HomeLEBENFinanzenNie zu alt für die Energiewende: Wie ein Architekt 2.700 Euro jährlich...

Nie zu alt für die Energiewende: Wie ein Architekt 2.700 Euro jährlich spart

Es ist nie zu spät, Verantwortung zu übernehmen, auch nicht in der zweiten Lebenshälfte. Während viele Best Ager sich mit dem Gedanken tragen, ob eine energetische Sanierung ihres Eigenheims in ihrem Alter noch lohnt, zeigt die Realität: Gerade jetzt ist der perfekte Zeitpunkt für den Umstieg auf klimafreundliche Heiztechnik. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache, und Pioniere wie der Architekt Hans-Ulrich Günther aus Ammerbuch beweisen, dass sich Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Vernunft nicht ausschließen müssen.

Ein Architekt geht mit gutem Beispiel voran

„Ich bin Energiesparer der ersten Stunde!“, sagt Hans-Ulrich Günther. Der Architekt hat nicht nur in den Gebäuden seiner Kunden alternative Heizsysteme empfohlen, sondern im Herbst 2024 auch sein eigenes Wohnhaus umgerüstet. Sein nach klimagerechten Kriterien entworfenes Haus aus dem Jahr 2000 war mit einer funktionierenden Gastherme ausgestattet. Trotzdem entschied er sich für den Wechsel zur Wärmepumpe. Der Grund war eine simple Rechnung: „Nachdem ich mir die Umstellung meines kompletten Energiebedarfs für Haushalt, Elektromobilität, Gebäudeheizung und -kühlung auf regenerativen Strom durchgerechnet hatte, war die Entscheidung sehr schnell gefallen“, berichtet Günther.

Die Bilanz nach wenigen Monaten Betrieb kann sich sehen lassen. Für seinen gesamten Energiebedarf – Strom für Heizung und Kühlung, E-Mobilität mit 15.000 Kilometern Fahrleistung pro Jahr und den kompletten Haushaltsstrom – hat Günther eine Einsparung von 2.500 bis 2.700 Euro jährlich berechnet. Sein Eigenanteil nach KfW-Förderung betrug 21.000 Euro. „Fördergelder in dieser Höhe halte ich zwar für fragwürdig“, gibt der Architekt zu bedenken, „das ist doch wie bei der Herstellung von E-Autos: Für die Phase der Umstellung sind hohe Investitionen erforderlich, die nicht dauerhaft durch Steuergelder finanziert werden sollten.“

Die Wärmepumpe erobert den deutschen Markt

Was Günther im Kleinen vormacht, vollzieht sich gerade im großen Maßstab: Der deutsche Heizungsmarkt erlebt eine historische Wende. Im ersten Halbjahr 2025 wurden 139.500 Wärmepumpen installiert. Das entspricht einem Zuwachs von 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Erstmals verdrängte die Wärmepumpe die traditionelle Gasheizung von der Spitze der Verkaufszahlen. Gleichzeitig brachen die Verkäufe von Gasheizungen um 41 Prozent auf 132.500 Anlagen ein, der Absatz von Ölheizungen sank sogar um 81 Prozent auf nur noch 10.500 Geräte.

Für 2025 rechnet der Bundesverband Wärmepumpe mit etwa 300.000 verkauften Wärmepumpen. Damit liegt der Anteil von Wärmepumpen am gesamten Heizungsmarkt erstmals bei knapp 50 Prozent. Ein beeindruckender Meilenstein, der zeigt: Die Deutschen haben ihre Entscheidung getroffen, auch wenn es manchem Beobachter noch zu langsam geht.

Warum die Wärmepumpe wirtschaftlich Sinn macht

Die Rechnung ist einfach: Eine moderne Wärmepumpe kann im Vergleich zur Gasheizung bis zu 91 Prozent der Treibhausgase einsparen, wie eine aktuelle Studie der RWTH Aachen zeigt. Aber auch wirtschaftlich überzeugt die Technologie. Nach Berechnungen verschiedener Vergleichsportale sparen Haushalte mit Wärmepumpen über 20 Jahre gerechnet zwischen 15.000 und 18.000 Euro gegenüber einer neuen Gasheizung.

