[Pressereise] Wir haben neun Tage lang Venedig, die Toskana und Rom von innen gesehen. Aber nicht vom Hotelfenster aus, sondern durch die Frontscheibe eines gemieteten Campers. Alles selbst gefahren, selbst geplant, selbst gekocht. Mal ging’s rückwärts durch ein kleines italienisches Bergdorf, manchmal hatten wir Frösche und Esel als Einschlafbegleitung. Das Ergebnis war der perfekte Mix aus Erholung, Abenteuer, Sightseeing und „Abschalten“ in unseren eigenen, mobilen vier Wänden.
Urlaub im Camper mit 50plus
Es gibt Reiseformate, die mit dem Alter immer besser werden. Das Wohnmobil gehört auf jeden Fall dazu. Nicht weil man langsamer wird, sondern weil man inzwischen genau weiß, was man will: Freiheit, echte Begegnungen, gutes Essen, das eigene Tempo. Keinen Animateur. Keine Pauschalreise. Kein vorgebuchtes Programm, durch das man mit einer Horde ständig knipsender Mitreisenden geschleust wird.

Im Wohnmobil entscheidet ihr morgens selbst, ob ihr heute durch eine Altstadt bummelt oder einfach mit einem Espresso auf einer Wiese sitzt. Wenn es euch an einem Ort gefällt, bleibt ihr einfach länger. Zu zweit ist das Setup im Camper ideal: kein Umbau, kein Kompromiss beim Schlafen, kein Chaos. Das feste Doppelbett gehört euch allein.
Beim Wohnmobil mieten lohnt es sich, Zeit in die Auswahl zu investieren. Zu zweit habt ihr andere Anforderungen als eine Familie mit Kindern, und jeder zusätzliche Meter Länge steigert den Verbrauch und macht das Fahren anspruchsvoller. Für zwei Personen ist ein Camper mit gut sieben Metern das perfekte Maß – groß genug für echten Komfort, kompakt genug für die Schotterpisten der Toskana.

Gemietet haben wir wie auch schon früher über PaulCamper, einer Plattform zur Anmietung von Campingfahrzeugen und Wohnmobilen von verifizierten Anbietern. Wir haben in der Nähe von Hamburg den Fuhrpark von Gunnar und Heiko aka Share2Camp entdeckt, die gleich mehrere Fahrzeuge vermieten. Das war ein sehr freundschaftlicher Austausch mit zwei Profis, die auch die nötige Lockerheit mitbringen, wenn oft unerfahrene „Piloten“ mit ihren Boliden unterwegs sind. Ihr findet bei PaulCamper aber auch historische Schätzchen, Bullis oder auch mächtige Camper für langsames Geradeausfahren.

Wir haben uns intensiv mit der Fahrzeugaufteilung befasst, denn es wird auf wenig Raum viel untergebracht. Klar, zur Dusche muss man an der Toilette vorbei. Aber wenn man das einmal akzeptiert hat, ist es ein sehr komfortables mobiles Zuhause mit überraschend viel Stauraum. Und falls doch mal eine Frage auftaucht: Sogar am Wochenende haben wir von Gunnar und Heiko auf eine Frage über WhatsApp eine prompte Antwort erhalten. Das gibt Sicherheit.
Technik ohne Stress: Was ihr über Camper wissen müsst
Nehmt euch beim Abholen unbedingt Zeit für eine gründliche Einweisung und stellt gerade als Newbie alle Fragen, die euch in den Sinn kommen. Die Systeme sind einfacher als sie klingen und nach einem Fahrtag ist alles zur Gewohnheit geworden. Im ersten Moment hat man aber nach einer gut einstündigen Übergabe schon den Eindruck, sich wahnsinnig viel merken zu müssen. Daher sind hier ein paar wichtige Rahmenbedingungen im Camper.
Wasser
Frischwasser auffüllen, Grauwasser ablassen, Toilettenkassette entleeren. Das sind die wichtigsten Steps, die alle paar Tage auf euch zukommen, wenn ihr autark steht und keine externen Sanitäreinrichtungen nutzt. In Italien gibt es an sehr vielen Autobahnraststätten Dumping-Stationen, die genau dafür gedacht sind. Übrigens anders als in Deutschland, da könnten wir uns was abgucken.

