Umfrage: Silver Gamer sind die Kings der Konsole

Kennt Ihr das auch? Tagsüber ärgert Ihr Euch über die viele Zeit, die der pubertäre Nachwuchs an den verschiedenen Devices verbringt. Und sobald abends alle schlafen, schmeißt Ihr selbst die Konsole an und zockt Last of Us 2, Fifa 2020 oder Mario Kart. Dadurch geht Ihr viel zu spät schlafen und kommt morgens nicht hoch. Ein verfluchter Teufelskreis, aus dem man auch als weiser Fastfünfziger nicht ausbrechen kann. Eine Studie bestätigt nun: die Silver Gamer daddeln tatsächlich am meisten.

Alt schlägt Jung beim Gaming

Eine aktuelle forsa-Umfrage im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse beweist: jeder Vierte über 50 daddelt fast täglich. Es liegen aber keine Erkenntnisse darüber vor, ob Männlein und Weiblein zu ähnlichen Ergebnissen kommen. Insgesamt wurden 1.005 Personen zwischen 16 und 69 Jahren im Juli 2020 befragt. Warum nun gerade die Älteren hier vorne liegen, wird von Michael Falkenstein, dem KKH-Experten für Suchtfragen, so erklärt:

„Dass auch immer mehr ältere Menschen dem Reiz digitaler Spiele verfallen, liegt nicht zuletzt an einer wiederentdeckten Leidenschaft: Denn schließlich war die Generation 50 plus bei der Geburtsstunde der PC-Spiele in den achtziger Jahren mit am Drücker. Haben sich die sogenannten Silver-Gamer erst einmal mit der heutigen Technik vertraut gemacht, sind gerade sie es, die gar nicht mehr aufhören wollen zu zocken“.

Michael Falkenstein // KKH-Experte
nintendo gamepad silver surfer
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Corona verschärft Lage

Die bespielten Plattformen sind unterschiedlich, es wird am PC, Fernseher, Tablet oder Smartphone gezockt. Nach der Häufigkeit befragt sind die älteren Personen über 50 die, die am häufigsten online oder offline zocken. Demnach daddeln fast jeden Tag

  • rund 23 Prozent der 50- bis 69-Jährigen 
  • gut 20 Prozent der 30- bis 49-Jährigen
  • etwa 15 Prozent 16- bis 29-Jährigen. 

Die älteren Herrschaften führen aber nicht in allen Disziplinen, denn die Jüngsten spielen zwar am seltensten, dafür aber häufig länger: Die Hälfte der 16- bis 29-Jährigen zockt allein werktags mindestens eine Stunde am Tag. Erschreckend: Immerhin fünf Prozent davon kleben sogar acht Stunden oder länger vor PC, Tablet & Co. – an den Wochenenden sind es sogar sieben Prozent.

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© KKH Kaufmännische Krankenkasse

Die Corona-Krise hat die Lage noch verschärft – über alle Generationen hinweg: Rund jeder Vierte, der ohnehin schon fast jeden Tag daddelt, spielt seit der Pandemie mehr als zuvor.
Laut Experte Falkenstein „…können Computerspiele auch positive Effekte haben, gerade in Zeiten von Corona“. So könne man bei bestimmten Spielen mit anderen Menschen in Kontakt bleiben und trotz Abstand gemeinsam etwas erleben. Wer allerdings jeden Tag und dann noch mehrere Stunden am Stück spielt, riskiert eine Sucht und damit seine Gesundheit.

Wann wird’s gefährlich?

In Sachen Computerspielsucht gibt es recht klare Alarmzeichen für eine Abhängigkeit. Dazu gehört insbesondere, die Kontrolle über Häufigkeit und Dauer des Spielens völlig zu verlieren, das Spielen vor andere Aktivitäten zu stellen und auch bei negativen Konsequenzen weiterzumachen. Michael Falkenstein: „Süchtig nach Computerspielen ist jemand, der seine Familie und Freunde, die Schule oder die Arbeit vernachlässigt, der sich wegen des ständigen Spielens schlecht ernährt, kaum noch schläft, Hobbys und sportliche Aktivitäten sausen lässt.“

Die Gründe für exzessives Computerspielen sind oft Stressbewältigung und Ablenkung. Auch dazu hat Experte Michael Falkenstein eine Antwort: „Besonders Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl nutzen die Games, um sich von Frust und Unsicherheit zu befreien. Sie genießen die virtuelle Unbeschwertheit, auch wenn das reale Leben derweil zusammenbricht.“ Laut Umfrage spielen 22 Prozent zum Stressabbau und 28 Prozent, um vom Alltag abzuschalten. Für die überwiegende Mehrheit – nämlich 78 Prozent der Befragten – steht aber der Spaß im Vordergrund.

nintendo switch konsole
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Silver Gamer zocken auch Online-Games

Es geht nicht nur um Gedächtnis- oder Glücksspiele, die man der Generation 50 plus am ehesten zuschreibt. Immer mehr Silver Gamer entdecken auch Rollenspiele wie World of Warcraft für sich. Aber gerade diese sowie Shooter und Strategiespiele haben besonderes Suchtpotenzial. Sie können besonders fesseln, denn die Übernahme einer Rolle ist meist mit einer starken Identifizierung verbunden. „Durch Erfolgserlebnisse im Rollenspiel werden zum Beispiel Misserfolge im Alltag kompensiert, da sie virtuell viel leichter als im echten Leben zu erzielen sind“, sagt der KKH-Experte. Er rät Menschen, die nicht mehr vom Spielen loskommen, sich Hilfe – etwa bei einer Suchtberatungsstelle oder in einer Selbsthilfegruppe – zu suchen.

Kai Bösel
Kai Bösel (Jg. 1971) lebt als Patchwork-Papa mit der Familie in Hamburg. Neben NOT TOO OLD betreibt er auch das Väter-Magazin Daddylicious. Außerdem ist er Experte für Influencer-Marketing. Bisher hat er bereits fünf eigene Unternehmen gegründet, schreibt für diverse Print- und Online-Magazine, tritt als Speaker und Moderator auf und betreibt zu diesem Magazin auch einen Podcast. Nach Feierabend entspannt er beim Laufen oder Golf.

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