Ein Grund dafür ist die steigende CO₂-Bepreisung. Seit Januar 2025 liegt sie bei 55 Euro pro Tonne CO₂. Ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden Erdgas verursacht damit jährliche Zusatzkosten von etwa 200 bis 240 Euro. Ab 2026 wird der CO₂-Preis marktbasiert in einem Korridor von 55 bis 65 Euro ermittelt, Tendenz steigend. Wärmepumpen hingegen sind von dieser Abgabe befreit.

Die Amortisationszeit einer Wärmepumpe liegt typischerweise zwischen 7 und 15 Jahren. In Kombination mit einer Photovoltaikanlage verkürzt sich dieser Zeitraum deutlich. Die jährlichen Betriebskosten einer Wärmepumpe für ein 130 Quadratmeter großes Einfamilienhaus liegen bei circa 1.000 bis 2.000 Euro, also deutlich unter den Kosten einer Gasheizung.

Die Förderung macht den Unterschied

Was viele abschreckt, sind die hohen Anschaffungskosten. Günther holte vier Angebote ein, die Range lag zwischen 40.000 und 68.000 Euro. Dass die Preise so stark variieren, bestätigt auch eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Diese holte zwischen Oktober 2024 und Mai 2025 insgesamt 160 Angebote für Luft-Wasser-Wärmepumpen ein. Die Gesamtkosten lagen zwischen 20.000 und 63.000 Euro, der Mittelwert bei 36.300 Euro.

Hier kommt die staatliche Förderung ins Spiel. Über das KfW-Programm 458 können Privatpersonen bis zu 70 Prozent Zuschuss erhalten. Die Förderung setzt sich zusammen aus:

  • 30 Prozent Grundförderung für den Austausch einer mindestens zwei Jahre alten Heizung
  • 20 Prozent Klimageschwindigkeits-Bonus beim Austausch von Öl-, Gasetagen-, Kohle- und Nachtspeicheröfen sowie 20 Jahre alten Gas- und Biomasseheizungen
  • 30 Prozent Einkommens-Bonus für selbstnutzende Hauseigentümer mit einem zu versteuernden Jahreshaushaltseinkommen bis maximal 40.000 Euro

Die maximale Förderung beträgt dabei 21.000 Euro. Nach Abzug dieser Förderung reduzieren sich die Investitionskosten erheblich. Bei Günthers Projekt verblieb ein Eigenanteil von 21.000 Euro.

Die Förderanträge sind einfacher geworden

Viele scheuen den bürokratischen Aufwand. Doch die Förderanträge wurden in den letzten Jahren deutlich vereinfacht. „Den Förderantrag für meine Wallbox habe ich in fünf Minuten online auf dem KfW-Portal erledigt – Kostenvoranschlag hochladen und fertig. Die Genehmigung gab es prompt“, berichtet Günther. Heizungsbauer Rolf Schöll ergänzt: „Als die Anträge noch über die BAFA liefen, war es anfangs schwierig und nicht gerade lustig. Das war für viele Leute sicherlich eine Hemmschwelle. Inzwischen hat sich die Situation deutlich verbessert.“

Wichtig ist allerdings: Man benötigt zwingend die Unterstützung des ausführenden Handwerksbetriebes oder eines Energieberaters für eine Bestätigung zum Antrag und eine Bestätigung nach Durchführung. Die Auswahl des richtigen Fachbetriebs ist daher entscheidend.

Die richtige Fachfirma macht den Unterschied

Schöll vom Meisterbetrieb Schöll Heizungsbau aus Tübingen kennt die Branche seit Jahrzehnten. Seit der Firmengründung arbeitet der Betrieb mit dem SHK-Großhändler REISSER in Böblingen zusammen, bezieht so nicht nur die Ware und moderne Geräte, sondern auch passende Beratung. „Viele Leute suchen Alternativen zu den Fachmonteuren – der Markt bietet auch Installateure, die in Jogginghose daherkommen und kaum Deutsch sprechen. Wir als Fachbetrieb werden dann nach drei Jahren gerufen, um nachzubessern oder erhebliche Folgen wie zum Beispiel Wasserschäden zu beheben“, bedauert er.