Strom
Auf Campingplätzen gibt es Landstrom. Kabel einstecken, fertig. Auf Agriturismi oder privaten Stellplätzen steht ihr oft autark. Dann funktionieren keine normalen Steckdosen, aber Herd, Heißwasser und Heizung laufen weiter, weil sie über Gas betrieben werden. Autark hält man je nach Ausstattung drei bis vier Tage durch, für mehrere Stopps in der Toskana vollkommen ausreichend. Einige Camper, wie auch unserer, haben Solarpanels auf dem Dach und liefern etwas Strom nach.
Gas
Heizung und Herd laufen über zwei Gasflaschen, die sicher und fest installiert sind und auch für die Fahrt nicht geschlossen werden müssen. Bei langen Touren solltet ihr den Füllstand im Blick behalten, das ist alles.
Navigation und Unterhaltung
Über Android Auto oder Apple CarPlay lässt sich das Smartphone ans Autoradio koppeln – für Navigation, Musik und Anrufe. Einen Fernseher wollten wir bewusst nicht. Es gibt ihn aber in vielen Modellen, für alle, die abends nicht auf die Tagesschau verzichten möchten. Aber der Blick aus dem Fenster ist eigentlich doch das perfekte „Fernsehen“.

Fahren
Bis 3,5 Tonnen reicht der normale Führerschein. Mit Tempomat auf gut 120 km/h fährt sich so ein Fahrzeug auf der Autobahn so entspannt wie ein großes Auto. In Kurven und Serpentinen sollte man ruhig und vorausschauend fahren, denn auch gut gesichertes Gepäck kann in zu schnell genommenen Kurven scheppern. Und Google Maps sollte man mit gesunder Skepsis genießen: Die Software kennt keine Fahrzeughöhe und keine sieben Meter Länge. Wir sind einmal mehrere hundert Meter rückwärts durch ein kleines Bergdorf gefahren, vor einer Schlange geduldiger Italiener. Es war spektakulär.
Wohin soll die Reise gehen?
Von Deutschland aus lassen sich in alle vier Himmelsrichtungen tolle Campertouren unternehmen und auch Deutschland selbst bietet reichlich Vielfalt, wie wir schon im Podcast mit Gerd Blank zum Vanlife besprochen haben. Für Best Ager ohne Ferienzwänge gilt: Meidet die Hochsaison. Wer im Mai oder September fährt, hat weniger Stau auf den Autobahnen, günstigere Stellplätze und deutlich mehr Ruhe auf den Campingplätzen. Italien im Frühling ist ohnehin kaum zu überbieten. Auch wenn unser Wetter mit einem Mix aus Sonne, Wind und Regen für diese Zeit eher untypisch war. Aber das hat uns nicht gestört.
Was kostet ein Wohnmobil-Urlaub in Italien?
Hier ein realistisches Bild der wichtigsten Kostenblöcke:
Campermiete pro Tag (inkl. Versicherung & Kilometerpauschale): 80–150 €
Sprit: ca. 10-12 Liter Diesel / 100 km, ~20 € pro 100 km
Maut Italien: 60–100 € je nach Streckenlänge
Campingplatz mit Strom und Duschen: 30–60 € pro Nacht
Agriturismo-Stellplatz: kostenlos (Strom, Dusche, Essen optional gegen Aufpreis)
Bei uns waren es am Ende nach 9 Tagen auf der Piste gut 3.500 EUR bei etwa 3.500 gefahrenen Kilometern. Ein Wohnmobil-Urlaub ist nicht automatisch günstiger als ein Hotelurlaub. Aber was man dafür bekommt, ist mit Geld kaum aufzuwiegen. Daher nehmen wir euch kurz mal mit auf unsere Tour.

