Exklusiv: Interview mit „Mr. Zauberwürfel“ Ernő Rubik

Wenn ich sagen müsste, welches Spielzeug mir aus meiner Kindheit als erstes in den Sinn kommt, dann ist es neben dem Monchhichi auf jeden Fall der Zauberwürfel. Der wurde 1974 erfunden und JEDES Kind hatte ihn. Die meisten haben maximal drei Seiten hinbekommen. Andere sind mit Lösungsbüchern tatsächlich fertig geworden. Eigentlich wollte Architekt und Bauingenieur Ernő Rubik „nur“ ein dreidimensionales Geduldsspiel für seine Studenten entwickeln, um deren räumliches Denken zu trainieren. Das Ergebnis ist eine fast 50-jährige Erfolgsgeschichte. Daher habe ich mich tierisch gefreut, ihn für unser Magazin interviewen zu können.

Der Zauberwürfel ist ein Symbol der 80er und eine Ikone der damaligen Popkultur. Bis heute wurden 450 Millionen Exemplare verkauft. Damit ist er das erfolgreichste Spielzeug aller Zeiten. Mit dem Speedcubing ist mittlerweile ein Wettbewerb mit verschiedenen Disziplinen entstanden, da wird der Zauberwürfel einhändig, blind oder auf Zeit gelöst. Auf Netflix läuft dazu eine sehenswerte Doku.
Und es gibt zahlreiche Rubik’s-Produkte, die als Ableger vom klassischen Zauberwürfel die Köpfe von Jung und Alt zum Rauchen bringen. Zum Beispiel die neuesten Spiele Rubik’s Cage oder Rubik’s Race als Herausforderung für mehrere Spieler. Für ehrgeizige Einzelkämpfer sind Rubik’s Orbit, Edge und Twist zu bekommen. Und wer mehr über das spannende Leben von Ernő Rubik erfahren möchte, dem können wir sein in Kürze erscheinendes Buch Cubed dringend empfehlen.

Ernő Rubik mit Zauberwürfel
© Ravensburger Verlag / Guenter Meier

Interview mit Mr. Zauberwürfel:

Ihr Zauberwürfel dominiert seit gut 40 Jahren Ihr Leben und hat Ihnen sicherlich einen ganz besonderen Lebensweg beschert. Wie sieht Ihr Alltag heute aus?

Nun, im vergangenen Jahr oder so in etwa, ist der Würfel wieder in den Mittelpunkt gerückt, als ich an meinem Buch „CUBED“ gearbeitet habe. Privat verbringe ich gern Zeit mit Gartenarbeit und natürlich ist auch in meiner großen Familie viel los: meine vier Kinder und mittlerweile sechs Enkelkinder sind mir eine ständige Quelle der Freude.

War Ihr Würfel deshalb so erfolgreich, weil er genau zur richtigen Zeit entstanden ist? Oder hätten ähnliche Produkte auch heute Chancen auf eine vergleichbare Erfolgsstory?

Der Zauberwürfel ist zeitlos – 1974 gab es keine „Zutat“, die es nicht schon Jahrzehnte oder sogar Hunderte von Jahren zuvor gegeben hätte. Ob er die heutzutage so weit verbreiteten digitalen Ablenkungen übertreffen würde, ist schwer zu sagen. Andererseits hatte auch in den 80er Jahren niemand seinen überwältigenden Erfolg vorausgesagt, daher könnte er auch heute noch gute Chancen haben.

Seit Sie 30 sind, arbeiten Sie an dem Zauberwürfel. Welche Ihrer Eigenschaften, Fähigkeiten und Kenntnisse haben Sie zu dieser Innovation gebracht?

Wenn ich eine auswählen müsste, wäre es die Neugier – und die gelassene Geduld eines Amateurs. Hätte ich nach einer bestimmten Frist oder nach der Erwartung gearbeitet, etwas Nützliches zu tun, geschweige denn damit erfolgreich zu sein, wäre ich nie auf etwas so Faszinierendes und Unerwartetes wie den Zauberwürfel gekommen.

Heute lösen Jugendliche den Würfel blind oder auch in wenigen Sekunden. Hilft heute „Social Media“, um den Mythos weiter am Leben zu halten?

Das tut es sicherlich, aber nur in dem Maße, in dem es die klassischen mündlichen Diskussionen im Allgemeinen ablöst. Obwohl man im Bruchteil einer Sekunde eine Fülle von Lösungswegen online finden kann, bedarf es immer noch der gleichen Entschlossenheit, um tatsächlich zu lernen, wie man den Würfel löst.

Rubik's Spiele
© Rubik’s Brand Ltd.

In Kürze erscheint Ihr Buch CUBED über Ihr Leben und den Würfel. Geben Sie uns gern eine kurze Vorschau auf die Themen, die uns in Ihrem Buch erwarten.

Dieses Buch wird viele Themen aufgreifen: Kreativität, Symmetrie, Bildung, Architektur und Design, Fragen, Verspieltheit, Widersprüche, Schönheit. Eines ist sicher, es ist KEINE Autobiographie.  Aber im Kern geht es in diesem Buch um Rätsel. Es geht um das Rätsel dieses seltsamen Objekts, das ich vor fast fünfzig Jahren entdeckt habe. Und es geht um das Rätsel eines jeden von uns.

Gibt es noch Punkte auf Ihrer Bucketlist, die sie unbedingt noch abhaken möchten?

Ich hatte noch nie eine Bucketlist (obwohl ich viele echte Buckets bzw. Eimer besessen habe.) Der Grund dafür ist wiederum Neugier: Ich war schon immer fasziniert von den alltäglichen Wundern der Welt und habe es immer mehr genossen, danach zu streben, mehr zu verstehen, als nur vorgegebene Ziele zu erreichen. Zugegebenermaßen hatte ich auch das große Glück, dass der Würfel mich an ungewöhnliche Orte und Umgebungen rund um den Globus führte, die alle auf einer Bucketlist hätten stehen können…

Für was fühlen Sie sich heute immer noch NOT TOO OLD?

Es gibt nur sehr wenige Dinge, für die ich mich heute zu alt fühle. Ich bin zwar kein so guter Tischtennisspieler mehr wie in meinen Teenagerjahren, aber mir macht das Spiel immer noch Spaß. Mein Garten zeugt davon, dass ich immer noch die meisten „schweren Arbeiten“ erledigen kann, die meine Pflanzen von mir verlangen. Ich kann immer noch das kaputte Schloss reparieren. Und meine Hauptinteressen waren schon immer intellektueller Natur, so dass ich hoffe, dass meine Neugier noch für weitere Jahre freien Lauf nehmen kann.

Unterschrift Ernő Rubik auf Zauberwürfel
© Ravensburger Verlag / Guenter Meier

Lieber Herr Rubik, vielen Dank für die spannenden und persönlichen Antworten. Wir sind sicher, dass uns die Zauberwürfel noch lange begleiten werden…

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Titelbild: © Ravensburger Verlag / Guenter Meier

Kai Bösel
Kai Bösel
Kai Bösel (Jg. 1971) lebt als Patchwork-Papa mit der Familie in Hamburg. Neben NOT TOO OLD betreibt er auch das Väter-Magazin Daddylicious. Außerdem ist er Experte für Influencer-Marketing. Bisher hat er bereits fünf eigene Unternehmen gegründet, schreibt für diverse Print- und Online-Magazine, tritt als Speaker und Moderator auf und betreibt zu diesem Magazin auch einen Podcast. Nach Feierabend entspannt er beim Laufen oder Golf.

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