Die Expertise zahlt sich aus. Bei Günthers Projekt musste zunächst eine Lösung gefunden werden: Die Gastherme befand sich in einer Dachheizzentrale, die für die Wärmepumpe zu klein war. Die erste Idee, das neue Heizsystem auf dem Dach zu installieren, wurde aus statischen und optischen Gründen verworfen. Stattdessen wurde ein Raum im Keller gefunden. „Dieser Kunde ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir die Energiewende schaffen. Er hat im gesamten Gebäude bereits rechtzeitig den Grundstein gelegt. Mit der Wärmepumpe hat er nun clevere Energieanpassungen vorgenommen“, schwärmt Schöll.

Deutschland im europäischen Vergleich

Trotz des aktuellen Aufschwungs hinkt Deutschland im europäischen Vergleich noch hinterher. 2024 wurden in Deutschland nur 10,6 Wärmepumpen pro 1.000 Haushalte installiert. Zum Vergleich: In Norwegen liegt diese Zahl bei 48, in Finnland bei 33 und in Schweden bei 35,72. Länder wie Norwegen, Finnland, Frankreich oder die Niederlande zeigen, dass mit klaren politischen Rahmenbedingungen deutlich höhere Quoten möglich sind.

Hans-Ulrich Günther sieht das kritisch: „Viele Menschen sind in Panik verfallen. Dabei war das Heizungsgesetz doch lediglich die logische Fortschreibung der EnEV. Ab 2014 wurde darin ein regenerativer Anteil am Energieverbrauch von 5 Prozent verbindlich eingeführt und dieser dann schrittweise auf zuletzt 65 Prozent erhöht. Ein Jahr zuvor wurde übrigens in Dänemark die Verwendung fossiler Brennstoffe für Heizungen verboten. Doch das Thema wurde hierzulande falsch dargestellt.“

Die Veränderungsunwilligkeit der Deutschen

„Ich bin manchmal fassungslos, wie veränderungsunwillig die Deutschen sind. Zu viele Leute sind im Kopf noch nicht bereit, haben ein hohes Verharrungsvermögen“

…resümiert Günther. Er sieht auch Lobbyinteressen der Energiewirtschaft am Werk. Warum darf eine Kilowattstunde Strom an Ladestationen für E-Autos bis zu 90 Cent kosten, während man zu Hause für einen Bruchteil laden kann? „Es gibt 15,5 Millionen Ein- und Zweifamilienhäuser in Deutschland und jedes hat eine Steckdose. Hier kann man sein E-Auto in den meisten Fällen laden und fährt dann vier bis fünf Mal preiswerter als mit einem vergleichbaren Diesel. Wir könnten schon viel weiter sein.“

Die Kritik des Architekten richtet sich auch gegen die negative Darstellung der Wärmepumpe in manchen Medien und Verbandsbroschüren. „Die Wärmepumpe wurde und wird schlecht geredet und das bei der so oft geforderten Technologieoffenheit – wie passt das zusammen?“

Realität statt Hype

Heizungsbauer Schöll sieht die Sache pragmatisch: „85 Prozent der Heizungen hierzulande sind veraltet. Also muss ohnehin eine neue Heizung her – es geht um die Realität, nicht um einen Hype. Warum so viele auf die Wärmepumpe schimpfen, kann ich nicht nachvollziehen. Die Menschen sollten einsehen, dass das ein gutes System ist.“

Die technische Entwicklung hat sich rasant weiterentwickelt. „In der heutigen Zeit amortisiert sich eine neue energiesparende Heizung sehr schnell. Und sie ist wesentlich effizienter als bisher“, weiß Schöll. Im Tübinger Umfeld erlebt er ganz unterschiedliches Kundenklientel: „Wir beraten und begleiten Menschen, die sich weltoffen zeigen und andere, die nicht änderungsbereit sind. Der Austausch und die Gespräche sind sehr interessant. Denn es gibt keine schlechte Meinung – nur andere Standpunkte. Als Handwerker kann ich mich darauf einlassen und versuchen, etwas zu bewegen.“

Günthers positive Bilanz

Bereits 2006 hat Günther bei einem seiner Bauvorhaben die erste Wärmepumpe eingebaut. „Anfangs war ich eher skeptisch, doch schon die erste in Betrieb gegangene Wärmepumpe überzeugte mich vollständig.“ In seinem eigenen Haus hat er nun eine LG Wärmepumpe mit einem Leistungsvolumen von 12 Kilowatt verbaut. Das Gerät überzeugte durch geringen Emissionswert und hohe Geräuscharmut.

