Studie zum E-Bike 2020: Käufer eher männlich, aber nicht immer alt

Lange Jahre galt ein E-Bike weniger als trendiges Gefährt für Stadt und Land, sondern eher als eine Gehhilfe für in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen. Und wahrscheinlich gehörten auch tatsächlich die Menschen zur ursprünglichen Zielgruppe, die auch auf den letzten Seiten der ADAC-Motorwelt durch Einbausaunen und Treppenlifte angesprochen wurden. Heute ist ein E-Bike aber viel mehr. Es ist Sportgerät, Cityflitzer und Lastenrad. Es ist oft sehr schick, hält fit und ist nachhaltig. Spannend sind die Veränderungen durch Corona in diesem Jahr. Daher haben wir die Studie zum E-Bike von Fahrrad-XXL mal genauer angeschaut.

Der Online-Shop Fahrrad XXL hat für die E-Bike-Studie 2020 im Rahmen einer Online-Umfrage im April und Mai 2020 insgesamt 1.917 Teilnehmer befragt. Das Fahrrad hat seit dem ersten Lockdown deutschlandweit einen enormen Boom erlebt. Das überrascht nicht, denn durch einen eingeschränkten Radius, Homeschooling und einen drohenden Heimkoller haben viele Menschen das Fahrrad genutzt, um sich zu bewegen oder um die öffentlichen Verkehrsmittel zu meiden. Entsprechende Radwege wurden in Großstädten recht schnell eingerichtet. An dieser Grafik ist zu erkennen, wie sich die Google-Suche nach Autos, Fahrrädern und E-Bikes im Jahr 2020 verändert haben. Klar ist das E-Bike in dieser Untersuchung das Schlußlicht, aber der Anteil wächst und die Tendenz ist bemerkenswert.

Studie zum E-Bike 2020
© Fahrrad XXL // Google Trends

Wer aber kauft ein E-Bike? Das wurde untersucht – und die Ergebnisse überraschen. Laut Studie sind 71,6 Prozent der E-Bike-Käufer Männer. Lediglich 27,6 Prozent der Käufer sind weiblich, 0,3 Prozent ordnen sich dem dritten Geschlecht zu. Dieses Ergebnis überrascht wenig und untermauert die These, dass das E-Bike als Gadget für technisch begeisterte Menschen angesehen wird. Oder als Statussymbol. Und das ist ein überwiegend männliches Phänomen.

Ein E-Bike kaufen nicht nur Senioren

Spannend hingegen ist die Untersuchung der Altersgruppen. Denn hier widerlegt die Studie die vorherrschende Meinung, dass ein E-Bike eher von Senioren angeschafft werden. Denn nur 12,2 Prozent der Käufer von elektrisch-betriebenen Fahrrädern sind über 60 Jahre. Der Großteil der Käufer verteilt sich auf die drei Dekaden zwischen 30 und 59 Jahren. Konkret sieht die Verteilung der Käufer von E-Bikes auf die Altersgruppen so aus:

  1. 30 – 39 Jahre mit 25 Prozent
  2. 50 – 59 Jahre mit 24,8 Prozent
  3. 40 – 49 Jahre mit 23,5 Prozent

    Die verbliebenen 14,1 Prozent sind entweder unter 18 Jahren oder zwischen 18 und 29 Jahren.
E-Bike Studie 2020 - Alter der Käufer
© Fahrrad XXL

Ebenso überraschend ist der Familienstand der Käufer, denn die elektrisch betriebenen Bikes kommen besonders bei Paaren gut an. 81,2 Prozent der Befragten sind entweder verheiratet (57,5 Prozent) oder in einer Partnerschaft (23,7 Prozent). Lauf Angaben sind nur 13 Prozent der E-Bike-Käufer Single.

E-Bikes gibt’s nicht nur in Städten

Ebenso gleichverteilt wie bei den Altersgruppen verhält es sich auch bei den Wohnortgrößen. Das E-Bike gewinnt überall an Bedeutung. Auf dem Dorf, in kleinen sowie in größeren Städten. Die Käufer verteilen sich recht gleich auf die folgenden vier Gruppen:

  • Dorf /Land-Gemeinde (unter 5.000 Einwohner): 21,6 Prozent
  • Kleinstadt (5.001 bis 20.000 Einwohner): 25,2 Prozent
  • Mittelstadt (20.001 bis 100.000 Einwohner): 24,3 Prozent
  • Großstadt (100.001 bis 1 Mio. Einwohner): 21,4 Prozent

Was überrascht: Mit gerade mal 5,3 Prozent wohnt ein deutlich geringerer Anteil der E-Biker in einer Millionenstadt.

