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Freiheit ist Arbeit – Tobias lebt mit Frau und 4 Töchtern im LKW

Ein Beitrag von Tobias Heusinger von Waldegge

Wie man mit Ende 40 Arbeit, Familie und Selbstbestimmung noch einmal neu sortiert – und dabei ganz schön ins Schwitzen kommt

Wenn er früh morgens die Tür seines Zuhauses öffnet, um trainieren zu gehen, kann davor eine Atlantikküste liegen, ein Parkplatz am Rand einer Kleinstadt oder irgendein Stück Landschaft, das am Vorabend noch nicht Teil des Plans war.

Ganz sicher ist nur: Sein Zuhause hat Räder.

Seit 2022 lebt und arbeitet Tobias mit seiner Familie in einem selbst ausgebauten historischen LKW und ist damit in Europa unterwegs. Sechs Menschen, vier Töchter, ein mobiles Zuhause, Büro und zeitweise auch Studio.

Das klingt nach Freiheit und Abenteuer. Auf vielen Bildern sieht es auch ziemlich genau so aus. Was man dort sieht, sind allerdings Momentaufnahmen.

Was auf Bildern seltener zu sehen ist: leere Wassertanks, technische Probleme, Stellplatzsuche, schlechter Empfang oder die Frage, wohin ein Paket geschickt werden soll, wenn die eigene Adresse regelmäßig den Standort wechselt.

„Freiheit“, sagt Tobias, „ist erstaunlich wartungsintensiv.“

Er sagt das nicht frustriert. Eher amüsiert – mittlerweile. Denn genau darin liegt für ihn inzwischen ein wesentlicher Teil dieser Lebensform.

Kein Ausstieg

Wer mit seiner Familie in einen LKW zieht und durch Europa fährt, bekommt schnell ein Etikett verpasst: Aussteiger.

Der vierfache Vater mag das Wort nicht besonders. Nicht, weil er sich gegen die Idee eines anderen Lebens wehrt, sondern weil es seine Geschichte zu einfach macht. Schublade auf, Tobias hinein, Schublade zu.

Dabei ist gerade das Gegenteil interessant.

Es gab keine dramatische Kündigung, keinen Zusammenbruch und keinen Montagnachmittag, an dem er beschloss, nie wieder ein Büro zu betreten.

Beruflich war er angekommen. Nach mehr als 20 Jahren in Kommunikation, Medien, Digitalisierung, Strategie und Geschäftsentwicklung folgte er seinem damaligen Chef in die Geschäftsführung. Er trug Verantwortung für rund 130 Mitarbeiter und hatte keineswegs das Gefühl, am falschen Platz zu sein.

Er war erfolgreich – und fühlte sich wirksam in seiner Rolle.

Gerade deshalb ist das Wort „Ausstieg“ falsch.

„Ich bin nicht ausgestiegen“, sagt er. „Ich habe neu sortiert.“

Das klingt zunächst nach einem sprachlichen Unterschied. Für den ehemaligen Agenturleiter ist es ein ziemlich grundsätzlicher.

Irgendwann wurde eine andere Frage wichtiger als der nächste Karriereschritt: Wie möchte ich eigentlich leben – nicht nur arbeiten?

Denn das erfolgreiche Berufsleben hatte auch eine Kehrseite: viel unterwegs, wenig Alltag mit der Familie, gemeinsame Zeit, oft konzentriert auf Wochenenden. Der klassische Plot einer Karriere, die nach außen funktioniert und innen irgendwann eine Rechnung aufmacht.

Dazu kam eine zweite Frage: Was möchte ich meinen Kindern darüber vorleben?

Vier Töchter verändern die Perspektive. Wer Kindern regelmäßig erzählt, sie sollten ihren eigenen Weg finden, gerät irgendwann in die unangenehme Situation, sich fragen zu müssen, wie konsequent man selbst diesen Satz eigentlich lebt.

Nicht jeder eigene Weg muss durch Europa führen. Aber möglicherweise sollte er wenigstens selbst gewählt sein.

Ein LKW als Realitätscheck

Der historische LKW war deshalb weniger Fluchtfahrzeug als Experiment.

