Allan G. Johnson, um ein tieferes Verständnis für Geschlechterdynamiken in der Kommunikation zu entwickeln.
  • Websites und Organisationen: Besucht Websites und Organisationen wie „HeForShe“ von UN Women oder „The Good Men Project„, die Ressourcen und Informationen zur Förderung der Geschlechtergleichheit bieten.

Es ist an der Zeit, dass alle Männer ihre Verantwortung wahrnehmen und aktiv zur Veränderung in der Geschlechterkommunikation beitragen. Indem wir diese Probleme angehen, können wir eine Welt schaffen, in der alle Stimmen gehört werden und die Chancengleichheit und gegenseitiger Respekt gefördert werden.

Titelbild © Goodluz (depositphotos.com)

Kai Bösel
Kai Bösel
Kai Bösel (Jg. 1971) lebt als Patchwork-Papa mit der Familie in Hamburg. Neben NOT TOO OLD betreibt er auch das Väter-Magazin Daddylicious. Außerdem ist er Experte für Influencer-Marketing. Bisher hat er bereits fünf eigene Unternehmen gegründet, schreibt für diverse Print- und Online-Magazine, tritt als Speaker und Moderator auf und betreibt zu diesem Magazin auch einen Podcast. Nach Feierabend entspannt er beim Laufen oder Golf.

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