Erste Station: Venedig
Venedig braucht kein Programm und keine Hektik. Ein langer Tag reicht völlig aus – sechs bis acht Stunden, und man hat das Wesentliche gesehen und noch Zeit für das Unerwartete. Unser Stellplatz-Tipp ist Camping Fusina auf der anderen Kanalseite: Wasserblick, saubere Sanitäranlagen, Minimarkt, eine Pizzeria und Strom zu fairem Preis. Stündlich fährt eine Fähre nach Venedig für 15 Euro pro Person. Wer lärmempfindlich ist: Vorbeifahrende Schiffe und landende Flugzeuge sind tagsüber präsent, aber nachts ist es ruhig
Markusplatz, Rialtobrücke und Seufzerbrücke sind Pflicht, aber das wissen ziemlich viele andere Menschen auch, daher sind wir danach einfach abgebogen. Die kleinen Gassen, die versteckten Plätze, die Cafés ohne Touristenspeisekarte, da zeigt sich die Stadt von ihrer besten Seite. Ein gutes Buch in einem schattigen Café mit Blick auf einen ruhigen Kanal ist für uns wertvoller als das zwanzigste Foto vom Markusplatz.

Zweite Station: San Gimignano & Siena
Die mittelalterliche Hügelstadt mit ihren Türmen ist ein Ort, den man so schnell nicht vergisst. Und hier zeigt sich eine praktische Lektion des Wohnmobil-Reisens: Viele Parkplätze haben Höhenbegrenzungen, die für Camper nicht passen. Eine kurze Recherche vor jedem Ausflugsziel – die App Park4Night hilft dabei – spart viel Stress. Wir haben etwas außerhalb kostenlos geparkt und sind zu Fuß in die Altstadt gelaufen. Der Spaziergang durch die Umgebung war ein unerwarteter Bonus.
Bei der Auswahl der Stellplätze habt ihr in Italien zwei Optionen:

Campingplatz oder Agriturismo?
Das ist keine Entweder-oder-Frage, sondern eine Frage des richtigen Moments:
| Campingplatz | Agriturismo | |
| Komfort | Strom, Duschen, oft Markt und Restaurant | Variabel, oft autark |
| Atmosphäre | Praktisch, manchmal dicht gedrängt | Persönlich, ruhig, authentisch |
| Preis | 20–60 € pro Nacht | Meist kostenlos (Services gegen Aufpreis) |
| Erlebniswert | Meist gut | Oft unvergesslich |
| Richtig für | Städte und Infrastruktur | Toskana, Landleben, echte Begegnungen |
Unsere Empfehlung: kombiniert beides. Campingplatz in der Stadt, Agriturismo auf dem Land.
Unser Platz: Agriturismo Cannano nahe Siena
Wenn ihr nur eine Empfehlung aus diesem Artikel mitnehmt, dann diese: verbringt mindestens eine Nacht auf einem Agriturismo. Die kostenpflichtige App AgriCamper (39,90 EUR / Jahr) vermittelt Stellplätze auf landwirtschaftlichen Betrieben, frühestens 48 Stunden vor Ankunft anfragbar, das Stehen kostenlos, Services buchbar.
Nahe Siena verbrachten wir zwei Nächte auf dem Agriturismo Cannano. Die Anfahrt über eine steile Schotterpiste war abenteuerlich. Der Stellplatz lag direkt neben Ziegen, Schafen, einem Esel und einem Froschchor, der uns abends in den Schlaf quakte. Das Abendessen vor Ort war ein kulinarisches Highlight der gesamten Reise: hausgemachte Ravioli mit Spinat-Ricotta, Frittata mit Zucchini, regionaler Wein. Von der Nonna gekocht, im Familienbetrieb serviert zum Mitnehmen für den Camper. Das ist Reisen auf einem anderen Niveau.



Was man auf drei Gasflammen kochen kann – fünf vegetarische Rezepte mit Pfiff
Kein Backofen, dafür drei Gasflammen, ein großer Kühlschrank und die Märkte Italiens – das reicht für Abende, die man auch zuhause gern so verbringen würde. Wir kochen vegetarisch, und gerade in Italien ist das kein Kompromiss, sondern ein Vorteil: Das Gemüse ist besser, der Käse ist besser, und die Märkte bieten jeden Tag etwas Neues.
Frittata mit Tomaten, Brokkoli und Ricotta: Brokkoli waschen, zurechtschneiden und in Olivenöl goldbraun anbraten, verquirlte Eier mit einem großzügigen Löffel Ricotta und frisch gerissener Minze darübergießen, bei mittlerer Hitze langsam stocken lassen. Die Kombination klingt ungewohnt und schmeckt außergewöhnlich. Ein leichter Rosé aus der Toskana passt hervorragend dazu, am besten leicht gekühlt.

