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NTO Podcast #69 mit Commercial Model Oliver Koopmann

Geschäftsführer in der Logistik und Werbegesicht für Kampagnen – Oliver Koopmann lebt zwei Leben, die unterschiedlicher kaum sein können. Mit fast 50 stieg er ins Modelgeschäft ein, heute ist er bei 30 Agenturen unter Vertrag und reist für Shootings und Kampagnen durch die Welt. Im NOT TOO OLD Podcast erzählt er vom Start seiner zweiten Karriere, was Models an Skills tatsächlich benötigen und warum Falten sein größtes Kapital sind.

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Die meisten Menschen suchen mit Ende 40 den beruflichen sicheren Hafen. Oliver Koopmann hat das Gegenteil getan: Er reduzierte seinen Posten als Geschäftsführer in der Logistik, um mehr Zeit für seine zweite Karriere als Best Ager Model zu haben. Ein Risiko? Definitiv. Aber eines, das sich offenbar auszahlt. Heute, gut neun Jahre später, ist er bei 30 Agenturen unter Vertrag, reist quer durch Europa für Shootings und steht für Print- und TV-Kampagnen vor der Kamera.

Der Einstieg kam unverhofft. Seine Frau hatte einen Artikel über einen Best Ager gelesen, mit graumelierten Haare und Dreitagebart, der nebenberuflich als Model unterwegs war. „Willst du das nicht auch mal versuchen?“, fragte sie. Oliver lehnte ab. Ein halbes Jahr lang. „Ich hatte zwar ein gewisses Selbstbewusstsein, aber nicht so viel, dass ich dachte: Auf mich haben sie gewartet“, erzählt er im Podcast. Doch irgendwann sagte er sich: Versuch macht klug. Was folgte, war ein Kaltstart in eine Branche, mit der er bis dahin nichts zu tun hatte.

Von null auf dreißig Agenturen

Anders als viele Quereinsteiger ging Oliver strategisch vor. Er ließ professionelle Fotos machen, baute eine Website auf, kümmerte sich um Social Media. Heute ist er vom Business-Look über den „netten Nachbarn von nebenan“ bis zu Fashion- und Sport-Shootings vielseitig einsetzbar. Genau diese Wandelbarkeit ist seine Stärke. Doch der Weg dahin war kein Sprint. „Ich habe zwei Jahre gebraucht, um mich zu etablieren“, sagt Oliver. In dieser Zeit investierte er Zeit, Geld und jede Menge Geduld.

Im NOT TOO OLD Podcast spricht er offen über den Alltag als Model und räumt mit einigen Klischees auf. Ein Drehtag für einen Werbespot kann zwölf Stunden dauern, Pünktlichkeit und Disziplin sind Pflicht, und vor der Kamera zu agieren, will gelernt sein. „Man stellt sich ja nicht nur dahin, sondern man muss auch ein bisschen was können“, erklärt er. Schauspielerei, Körperbeherrschung, die Fähigkeit, auf Anweisungen zu reagieren, all das gehört dazu. Und: Man muss mit Absagen umgehen können. Denn die gehören zum Geschäft wie die Zusagen.

Falten als Kapital

Was Oliver von jüngeren Models unterscheidet? Seine Falten:

„Das Gute bei der Männermodel-Branche ab 50 ist, dass man sich da Falten gut erlauben kann“

…sagt er. „Dieses Markante, was mich auch auszeichnet – die Falten, die grauen Haare – das ist eigentlich das, weswegen ich gebucht werde.“ Tatsächlich sieht er sich heute attraktiver als vor 20 Jahren. „Ich sah aus wie ein Schluck Wasser in der Kurve“, sagt er über seine jüngeren Jahre. Die Reife, die er ab Mitte 40 entwickelte, macht ihn heute aus. Und sie verkauft sich.

Trotzdem: Das Altern beschäftigt ihn. Die 60, die bald anklopft, ist für ihn „schon eine große Nummer“. Er weiß, dass er im letzten Drittel seines Lebens angekommen ist. Vor zwei Monaten wurde er Opa. Doch er stellt sich der Aufgabe, sagt er. Und das zeigt sich auch in seinem Job. Denn während andere Best Ager Models vielleicht irgendwann aus dem Geschäft gedrängt werden, sieht Oliver seine Zukunft gelassen. „Man wird mit 60 anders gebucht als mit 50″, sagt er. Aber das heißt nicht schlechter, nur anders.

Social Media, Konkurrenz und KI

Ein großer Teil seiner Arbeit spielt sich heute in den sozialen Medien ab. Instagram, Facebook, die eigene Website, alles muss in Eigenregie gepflegt werden. Selbstvermarktung ist Pflicht. Doch die Oberflächlichkeit der Social-Media-Welt war für Oliver anfangs eine Herausforderung. „Da muss man auch erstmal mit klarkommen“, sagt er. Mittlerweile hat er gelernt, damit umzugehen. Aber er weiß auch: Die Konkurrenz ist gewachsen. „Die Jobs sind nicht mehr geworden, aber die Models sind mehr geworden.“

Und dann ist da noch die KI. Oliver hat sich intensiv damit beschäftigt, wie künstliche Intelligenz die Modelbranche verändert. Werden Models irgendwann überflüssig? Er sieht es differenziert: KI ist Werkzeug und Bedrohung zugleich. Doch am Ende, so glaubt er, wird der Mensch weiterhin gebraucht. Zumindest vorerst.

Ehrliche Bilanz

Würde er jemandem raten, mit 50 oder 60 noch als Model einzusteigen? Oliver zögert. „Theoretisch kann man es versuchen“, sagt er. Aber er fügt hinzu: „Es kann nicht jeder modeln.“ Glück gehört dazu, ein gewisses Äußeres, die Fähigkeit, vor der Kamera zu agieren und die Bereitschaft, etwa zwei Jahre für den Einstieg zu investieren, ohne Garantie auf Erfolg. „Man hat nichts zu verlieren außer Absagen“, sagt er. Aber man sollte selbstkritisch sein.

Am Ende zieht Oliver eine positive Bilanz. Er hat eine Facette an sich entdeckt, die er sich nie zugetraut hätte. Er lebt ein spannendes Doppelleben zwischen Logistik und Laufsteg. Und er weiß: Es war die richtige Entscheidung, diesen Sprung zu wagen. Auch wenn die 60 anklopft. Hört mal rein!

Links zu Oliver Koopmann

Website von Oliver Koopmannwww.oliverkoopmann-model.de
Oliver bei Instagram@oliver.k.official
Oliver bei Instagram@OliverKBestagerModel
Kai Bösel
Kai Bösel
Kai Bösel (Jg. 1971) lebt als Patchwork-Papa mit der Familie in Hamburg. Neben NOT TOO OLD betreibt er auch das Väter-Magazin Daddylicious. Außerdem ist er Experte für Influencer-Marketing. Bisher hat er bereits fünf eigene Unternehmen gegründet, schreibt für diverse Print- und Online-Magazine, tritt als Speaker und Moderator auf und betreibt zu diesem Magazin auch einen Podcast. Nach Feierabend entspannt er beim Laufen oder Golf.

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