Wo wohnen die Käufer von E-Bikes
© Fahrrad XXL

Gründe für den Kauf

Warum entscheiden sich Leute für den Kauf eines E-Bikes statt eines herkömmlichen Fahrrades? Da gibt es eine Vielzahl an Gründen. Häufigstes Kaufmotiv ist die geringere Anstrengung im Vergleich zum herkömmlichen Fahrrad. Das geben  66,3 Prozent als Kaufmotiv für das E-Bike an. Somit spielt der Komfort und die verbesserte Mobilität die wichtigste Rolle.

Doch neben dieser rationalen Begründung schätzen E-Bike-Nutzer vor allem auch den Spaßfaktor, der es mit 59 Prozent auf Platz 2 der wichtigsten Kaufmotive geschafft hat. Diese Erkenntnis erklärt auch den großen Anteil der Besitzer eines E-Mountainbikes, da mit solchen Fahrrädern vor allem spaßorientierte und abenteuerliche Fahrten unternommen werden.

An dritter Stelle der Beweggründe für einen E-Bike-Kauf kommt mit 56,5 Prozent die erhöhte Ausdauer für längere Strecken im Vergleich zum herkömmlichen Fahrrad. Dank der elektrischen Unterstützung der leistungsstarken Motoren können Fahrer deutlich mehr Kilometer fahren als mit einem herkömmlichen Fahrrad.

Welche E-Bike Typen werden gekauft?

Die Studie hat untersucht, welche Typen am häufigsten gekauft wird. 43,7 Prozent der Befragten gaben an, ein E-MTB zu favorisieren. Damit sind diese Bergziegen die mit Abstand beliebteste Kategorie. Auf Platz 2 landen mit 25,9 Prozent die E-Trekkingräder, gefolgt von E-City-/Urbanbikes mit 13,6 Prozent.

Alle anderen Modelle wie Renn- und Lastenräder machen mit insgesamt 6 Prozent nur einen sehr geringen Anteil aus und wurden daher zusammengefasst. Witzigerweise konnten 10,8 Prozent der Befragten ihren E-Bike-Typ nicht nennen.
Die beliebtesten Marken für ein E-Bike sind Cube (37,6 Prozent) und Haibike (29,4 Prozent).

Beliebte E-Bike Typen
© Fahrrad XXL

Was spricht gehen ein E-Bike?

Da unter der Haube wesentlich mehr Technik, ein Motor und ein Akku steckt, ist der Anschaffungspreis für ein E-Bike deutlich höher im Vergleich zu einem Fahrrad. Und so verwundert es nicht, dass 61,1 Prozent der E-Bike-Käufer den hohen Preis für die Anschaffung und den Service als Schmerzpunkt des Elektrofahrrads sehen.
Zweiter Grund, der gegen so ein Hightech-Rad spricht, ist für 48,7 Prozent der Befragten die Diebstahlgefahr als Befürchtung vor dem Kauf. Hier sind Hersteller aufgefordert, für noch besseren Schutz zu sorgen.
Ebenfalls durch die Komponenten wie Motor und Akku hat ein E-Bike ein höheres Gewicht als normale Fahrräder. Das stört 37,3 Prozent und ist somit der dritte Schmerzpunkt des E-Bikes.

cshow

Fazit

Begrüßenswert ist zuerst einmal, dass das Fahrrad als Gewinner aus der Krise hervorgeht. Denn der Tritt in die Pedale ist aus gesundheitlichen Gründen absolut zu empfehlen. Das die Tretunterstützung oder ein E-Bike dafür sorgt, längere Touren unternehmen zu können oder in der Freizeit abenteuerliche Fahrten durch die Berge zu unternehmen, finden wir ebenfalls begrüßenswert. Und so hoffen wir, dass der Siegeszug auch dann anhält, wenn wir zur Normalität zurückkehren. In Zukunft ist in Sachen E-Bike noch einiges zu erwarten. Das gilt für Design, Nachhaltigkeit und Diebstahlschutz.
Eine Vielzahl neuer E-Bikes findet ihr bei dem Herausgeber der Studie Fahrrad-XXL:

Titelbild: © Jürgen Polle (Pixabay) // Grafiken © Fahrrad XXL

Kai Bösel
Kai Bösel (Jg. 1971) lebt als Patchwork-Papa mit der Familie in Hamburg. Neben NOT TOO OLD betreibt er auch das Väter-Magazin Daddylicious. Außerdem ist er Experte für Influencer-Marketing. Bisher hat er bereits fünf eigene Unternehmen gegründet, schreibt für diverse Print- und Online-Magazine, tritt als Speaker und Moderator auf und betreibt zu diesem Magazin auch einen Podcast. Nach Feierabend entspannt er beim Laufen oder Golf.

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