Poofen vs. Cringe – Slang gibt’s in allen 4 Generationen

Wenn wir den jungen Leuten heute bei ihren Gesprächen zuhören oder mal einer Sprachnachricht lauschen, dann benötigen wir fast einen Code zum Entschlüsseln. Denn im Sprachgebrauch der Gen Z tauchen Slang und Denglisch in recht intensiver Form auf. Vergessen tun wir dabei, dass auch wir Best Ager in der Jugend diverse Begriffe verwendet haben, die bei unseren Eltern Fragezeichen hinterlassen haben. Die erfolgreiche Sprachlern-App Babbel wollte es genauer wissen und hat mal ein paar Slangwörter für jede Generation gesammelt. Daran könnt ihr ganz gut ablesen, ob ihr noch „up to date“ seid im Slang und der Jugendsprache.

Klar, statt Sprachnachrichten gab es bei uns noch mit Parfum getränkte Liebesbriefe. Aber sprachlich waren auch wir schon recht schräg unterwegs. Und so lässt sich Anhand von Slang und der verwendeten Wörter recht genau zuordnen, in welcher Generation wir aufgewachsen sind. Ob in der Nachkriegsgeneration der Babyboomer oder einer der Generationen X, Y oder Z. Sagt ihr zum Tanzen eher schwofen, abhotten, dancen oder clubben? Dann habt ihr den ersten Hinweis. Zur Verwendung sagt die Sprachwissenschaftlerin:

„Viele Generationen übernehmen oft Wörter von der jüngeren Generation oder andersrum. So ist es nicht selten, dass auch Ältere nun „mega“ oder „cool“ sagen. Das einst beliebte Millennial-Wort „knorke“ war beispielsweise schon im frühen 20. Jahrhundert ein Modewort“

Babbel-Sprachwissenschaftlerin Maren Pauli

Hier sind nun die von Babbel zusammengestellten Begriffe, die den typischen Slang der jeweiligen Generation betreffen.

Babyboomer (1946-1964)

Babyboomer waren schwofen, poofen konnten sie ja später. Auf einer Fete sind alle ausgeflippt. Das waren bombastische Zeiten – wie ein Millennial hier sagen würde “No pun intended”.

Die geburtenstarke Generation der Nachkriegszeit erlebte das Wirtschaftswunder, die Mondlandung, die Studentenbewegung der 1960er, manche waren Hippies – aber vor allem waren sie in Ost und West geteilt. Leistung war wichtig, daher lebten sie gern, um zu arbeiten. Von der Mode (Jeans!) über die mittlerweile ikonischen, alkoholfreien Sprudelgetränke mit brauner Farbe bis hin zu “Party-Treffpunkten” wie der Milchbar: All das spiegelte sich in den Soziolekten der Boomgeneration. An diesen zehn typischen Slangwörtern aus den 1960er und frühen 1970er Jahren kann man die Babyboomer erkennen:

  • poofen (schlafen)
  • flippig/ausflippen
  • schwofen (tanzen)
  • steil (cool)
  • steiler Zahn (attraktive Person, Frau)
  • Fete (Party)
  • bombastisch (klasse, toll)
  • Röhren (Jeans)
  • Gammler (Hippie)
  • Koreapeitsche (der Slang für die Männerfrisur Bürstenschnitt)

Generation X (1965-1979)

Als Gen X ging man in eine Disco, um mit der Clique abzuhotten. Es wurde nicht geflirtet, es wurde angebaggert. Voll geil war es, als Marti Lisi (beliebiger Spitzname mit einer Endung auf “i”) fragte, ob sie miteinander gehen wollen. Bestenfalls war die Mucke oberaffengeil und am Ende waren alle ziemlich hacke.

Die Schlüsselkinder der Generationen wurden mit steigenden Arbeitslosenquoten, dem Wettrüsten und der atomaren Bedrohung groß. Doch für Ablenkung und starkes Markenbewusstsein sorgte nicht nur die schöne bunte Werbewelt, sondern auch die Geburtsstunde der Musiksender. Die Generation X legte einen höheren Wert darauf, Arbeits- und Privatleben in Einklang zu bringen – getreu dem Motto: Work smart, not hard. Es gab die karrierebewussten, jungen “Yuppies” und die Luxusmarken-Fans “Popper”. Computer, Handys und Co. gab es kaum, die Freizeitaktivitäten waren also Disco, Tanzen und Kino, die Popkultur war alles. So formte sich entsprechend der Gen X Slang, wie die folgenden Kultwörter zeigen:

  • hotten, abhotten (tanzen)
  • anbaggern und aufreißen (flirten)
  • oberaffengeil, geilomat und voll geil (statt das heutige “mega)
  • urst (cool)
  • miteinander gehen (in einer festen Beziehung sein)
  • hacke und voll breit (betrunken)
  • Mucke (Musik; in etwa “geile Mucke”)
  • pauken (lernen) & Pauker (Lehrer:innen)
  • abhängen (statt “chillen”)
Musik und Schallplatten prägten den Slang der Gen X
Musik prägte den Slang der Gen X // © Antoine Julien (Unsplash)

Generation Y/ Millennials (1980-1999) 

Millennials dancen lieber statt zu merkeln. Man kommt in einen Club schon gut betankt, es gibt reale Gruschelrunden und fette Musik. Einfach knorke. Doch Fails gibt es auch, gerade wenn aus dem heißen Date eine Friendzone-Sache wird.

