Top 15 Mixtape von Carsten Gensing

Carsten Gensing (Jahrgang 1969) ist Journalist, Patchwork-Papa, HSV-Fan und ein großartiger Gesprächspartner. Er hat bereits Gastbeiträge hier bei NOT TOO OLD veröffentlicht, die sich insbesondere mit Gesundheit und Nachhaltigkeit beschäftigen. Denn er selbst ernährt sich seit einigen Jahren vegan, treibt viel Sport und kümmert sich um sein eigenes Wohl. Unter anderem als stellvertretender Chefredakteur der BILD Zeitung hat er auch andere Zeiten hinter sich und alles dem Job untergeordnet. Den Ausstieg fand er durch die Gründung seiner eigenen Kommunikationsberatung.

Zum Durchhalten und auf seinen Laufrunden spielt Musik eine wesentliche Rolle. Und da darf es gern laut und heftig werden. Carsten lässt es auf den Ohren krachen und liefert auf jeden Fall die bisher krawalligste Compilation in dieser Kategorie. Die Playlist findet ihr am Ende. Also, Mixtape rein und Boxen auf laut.

Top 15 Songs von Carsten Gensing

1. Wasted Years // Iron Maiden

Einen Titel von Iron Maiden als Top-Song für ein Mixtape auszusuchen ist angesichts der monumentalen Superhit-Dichte aus mehr als 40 Jahren Band-Geschichte nahezu unmöglich.  Den Ausschlag für Wasted Years (Album: Somewhere in Time, 1986) gab die Maiden-Show auf der Berliner Waldbühne im Sommer 2016: Da spielten sie den Song zum Finale und die Arena rastete so krass aus, dass mich das bis heute glücklich macht.

2. For Those About To Rock // AC/DC

Mit elf oder zwölf Jahren wurde ich auf dem heimischen Schützenfest von pubertierenden Dorf-Rockern unter Androhung von Prügel vor die Wahl gestellt: „Kiss oder AC/DC?“ Ich hatte beides noch nie gehört. Da die Bon-Scott-Kutten in Überzahl waren und auch die Träger viel gefährlicher aussahen als die peinlichen Kiss-Kids, wählte ich AC/DC. Eine wegweisende Entscheidung fürs Leben. AC/DC steckt im Körper fest und geht nie wieder weg. Ähnlich wie bei Maiden gebührt AC/DC mehr als nur ein Song in einer Playlist, ähnlich wie bei Maiden ist es eine emotionale Auswahl: For Those About to Rock als Dankeschön der Band an die Fans zum Ende jeder Live-Show schießt sich mit den Kanonenschlägen direkt ins Herz. Bämm. Bämm. Bämm. Liebe.

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3. Crawling // Linkin Park

Never forget Chester Bennington (1976 – 2017). Die tragische Geschichte des LP-Frontmannes spiegelt sich auch in diesem Song wider. Man möchte schreien und fragen: Warum konnte ihm niemand helfen? Crawling stammt vom Album Hybrid Theory (2000), dem neben Meteora wichtigsten Linkin-Park-Album. RIP, Chester, Deine Stimme geht für immer unter die Haut.

4. Poison // Alice Cooper

Wäre ein passender Chef-Kolumnist für Not Too Old, denn wer verkörpert das Motto besser als dieser knorrige Kerl? Ich habe ihn einmal live gesehen, 2017 in Wacken, da war er 69, aber heiß, fit, fröhlich und legte eine Show hin, bei der man keine Sekunde zweifelte: Der Mann hat immer noch Spaß, als wäre es sein erster Auftritt vor einer so gewaltigen Crowd. Dass er mit Donald Trump Golf spielt und sich immer noch schminkt wie ein 17-jähriger Gruftie, verzeiht man ihm spätestens beim Einsetzen des Ohrwurm-Refrains: „I want to kiss you, but your lips are venomous …. poison… You’re poison, running through my veins“.

5. Voice for the Voiceless // Heaven Shall Burn

Nichts für Metal-Einsteiger: Bei Live-Shows ist man der Urgewalt dieses Metalcore-Erdbebens schutzlos ausgeliefert. Die Double-Bass-Drum ist wie ein Schlaghagel von Mike Tyson, weit und breit ist kein rettender Ringrichter zu sehen. Sänger Marcus Bischoff schreit, Maik Weichert zelebriert mit seiner Ibanez Hooklines, die sich ihren Weg durch den Körper bahnen. Die Jungs sehen nicht so aus, aber sie haben eine Agenda: Keine Drogen, kein Fleisch, keine Nazis. Extremes Headbanging made in Thüringen.

