Umzug aufs Land im Alter – 5 Tipps, wie es gelingt

Die meisten Einwohner Deutschlands leben in Städten, oft aus beruflichen Gründen. Je nach Stadt heißt das auch oft: viel Verkehr, viel Lärm, wenig Grün und ein verbauter Blick. Daher steigt gerade in zunehmendem Alter der Wunsch nach dem Umzug aufs Land. Damit verbinden die meisten Menschen viel Ruhe, einen herrlichen Blick in die Natur, geringere Wohnkosten und stets ein frischer Wind um die Nase. Das Homeoffice trägt seinen Teil dazu bei, die Lebenssituation und den Wohnort zu überdenken. Allerdings hat auch diese Medaille zwei Seiten.

Viele Städte verlieren Bewohner mittleren Alters, die ihren Wohnsitz aufs Land verlagern. Viele sehen darin Vorteile an Spielmöglichkeiten für Kinder, eine größere Verbundenheit mit der Natur und weniger Streß bei der Parkplatzsuche. Gerade Leute, die in Berlin, Hamburg oder dem Ruhrpott leben, die wissen, was ich meine. Und war es früher oft noch verpönt, auf dem Land zu wohnen, ist das heute gerade im Alter eine spannende Möglichkeit, sich für die zweite Lebenshälfte eine entspanntere Wohnsituation zu schaffen. Ein paar Tipps haben wir dafür.

1. Die Finanzen

Ein Umzug aufs Land beginnt mit dem Kassensturz. Dazu gilt es, zuerst einmal den Rahmen abzustecken. Dazu gehören Fragen wie:

  • mieten oder kaufen?
  • Vorstadt oder wirklich „echtes“ Land?
  • wie viel Platz muss es mindestens und höchstens sein?
  • Fahrtkosten zur Arbeitsstelle
  • zusätzliches Auto oder E-Bike nötig?
  • Garten oder Balkon?

Ihr braucht also eine ehrliche Einschätzung dessen, was euch zur Verfügung steht. Danach könnt ihr euch dann auf die Suche machen. Die Mieten in den Großstädten sind ähnlich explodiert wie die Kaufpreise für Immobilien. Allerdings sind auch beim Umzug aufs Land längst nicht mehr so viele Schnäppchen zu schlagen, denn die Nachfrage steigt. Und damit auch der Preis.

Ein Umzug aufs Land bringt Stadtmenschen näher zur Natur
© Sonya Romanovska (Unsplash)

2. Soziale Kontakte

In der Stadt pflegen die meisten Menschen regelmäßigen Kontakt zu Freunden, Kollegen oder Sportskameraden. Nach dem Umzug aufs Land kann sich das schon schwerer gestalten. Meist sind keine Kollegen in der Nähe und neue Kontakte müssen erst geknüpft werden. Die Entfernungen sind deutlich größer, daher ist der schnelle Schnack im Cafe um die Ecke nicht immer einfach möglich. Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch Sportvereine, Golfclubs oder Schulen in Dörfern und Vorstädten. Daher seid ihr nicht komplett autark, müsst euch um soziale Kontakte aber stärker bemühen.

3. Lebensqualität

Grundsätzlich ist es immer schön, mehr Platz in den eigenen vier Wänden zu haben. Und definitiv bekommt ihr nach dem Umzug aufs Land mehr Platz für das gleiche Geld wie in der Stadt. Darüber hinaus sind die Wege in die Natur deutlich kürzer. Und mit etwas Glück oder Geduld findet ihr vielleicht sogar eine Immobilie mit einem unverbauten Blick in die Natur oder auf ein Gewässer.

Auf der anderen Seite gibt es den Winter auch auf dem Land. Und wenn das Leben dann kaum noch draußen stattfindet, fühlt es sich außerhalb der Stadt noch deutlich abgenabelter und einsamer an. Wenn ihr eh am liebsten zuhause seid, dann ist das egal. Wenn ihr euch aber an ein gewisses Treiben in eurer Hood gewöhnt habt, dann wird das nach dem Umzug aufs Land auf jeden Fall eine Umstellung.

4. Jobsituation

Bevor ihr die Stadt verlasst, solltet ihr euch über eure berufliche Zukunft Gedanken machen. Wenn eure aktuelle Firma das Homeoffice ermöglicht, dann wäre das schon mal ein erster hilfreicher Aspekt. Was ist aber, wenn ihr nochmal nach einem neuen Arbeitsplatz suchen müsst? Dann schränkt euch der Wohnort durch lange Arbeitswege möglicherweise ein oder verhindert, dass ihr bestimmte eigentlich passende Angebote in Betracht zieht. In dem NOT TOO OLD Podcast gibt es eine Folge mit der Personalberaterin Regina Volz. Da wurde schon deutlich, dass ein Jobwechsel im Alter sowie nicht immer einfach ist. Durch den Umzug aufs Land könnten sich die Vorzeichen nochmal verschlechtern.

Nach dem Umzug aufs Land wird das Leben etwas stressfreier
© Cassandra Ortiz (Unsplash)

5. Landleben

Sicherlich erscheint es reizvoll, zum Beispiel regionale Erzeugnisse direkt beim Bauern einzukaufen. Und auch Haustiere wie Hund und Katze werden sich herzlich bei euch bedanken, wenn ihr den Umzug aufs Land vollzieht. Sollte eure finanzielle Situation vielleicht sogar einen Garten zulassen, dann könnt ihr euch auch eigenes Obst und Gemüse anbauen.

Anders sieht es mit Einkaufsmöglichkeiten für Klamotten aus. Und sicherlich sind auch der Friseur und das Fitness-Studio nicht direkt ums Eck. Da müsst ihr die Mobilität mit berücksichtigen.

Ebenso gilt es, die Internetleitung zu prüfen, wenn ihr beruflich darauf angewiesen seid. Und dazu das Netz der ärztlichen Versorgung, falls ihr da schnelle Hilfe braucht.

Fazit zum Umzug aufs Land

Ein Wohnort im Grünen hat viele Vorteile, will aber gut überlegt sein.
Wenn noch Kinder im Spiel sind oder der Job nicht gefestigt ist, kann die Struktur auf dem Land zu Problemen führen. Für den Kopf, die Gesundheit und den Streßfaktor spricht aber eine Menge für einen Wohnort in der Natur.

Titelbild © Krakenimages.com (Shutterstock)

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Kai Bösel
Kai Bösel (Jg. 1971) lebt als Patchwork-Papa mit der Familie in Hamburg. Neben NOT TOO OLD betreibt er auch das Väter-Magazin Daddylicious. Außerdem ist er Experte für Influencer-Marketing. Bisher hat er bereits fünf eigene Unternehmen gegründet, schreibt für diverse Print- und Online-Magazine, tritt als Speaker und Moderator auf und betreibt zu diesem Magazin auch einen Podcast. Nach Feierabend entspannt er beim Laufen oder Golf.

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