Menschen der Generation Y sind voll die Auskenner bei digitalen Medien. Sie beherrschen Smartphone und Social Media nicht nur in der Freizeit, sondern auch für Arbeitszwecke. Arbeit und Leben sind eng miteinander verwoben und daher gelten Angehörige dieser Generation auch als absolute Multitasker. SMS-Zeichenlimits (und später Twitter) bedeuteten, dass alles Mögliche abgekürzt wurde – zunächst schriftlich und mit Emojis, dann auch verbal. Online-Dienste wie MSN und Myspace führten zur Entwicklung einer Chatkultur mit ganz eigenen Slangs. Auch fanden immer mehr Anglizismen Einzug in die Alltagssprache. Einige Beispiele:

  • knorke, fett und bam (cool, geil)
  • gruscheln (aus “grüßen” und “kuscheln”; ursprünglich aus der Online-Chatkultur)
  • lol und YOLO (laughing out loud und you only live once)
  • gut getankt, richtig voll (betrunken)
  • Fail, das war ein Fail (versagen, wie etwa “das war ein Fail”)
  • chatten (auf MSN, ICQ & Co.)
  • daddeln, zocken (Computerspiele spielen)
  • hartzen (nichts machen, rumhängen)
  • BF, ABF (best friend, allerbester Freund)
  • bingen (von “binge-watch”)
  • ever (wie in “die beste Reise ever”)
  • merkeln (untätig bleiben, nichts tun)

Generation Z (1999-2010)

Gen Z geht clubben, vor allem da, wo der Sound mega wild ist. Aber es ist Vorsicht geboten, wenn der Crush da ist und man selber ein Simp ist. Das Ganze wird dann etwas cringe und schnell ist man wieder einfach lost.

TikTok, Instagram und die immer größer werdende Informationsflut des digitalen Zeitalters prägt diese Generation. Durch negative Schlagzeilen und die bewusste Wahrnehmung des Klimawandels, schaut sie nicht mehr so optimistisch in die Zukunft und sehnt sich nach Sicherheit und Nachhaltigkeit – ist aber auch bereit, einen Beitrag dafür zu leisten. Persönliche Verwirklichung nimmt einen hohen Stellenwert ein – die Arbeit kommt erst danach. Gen Z wurde und wird mit Englisch groß, US-Serien auf Netflix und Co. gehören zum Alltag und den Lieblingsstars wird unbedingt auf Insta gefolgt: Denglisch und Anglizismen sind in ihrem Jugendjargon quasi unausweichlich. An diesen Wörtern kann man die “Zoomer” erkennen:

  • lost (verwirrt oder komisch)
  • stabil (cool, in Ordnung)
  • triggern (aufregen, wie in “es regt mich auf”)
  • lit und wild (statt “geil” und “cool”)
  • Zehner (imaginäre Wette um 10 Euro wegen einer Lüge)
  • tea, I have tea to spill (ich habe etwas zu erzählen, Gossip)
  • Simp (eine Person, die alles für die Aufmerksamkeit des “Crushes” macht)
  • No front (Kritik nicht persönlich nehmen, “no hard feelings”)
  • Probs gehen (raus) an (“Respekt geht an…”)
  • Ehrenmann und Ehrenfrau (eine Person, die etwas Besonderes für eine andere Person oder Freund:innen macht)
  • cringe (etwas ist peinlich)
  • woke (sensibilisiert für soziale Gerechtigkeit)

Slang der Generation Alpha?

Und nun kommt die Generation Alpha, der alle von 2010 bis 2025 geborenen zugerechnet werden. Sie wachsen mit einer durch die digitalen Medien geprägte Sprache und in einer (hoffentlich) inklusiveren Gesellschaft auf, was sich sicherlich in ihrem Slang widerspiegeln wird. Wird es dann genderneutrale Substantive geben? Werden Denglisch und Anglizismen noch ausgeprägter? Es bleibt spannend, an welchen Wortschöpfungen wir diese absoluten Digital Natives wohl erkennen werden.

Titelbild © nito (Shutterstock)

Kai 10 1
Kai Bösel
Kai Bösel (Jg. 1971) lebt als Patchwork-Papa mit der Familie in Hamburg. Neben NOT TOO OLD betreibt er auch das Väter-Magazin Daddylicious. Außerdem ist er Experte für Influencer-Marketing. Bisher hat er bereits fünf eigene Unternehmen gegründet, schreibt für diverse Print- und Online-Magazine, tritt als Speaker und Moderator auf und betreibt zu diesem Magazin auch einen Podcast. Nach Feierabend entspannt er beim Laufen oder Golf.

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