6. Only for the Weak // In Flames

Franz Beckenbauer würde sagen: “In Schweden sind die weltberühmt“ – und das stimmt. Für In Flames gibt es sogar ein eigenes Genre: NWoSDM – New Wave of Swedish Death Metal. Die Gitarren-Riffs der Göteborger um Hipster-Frontmann Anders Friden bohren sich mit ihrer metallischen Härte kompromisslos durch Beton. Das schleppende Tempo von Only for the Weak macht den Song zu einem perfekten Trainingslied für Einsteiger ins Headbanging. Die Live-Shows sind so Energie geladen, am Ende geht der Mosh Pit vor der Band auf die Knie. Aus Erschöpfung und aus Respekt.

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7. Chop Suey! // System Of A Down

Die Frage nach dem besten Metal-Song aller Zeiten lässt sich nicht seriös beantworten. Aber bei allen, die sich an der Beantwortung dieser Frage versuchen, taucht „Chop Suey!“ zwischendurch auf dem Notizzettel auf – und wird später wieder gestrichen, weil er zu ungewöhnlich ist. Der Song vereint alle Genres, die der armenisch-stämmigen Crossover-Band aus Kalifornien zugeschrieben werden: NuMetal, Progressive Metal, Alternative Metal, Hardcore, Punk und Folklore. Karaoke-Schwierigkeitsstufe 12. Warum? Kurz reinhören, dann wisst ihr Bescheid…

8. Join Me In Death // HIM

Durchatmen zwischen all dem heavy Krach: Die Finnen liefern den einzigen NDR-2-tauglichen Titel dieser Playlist. Weil HIM immer im Verdacht standen, eine Pop-Band zu sein, sagte Sänger Ville Valo bei Konzerten vorsichtshalber: „Wir sind eine Metal-Band!“ Hört man „Join Me In Death“ hier zwischen dem anderen harten Zeugs, klingt das Lied auch gleich viel härter als im Mainstream-Dudel-Radio.

9. Ora Pro Nobis Lucifer // Behemoth

Die Bezeichnungen der Metal-Genres sind eine Wissenschaft für sich. Behemoth wird der Gattung „Blackened Death Metal“ zugeordnet, also ein Mix aus Black- und Death-Metal. Frontmann Nergal ist unberechenbar: Einst Mitbegründer eines satanischen Zirkels, pöbelte er später gegen rechtsradikale Black-Metaller, verkaufte veganes Hundefutter als Fan-Merch. 2010 erkrankte er an Leukämie und wurde durch eine Stammzellentransplantation gerettet. Der Titel Ora Pro Nobis Lucifer lässt erahnen: Das polnische Trio ist böse. Richtig böse. Sogar so böse, dass Nergal wegen der „Verletzung religiöser Gefühle“ Anfang des Jahres vor einem Gericht in Warschau zu einer Geldstrafe verurteilt wurde.

10. The Void // Parkway Drive

Hatten wir es bisher in diesem Mixtape vor allem mit langhaarigen Hard & Heavy-Vertretern zu tun, kommen wir nun zu einer neuen Metal-Generation: Die Jungs von Parkway Drive sehen überhaupt nicht wie Metaller aus, auch wenn ihre Musik an Härte und metallischer Schärfe kaum zu toppen ist. Sie wirken wie smarte Surfer – und genau das sind die Australier auch. Ihre Fans sind deutlich jünger, weiblicher, weniger versoffen.

Ich hatte mich 2019 kurz vor meinem 50. Geburtstag in einen Mosh Pit im vorderen Bereich des 80.000er Mobs gewagt und verließ das Infield mit einem Bandscheibenvorfall, weil mich der Wechsel aus Circle-Pit-Laufen, Pogo, Hüpfen und dem Weiterreichen von Crowdsurfern (einige davon im Rollstuhl) körperlich überforderte. Bei The Void wird über die volle Länge des Songs gehüpft. Wer aufhört, wird umgehüpft.