Wie viel vom eigenen Leben lässt sich tatsächlich eigenständig organisieren? Und was passiert, wenn Dinge, die im normalen Alltag unsichtbar geworden sind, plötzlich wieder sichtbar werden?

Wasser zum Beispiel. Strom. Wärme. Abwasser. Internet. Und manchmal etwas so Grundsätzliches wie ein Platz, an dem man willkommen ist.

In einem festen Zuhause laufen all diese Dinge selbstverständlich im Hintergrund. Im LKW werden sie zu Aufgaben.

Wasser fließt nur, wenn vorher jemand dafür gesorgt hat, dass welches im Tank ist. Strom steht nur zur Verfügung, wenn Energie erzeugt, gespeichert und sinnvoll verbraucht wird.

Nichts davon ist philosophisch gemeint. Es wird allerdings erstaunlich schnell philosophisch.

Denn wer sich ständig mit den Voraussetzungen des eigenen Alltags beschäftigen muss, beginnt irgendwann auch andere Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen.

„Im normalen Leben sind unglaublich viele Dinge so gut organisiert, dass man vergisst, dass sie überhaupt organisiert werden“, sagt Tobias.

Im LKW lässt sich das schwer vergessen. Man muss sich kümmern. Das kann anstrengend sein.

Es verändert aber auch die Beziehung zu den Dingen – und zur eigenen Selbstwirksamkeit.

Manchmal bleibt man einfach

Eine der angenehmeren Seiten dieses Lebens zeigt sich an Orten, die vorher überhaupt nicht auf der Liste standen.

Roullet-Saint-Estèphe, ein kleines französisches Dorf bei Angoulême, war so ein Ort. Die Familie wollte dort eine Nacht bleiben. Daraus wurden zwei Wochen.

Ein Flüsschen, Teiche, grüne Wiesen, wenig Lärm. Ein Ort, der eher verschlafen als spektakulär ist und gerade deshalb hängen bleibt.

Inzwischen ist die Familie mehrfach zurückgekehrt.

Sie kennt Anne, die das Café im Ort betreibt. Toni, den Friseur, der die Familie später mit seiner eigenen Familie besucht hat. Und die örtlichen Polizisten, die irgendwann mit Käse aus einer Manufaktur in der Umgebung vorbeikamen.

So entstehen unterwegs Dinge, die sich schlecht planen lassen: Bekanntschaften. Vertrautheit. Ein kleines Gefühl von Zuhause an einem Ort, an dem man ursprünglich nur übernachten wollte.

Vielleicht ist das ohnehin eine der Überraschungen des mobilen Lebens: Man bewegt sich – und lernt dabei manchmal erst, länger zu bleiben.

Freiheit hat Betriebskosten

Dann gibt es die andere Seite.

Irgendwo an der spanischen Mittelmeerküste verliert der LKW Öl. 22 Tonnen Fahrzeuggewicht haben den Nachteil, dass man nicht einfach einen Abschleppdienst ruft und sich zwei Stunden später um nichts mehr kümmern muss.

Um an den Motor zu kommen, muss der Alkoven geöffnet werden. Eine Regenfront zieht auf. Mit Mühe, Improvisation und den letzten Ölreserven schafft es der LKW noch bis in eine Werkstatt.

Hotel suchen. Warten. Dann kommt das Unwetter.

Straßen werden unterspült, das Gebiet großräumig gesperrt. Die Reparatur verzögert sich. Lastwagen werden vom Sturm umgeworfen.

Die Familie ist mittendrin und am Ende vor allem froh, heil aus der Situation herauszukommen. Solche Tage tauchen auf typischen Reisefotos eher selten auf.

Ebenso wie ein platter Reifen in Dänemark.

An einer Museumsstätte muss zunächst eine spezielle Adapterplatte aus einem Stück Aluminium angefertigt werden, um das Rad überhaupt wieder dicht zu bekommen. Danach wird der Reifen mitten auf dem Parkplatz, zwischen Museumsbesuchern, wieder auf die Felge gesprengt – mit Feuer, einer ziemlich rustikalen Methode und der Hilfe von Menschen, die da sind, sich auskennen oder einfach helfen und anpacken.

Ein Reifen mit Felge wiegt immerhin rund 200 Kilogramm.