Sein Niedrigenergiehaus mit den großen Glasfronten sorgt dafür, dass er in den Monaten zwischen März und Oktober gar keine Heizung anschalten muss. Die ersten Ergebnisse nach wenigen Monaten Betrieb bestätigen seine Entscheidung. Der Heizungspuffer läuft optimal, das Energiemanagement über das Touch Display lässt sich einfach und intuitiv bedienen.

Die Zukunft ist elektrisch

Günther ist überzeugt: „Die umweltfreundliche, regenerative Energie, die E-Mobilität und die umweltfreundliche Wärmepumpe werden sich durchsetzen – aber es wird für meinen Geschmack noch viel zu lange dauern.“

Die Zahlen geben ihm Recht. Jede neu installierte Wärmepumpe sorgt dafür, dass durchschnittlich 16.000 Euro, die sonst in den Kauf von fossilen Brennstoffen fließen würden, in der deutschen Wirtschaft verbleiben. Der Markt für Wärmepumpen beschäftigt allein in der Industrie rund 70.000 Menschen.

Für Best Ager, die sich fragen, ob sich eine Investition in ihrem Alter noch lohnt, gibt es eine klare Antwort: Ja. Nicht nur wegen der finanziellen Einsparungen, die bereits nach wenigen Jahren greifen. Sondern auch, weil es nie zu spät ist, Verantwortung für kommende Generationen zu übernehmen. Wie Günther beweist: Man muss nicht jung sein, um innovativ zu denken. Man muss nur bereit sein, etablierte Pfade zu verlassen.

Die Botschaft ist klar: Es ist nie zu spät, das eigene Verhalten zu hinterfragen und Dinge zu optimieren, die die Welt ein kleines bisschen besser machen. Die Wärmepumpe ist dabei mehr als nur eine Heizung – sie ist ein Statement für Zukunftsverantwortung. Und die kennt kein Alter.

Kai Bösel
Kai Bösel
Kai Bösel (Jg. 1971) lebt als Patchwork-Papa mit der Familie in Hamburg. Neben NOT TOO OLD betreibt er auch das Väter-Magazin Daddylicious. Außerdem ist er Experte für Influencer-Marketing. Bisher hat er bereits fünf eigene Unternehmen gegründet, schreibt für diverse Print- und Online-Magazine, tritt als Speaker und Moderator auf und betreibt zu diesem Magazin auch einen Podcast. Nach Feierabend entspannt er beim Laufen oder Golf.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Letzte Beiträge

Zuhause neu erfinden: Wie die Wohnung zur zweiten Lebenshälfte passt

Mit 50 plus verändert sich oft, wie sich ein Zuhause anfühlen soll. Der Alltag wird ruhiger, zugleich steigt der Wunsch nach Übersicht. Viele Räume...

Reisen ab 50: Warum digitale Helfer unterwegs sinnvoll sind, wenn sie sich zurücknehmen

Mit zunehmender Reiseerfahrung verändert sich der Blick auf das Unterwegssein. Wer viele Länder, Städte und Kulturen gesehen hat, sucht seltener das Spektakuläre und häufiger...

NTO Podcast #65 mit Niels-Peter Jensen über Zweirad-Abenteuer

Mit 20 sprang er auf dem Bike vom Fernsehturm, wurde mit dem Mountainbike unter anderem Europameister und Vize-Weltmeister, ging bei Red Bull unter Vertrag...

Ski-Out and Swim-In: Die schönsten Wellnesshotels direkt an der Skipiste

Direkt von der Skipiste in die warme Wellness-Welt: Diese vier Spa-Hotels verbinden Ski- und Wellnessvergnügen gleichermaßen. Stellen Sie sich vor: morgens schnallen Sie sich die...

Männerunterwäsche zwischen Komfort und Stil: Was du wissen solltest

Beim Thema Unterwäsche hat jeder seine eigenen Vorlieben: Manche bevorzugen die Freiheit der lockeren Boxershorts, andere mögen es lieber etwas kompakter mit mehr Halt,...