HomeLEBENPartnerschaftSound of Silence - Best Ager sind Europas lauteste Schnarcher

Sound of Silence – Best Ager sind Europas lauteste Schnarcher

Es gibt Geräusche, die einem in Fleisch und Blut übergehen. Der Motorenlärm eines alten Porsche 911. Das Knistern eines Lagerfeuers. Und dann gibt es Geräusche, die man gerne für immer aus dem Gehörgang verbannen würde. Das Schnarchen des Mannes im Bett gehört definitiv in diese Kategorie, zumindest aus Sicht seiner Partnerin. Und vielleicht, wenn wir ehrlich sind, auch aus unserer eigenen.

Dass Schnarchen kein rein deutsches Phänomen ist, hat jetzt eine repräsentative Umfrage des Onlinehändlers Galaxus bestätigt, für die der Marktforscher YouGov insgesamt 2.663 Personen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien und Frankreich befragte. Das Ergebnis lässt sich kurz zusammenfassen: Schnarchen nervt. Alle. Überall.

Die Säge schläft in ganz Europa nie

Laut der Galaxus-Studie stört sich jede zweite Person in Europa an den Sägegeräuschen der Partnerin oder des Partners. Das ist mit Abstand der größte Störfaktor in den Schlafzimmern des Kontinents. Kein Deckenklau, keine Zappelei, kein Handycheck um drei Uhr morgens kommt auch nur annähernd heran. Das Schnarchen thront einsam und unangefochten auf Platz eins der nächtlichen Nerv-Rangliste.

Besonders aufschlussreich: Frauen stören sich dabei deutlich häufiger am Schnarchen ihrer Partner als Männer. In Deutschland, Frankreich und der Schweiz haben zwei von drei Frauen damit zu kämpfen. Bei den Männern sind es rund vier von zehn. Der Grund dafür liegt in der Biologie: Frauen haben laut der Forschung einen leichteren Schlaf, während Männer aus physiologischen Gründen öfter und intensiver schnarchen. Eine Kombination, die für Zündstoff im Schlafzimmer sorgt.

Und jetzt kommt der Teil, den wir Best Ager uns besonders hinter die Ohren schreiben sollten: Je älter man ist, desto häufiger scheint die Nase des Nebenmanns zu rattern und zu nerven. In allen untersuchten Ländern liegen die Über-60-Jährigen an der Spitze dieses Rankings. Willkommen in der Altersklasse, in der wir offenbar zu echten Säge-Profis werden.

Warum schnarchen wir eigentlich mehr?

Das ist keine bösartige Laune des Schicksals, sondern Physik und Physiologie. Ab Mitte 40 verliert die Muskulatur im Rachen-Gaumen-Bereich an Tonus. Wenn wir schlafen und die Muskeln entspannen, vibriert das Gewebe im Luftstrom stärker und das ergibt den vertrauten Sound. Dazu kommen häufige Begleiter unserer Altersgruppe: leichtes Übergewicht, gelegentlicher Alkoholkonsum am Abend, Schlafmittel oder Antihistaminika, also alles Faktoren, die den Rachenraum zusätzlich entspannen und das Schnarchen verstärken. Männer sind anatomisch benachteiligt: breiterer Hals, mehr Muskel- und Fettmasse rund um die Atemwege, und im Alter nimmt der Testosteronspiegel ab, was die schützende Muskelspannung weiter reduziert.

Das Tückische: Viele Schnarcher wissen gar nicht, wie intensiv sie nachts sägen. Die Partnerin weiß es. Und sie schläft deswegen schlechter als du.

Europa schläft. Aber wie?

Die Galaxus-Studie liefert nicht nur Daten über Schnarchen, sondern auch einen amüsanten Einblick in die Schlafkulturen Europas. Und die unterscheiden sich deutlich.

Vier von fünf Pärchen in Italien und Frankreich legen sich unter eine gemeinsame Bettdecke. Kaum jemand hat mehrere pro Bett. Gemeinsame Decke, gemeinsames Schicksal, so scheint das mediterrane Motto zu lauten. In Österreich und Deutschland weht dagegen ein anderer Wind: Drei von fünf Pärchen bevorzugen dort individuelle Decken. Der DACH-Raum hat das Zwei-Decken-System quasi zum Standard gemacht und damit zumindest das Problem des Deckenklaus elegant gelöst.

In Frankreich ärgert sich immerhin jede vierte Person darüber, dass der Partner die Decke rüberzieht. In Italien ist es jede fünfte, während in Deutschland und Österreich nur jede zehnte Person damit zu kämpfen hat. Wer also schnarcht UND die Decke klaut, lebt in Frankreich gefährlicher als anderswo.