Mittlerweile kennt sich die Familie damit aus. Nicht, weil das irgendwann der Plan gewesen wäre. Sondern weil Fähigkeiten häufig dort entstehen, wo Wegdelegieren keine unmittelbare Option ist.

„Man wächst da hinein“, sagt der inzwischen ziemlich unfreiwillig geschulte LKW-Schrauber. „Und irgendwann stellt man fest, dass man Dinge kann, bei denen man sich früher gefragt hätte, wen man dafür anrufen muss.“

Ein solches Leben braucht Planung, Rücklagen, technische Lösungen und die Bereitschaft, Dinge selbst zu regeln, die früher jemand anderes geregelt hat. Und vermutlich zwei weitere Zutaten: Mut. Und eine gesunde Portion Naivität.

„Freiheit ist nicht kostenlos“, sagt er. Dann hält er kurz inne. „Aber das Gegenteil eben auch nicht.“

Denn natürlich kostet auch ein konventionelles Leben. Nicht nur Geld. Ein Haus bindet. Ein bestimmtes Einkommen kann binden. Eine Karriere kann binden. Besitz kann Freiheit ermöglichen und gleichzeitig Entscheidungen erschweren.

Für Tobias hat sich deshalb die Frage verändert. Es geht ihm nicht darum, um alles in der Welt unabhängig zu sein. Das hält er ohnehin für eine Illusion. Es geht darum, Abhängigkeiten bewusster zu wählen.

Sechs Menschen sind kein Minimalismusprojekt

Wer bei „Leben im Fahrzeug“ an einen Van, eine Yogamatte und zwei Emailletassen denkt, liegt hier ohnehin falsch. Sechs Menschen verändern die Gleichung. Sehr.

Minimalismus klingt gut, solange niemand vier Töchter hat.

Ein Familienleben unterwegs verlangt Kompromisse, Rücksicht und eine gewisse Toleranz gegenüber Nähe. Und es wirft eine Frage auf, die ziemlich schnell kommt: Was ist eigentlich mit Schule?

Die Antwort darauf ist weniger spektakulär, als manche vermuten – und gleichzeitig grundsätzlicher.

Gelernt wird. Mit Lernmaterial, das die Familie dabei hat. Aber ebenso unterwegs. Geschichte in einer alten Kathedrale oder im Museum. Biologie an einem Flussbiotop. Sprache im Gespräch mit Menschen. Schmökern in der Bücherhalle. Mathematik beim Kniffeln, Planen oder Rechnen im Alltag.

Das Leben selbst wird zum Lernort. Und manchmal werden Menschen zu Lehrern, die davon vorher nichts wussten. Eine ältere Frau auf einem Platz zeigt den Töchter das Häkeln. Spanische Fischer zeigen, wie man einen Fisch ausnimmt.

„Ein Dorf erzieht ein Kind“ ist ein Satz, der plötzlich weniger nach Sprichwort klingt.

Natürlich hat auch das seinen Preis. Diese Form des Lernens organisiert sich nicht von allein. Sie braucht Aufmerksamkeit, Zeit und Energie.

Selbstwirksamkeit klingt gut. Aber sie muss getragen werden. Das gilt für Kinder genauso wie für Erwachsene.

Der LKW mag mobil sein. Das Familienleben bleibt Familienleben. Und sechs unterschiedliche Vorstellungen davon, was ein guter Tag ist, verschwinden auch nicht nur deshalb, weil die Aussicht schöner geworden ist.

Die Sehnsucht nach dem Keller

Vielleicht ist gerade das einer der Gründe, warum der Familienvater wenig Interesse daran hat, seinen Perspektivwechsel als große Freiheitsgeschichte zu verkaufen.

Dafür ist er zu real.

Es gibt Tage, an denen alles aufgeht. Und andere, an denen er sich nach Dingen sehnt, die mit dem großen Versprechen mobiler Freiheit erstaunlich wenig zu tun haben.

Einem Keller mit Werkstatt. Einer Dartscheibe an er Wand. Einem Flipperautomaten. Seinem Oldtimer. Oder einfach einer festen Adresse.

Besonders dann, wenn ein Paket zu Weihnachten kommt.