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11. Raining Blood // Slayer

Ein Klassiker, ein Meilenstein, ein unverwüstlicher Skyscraper des Thrash-Metal. Muss ich den Song erklären? Der Eingangsriff ist vielleicht der beste Heavy-Metal-Riff aller Zeiten, alles was folgt ist einzigartig: Tempowechsel von schleppend auf schnell, wieder auf die Bremse und dann kommt es: „Raining Blooooooood!“, gefolgt von einem gnadenlosen Gitarren-Gejaule, prasselndem Regen, Gewitter. Alles in weniger als drei Minuten. Ende. Punkt. Durchatmen… Ich war bei der Abschiedstour und habe noch nie so viele weinende Männer gesehen wie nach den Abschiedsworten von Frontmann Tom Araya. Und weil ich nie dazu Gelegenheit hatte, antworte ich jetzt: Danke, Slayer. Danke.

12. Psychosocial // Slipknot

Für alle, die keine Ahnung haben, um wen es hier geht: Slipknot sind die mit den Masken und nummerierten Overalls (0 bis 8), der Clown ist weltberühmt, der mit der langen Nase ist leider nicht mehr dabei. Vorsicht bei älteren Herrschaften mit Vorerkrankungen: Das krachende Percussion-Gewitter und die Tempiwechsel können Herzrhythmusstörungen verursachen. Dir ist Psychosocial zu hart? Dann wähle bitte eine neue Band. Es ist nämlich einer der gemäßigten Songs von Slipknot.

13. The World is Yours // Arch Enemy

Heavy Metal ist von Männern dominiert, dabei gibt es hammerharte female Acts, die Aufmerksamkeit verdienen. Eine Weltsensation (das ist nicht übertrieben) ist Alissa White-Gluz – eine Kanadierin, deren Growl-Gesang atemberaubend ist. Ihre Platzierung auf der Bühne zwischen langhaarigen, schwarz gekleideten schwedischen Alt-Metallern gepaart mit der düsteren Stimme wirkt verstörend. Die Frau ist knallharte Veganerin, trägt nur Kunstleder und ist auch noch mit einem Typen namens Doyle Wolfgang von Frankenstein, Gitarrist der legendären „The Misfits“, liiert. Genug Geschichten für ein Leben als Rockstar.

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14. Can’t Stop // Red Hot Chili Peppers

Kleiner Ausflug in die Alternative-Rock-Abteilung. Vor der bedauernswerten Verweichlichung der Chili Peppers wussten Anthony Kiedis, John Frusciante, Flea und Chad Smith durchaus mit alternativer Härte zu überzeugen – in diesem Song als genialer Mix mit Rap und Funk-Elementen. Seit mindestens drei Jahren, so heißt es immer wieder, arbeite die Band an einem neuen Album. Ich warte nicht mehr drauf und höre lieber nochmal „Cant‘ Stop!“.

15. Sonne // Rammstein

Am erfolgreichsten deutschen Metal-Act aller Zeiten (nein, die Scorpions sind keine Metaller!) kommen wir auch in diesem Mixtape nicht vorbei. Till Lindemann finde ich außerhalb der Bühne peinlich, ich betrachte ihn deshalb als Kunstfigur. Ganz Rammstein ist ein Kunstwerk. Keines für den täglichen Gebrauch, sondern eines, dass dich wieder resettet, wenn dir bei einem Geschäftsessen ein angetrunkener Heißluftwender seine Erfolgsstory ausbreitet und dich zwei Stunden lang nicht vom Haken lässt. „Eins … hier kommt die Sonne … sieben, acht, neun – AUS.“ Ende.

Na Mensch, lieber Carsten Gensing. Das ist ja mal ne Mischung. Auf jeden Fall bisher unser härtestes Mixtape. Und trotzdem ein sehr spannender Ritt durch die verschiedenen Musik-Jahrzehnte.
Hier findet ihr weitere Mixtapes.

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Linktipps

Website Carsten Gensinggensing-media.de
Carsten Gensing bei Instagram@car_gens
Carsten Gensing bei LinkedIn@carsten-gensing

Fotocredit: Maximilian Probst

Kai Bösel
Kai Bösel (Jg. 1971) lebt als Patchwork-Papa mit der Familie in Hamburg. Neben NOT TOO OLD betreibt er auch das Väter-Magazin Daddylicious. Außerdem ist er Experte für Influencer-Marketing. Bisher hat er bereits fünf eigene Unternehmen gegründet, schreibt für diverse Print- und Online-Magazine, tritt als Speaker und Moderator auf und betreibt zu diesem Magazin auch einen Podcast. Nach Feierabend entspannt er beim Laufen oder Golf.

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