Pasta e Ceci mit Rosmarin und Chili: Kichererbsen aus der Dose mit angebratener Knoblauchzehe, Chili und einem Zweig Rosmarin in Olivenöl kurz rösten, mit etwas Wasser oder Brühe aufgießen und die Hälfte der Kichererbsen grob zerdrücken – das ergibt eine sämige Sauce, die kurze Pasta wunderbar umhüllt. Salz, Pfeffer, ein Schuss gutes Olivenöl zum Abschluss. Cucina povera at its best. Dazu ein Glas Primitivo aus Apulien, der mit seinen dunklen Fruchtnoten perfekt gegen die Würze steht.
Risotto mit Safran, Zitrone und Parmesan: Schalotte in Butter anschwitzen, Risottoreis dazu, mit Weißwein ablöschen, dann nach und nach heiße Gemüsebrühe einrühren – nach zehn Minuten den Safran dazugeben, am Ende Käse und einen Hauch Zitronenabrieb einrühren. Der Zitronenabrieb ist kein Pflichtbestandteil, aber er hebt das Gericht auf eine andere Ebene. 20 Minuten Geduld, ein Ergebnis, das sich nicht hinter einem Restaurantbesuch verstecken muss. Das restliche Glas Weißwein gehört zum Koch – oder zum Gast, je nach Absprache.

Panzanella – toskanischer Brotsalat: Ciabatta in grobe Stücke reißen, kurz in Wasser einweichen und wieder ausdrücken, mit reifen Tomaten, roten Zwiebeln, Basilikum, Kapern und gutem Olivenöl vermengen, kräftig mit Salz, Pfeffer und einem Schuss Rotweinessig abschmecken. Mindestens 20 Minuten ziehen lassen – das ist entscheidend. Panzanella braucht Zeit, dann aber ist sie ein vollständiges Abendessen. Dazu ein junger Vermentino, schön kalt.
Auberginen-Involtini mit Büffelmozzarella: Aubergine längs in dünne Scheiben schneiden, in der Grillpfanne von beiden Seiten anbraten, leicht abkühlen lassen. Jede Scheibe mit einem Stück Büffelmozzarella und einem Basilikumblatt belegen, einrollen und mit einem Zahnstocher fixieren. In Tomatensauce kurz erwärmen, mit Käse bestreuen. Sieht aufwendiger aus als es ist – dauert 20 Minuten und schmeckt wie aus einem Trattoria. Dazu ein Glas Nero d’Avola, der mit seiner Tiefe perfekt zur Röstaromatik der Aubergine passt.
Und ja, auch der Abwasch gehört zum „daily business“.

Dritte Station: Rom
Für Rom standen wir autark auf einem ruhigen Gelände, der Azienda Agricola Roma Aeterna von Paolo nahe einer Zugstation – in 25 Minuten direkt in der Innenstadt. Die erste Nacht war kostenlos, danach wird ein kleiner Kauf erwartet. Kolosseum und Pantheon am besten online vorbuchen. Darüber hinaus: einfach laufen. Jede Gasse in Rom hat Geschichte, jede Piazza Charakter.





Unser Tipp: Handy in die Tasche, echte Stadtkarte heraus. Man schaut hoch statt runter, entscheidet gemeinsam statt dem Algorithmus zu folgen. Das klingt nostalgisch, funktioniert aber besser als jede App, und es macht die Tour zu einer gemeinsamen Entdeckungsreise.

Fazit: So soll Reisen sich anfühlen
Ein Wohnmobil-Roadtrip durch Italien fordert euch. Er ist nicht passiv, nicht begleitet und nicht perfekt planbar. Aber genau das macht ihn so gut: Ihr fahrt selbst, ihr entscheidet selbst, ihr entdeckt selbst. Die Nonna, die Ravioli kocht. Der Esel nebenan. Die Fähre nach Venedig im Abendlicht. Das sind keine Prospektmotive, das ist euer Urlaub.
Nehmt euch Zeit für die Modellauswahl bei PaulCamper, lasst euch gründlich einweisen und fahrt los. Der Rest ergibt sich und ist meistens besser als geplant.

[Dieser Artikel entstand in Kooperation mit PaulCamper.]
Alle Fotos © NOT TOO OLD