Der heimliche Traum vom Einzelbett

Hand aufs Herz: Hast du schon mal daran gedacht, einfach allein zu schlafen? Du bist nicht allein. In Deutschland und Frankreich würde mehr als jede dritte Person gerne – zumindest ab und zu – allein schlafen. In deutschen Beziehungen sehnen sich die Liebenden auch am häufigsten nach dauerhaft getrennten Betten (12 Prozent).

Interessant: In Deutschland träumen vier von zehn Frauen von Nächten für sich, während es bei den Männern nur jeder Siebte ist. Das Schnarchen des Mannes treibt also vor allem Frauen in Richtung Schlafzimmertrennung. Ein Befund, der zu denken geben sollte.

Trotzdem gilt: Aktuell führt in der europäischen Beziehungswelt kein Weg am gemeinsamen Bett vorbei, trotz Schnarchen oder Deckenklau. Die Nähe, das Kuscheln, das Gefühl der Zweisamkeit, all das wiegt für die meisten schwerer als die nächtliche Geräuschkulisse.

Was wirklich hilft – und was nicht

Klar, es gibt die Klassiker: Nasenpflaster, Schnarchschienen, Lagerungskissen. Sie funktionieren bei den verschiedenen Ursachen unterschiedlich gut. Wer primär wegen Übergewichts oder Schlaffheit der Rachenmuskulatur schnarcht, dem helfen oft schon Lebensstiländerungen mehr als jedes Hilfsmittel.

Ein paar Dinge, die tatsächlich wirken:

Seitenlage trainieren. In Rückenlage fällt die Zunge nach hinten, der Atemweg verengt sich. Wer sich ans Schlafen auf der Seite gewöhnt und dabei bleibt, schnarcht messbar weniger. Trick: ein Tennisball im Rücken des Pyjamas.

Alkohol früher absetzen. Zwei Glas Wein zum Abendessen sind kein Problem. Zwei Glas kurz vor dem Einschlafen entspannen die Rachenmuskulatur zu stark. Drei bis vier Stunden Abstand zum Schlafengehen machen einen deutlichen Unterschied.

Körpergewicht im Blick behalten. Schon fünf Kilogramm weniger können das Schnarchen deutlich reduzieren, weil der Druck auf die Atemwege sinkt.

Zum HNO-Arzt gehen. Wer laut und regelmäßig schnarcht, sollte ausschließen lassen, dass eine Schlafapnoe dahintersteckt, bei der es nachts zu echten Atemaussetzern kommt. Das ist keine Kleinigkeit, sondern ein ernstzunehmender Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ein Schlaflabor kann hier Klarheit schaffen.

Professionelle Schnarchwesten und CPAP. Bei diagnostizierter Apnoe ist die CPAP-Atemmaske der Goldstandard. Klingt unromantisch? Ist sie auch. Aber wer nachts wieder richtig atmet, schläft besser, ist tagsüber fitter und seine Partnerin schläft endlich auch.

Das Fazit: Besser schnarchen oder besser schlafen?

Die Galaxus-Studie macht eines überdeutlich: Schnarchen ist kein Randthema, sondern ein ernsthaftes Beziehungsproblem mit gesundheitlicher Dimension. Und es betrifft unsere Altersgruppe überproportional stark. Die gute Nachricht: Man muss es nicht einfach hinnehmen.

Wer schnarcht, raubt nicht nur seiner Partnerin den Schlaf, er raubt ihn auch sich selbst. Denn intensives Schnarchen bedeutet fast immer einen weniger tiefen, weniger erholsamen Schlaf. Und wer morgens gerädert aufwacht, lebt auf Dauer schlechter, körperlich wie mental.

Also: Lass das Thema nicht länger als Lapalie durchgehen. Sprich mit deiner Partnerin. Geh zum Arzt. Schlaf besser. Für dich und für sie.

Kai Bösel
Kai Bösel
Kai Bösel (Jg. 1971) lebt als Patchwork-Papa mit der Familie in Hamburg. Neben NOT TOO OLD betreibt er auch das Väter-Magazin Daddylicious. Außerdem ist er Experte für Influencer-Marketing. Bisher hat er bereits fünf eigene Unternehmen gegründet, schreibt für diverse Print- und Online-Magazine, tritt als Speaker und Moderator auf und betreibt zu diesem Magazin auch einen Podcast. Nach Feierabend entspannt er beim Laufen oder Golf.

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