„Ein Paket zu empfangen kann plötzlich zu einer kleinen logistischen Operation werden“, sagt er. „Das relativiert manches Freiheitsgefühl ziemlich zuverlässig.“

Noch einmal Anfänger

Parallel zu diesem Leben hat der in Wirtschaft, Medien und Politik ausgebildete Unternehmer auch beruflich neu angefangen.

Heute baut er bitcoinimpuls auf, eine Bildungsplattform rund um Bitcoin.

Wer dabei an einen entspannten Wechsel in die Rolle des Experten denkt, unterschätzt allerdings die Wirklichkeit eines kleinen Unternehmens. Der Gründer nennt es selbst ein One-Man-Startup.

Produktentwicklung, Inhalte, Technik, Marketing, Vertrieb, Kundenarbeit – am Ende landet alles bei derselben Person. Nach mehr als 20 Jahren Berufserfahrung wieder Anfänger zu sein, empfindet er nicht als Rückschritt.

Eher als Korrektiv. Und die eigene Komfortzone betrachtet er inzwischen skeptisch.

„Erfahrung hilft enorm“, sagt er. „Aber sie schützt einen nicht davor, an irgendeiner simplen technischen Einstellung eine Stunde zu verlieren.“

Es ist vermutlich eine der weniger glamourösen Seiten eines beruflichen Neuanfangs. Aber auch eine interessante. Erfahrung verändert sich, sobald sie nicht mehr nur innerhalb bekannter Strukturen eingesetzt wird.

Plötzlich reicht es nicht mehr, etwas gut zu können. Man muss auch herausfinden, was man noch nicht kann – aber braucht.

Der langjährige Kommunikations- und Digitalstratege sieht genau darin eine Chance zu wachsen – und vielleicht auch eine Voraussetzung dafür, in der zweiten Lebenshälfte geistig beweglich und lebendig zu bleiben.

Vielleicht beginnt berufliche Trägheit nicht dann, wenn Menschen nichts mehr lernen können. Sondern wenn sie zu gut darin geworden sind, nur noch das zu tun, was sie bereits beherrschen.

Wie Bitcoin in diese Geschichte geriet

Dass der Gründer heute ausgerechnet über Bitcoin lehrt, ist weniger zufällig, als es zunächst scheint.

Der Weg dorthin begann nicht mit der Frage, welchen Preis Bitcoin irgendwann erreichen könnte. Er begann mit unbequemeren Fragen.

Was ist Geld? Warum akzeptieren wir es? Was bedeutet Eigentum in einer zunehmend digitalen Welt? Und wem vertrauen wir dabei welche Kontrolle an?

Es sind vor allem diese Fragen, die ihn interessieren – nicht Kursprognosen.

„Bitcoin ist für mich interessant, weil das System Menschen tatsächlich mehr Kontrolle geben kann“, sagt er tiefblickend. „Aber genau diese Kontrolle verlangt ihnen auch etwas ab.“

Im Kern ist es dieselbe Frage, die sein Leben unterwegs längst aufgeworfen hatte: Was möchte ich selbst verantworten – und was gebe ich an andere ab?

Wer Bitcoin selbst verwahrt, kann darüber verfügen, ohne dass eine Bank den Zugriff freigeben muss. Das ist die eine Seite. Die andere: Für die eigenen Schlüssel – und damit für den eigenen Zugang – ist tatsächlich niemand anderes verantwortlich. Keine Hotline, kein Kundensupport. Man muss wissen, was man tut. Gerade wenn es um das eigene Ersparte geht.

Freiheit und Verantwortung kommen hier im selben Paket. Auch deshalb sieht der bitcoinimpuls-Gründer Bitcoin weniger als fertige Antwort denn als Prüfstein. Ein System, das Aufgaben von Institutionen auf den Einzelnen zurückverlagert, zwingt dazu, über Verantwortung nachzudenken.

Das passt erstaunlich gut zu einem Mann, der morgens selbst kontrolliert, wie viel Wasser noch im Tank ist.

Selbstbestimmung ist nicht dasselbe wie alles selbst machen

Wer ihm eine Weile zuhört, könnte den Eindruck bekommen, er wolle möglichst alles eigenständig regeln. Das wäre falsch. Er hält vollständige Autarkie weder für realistisch noch für besonders erstrebenswert.

Er repariert nicht alles selbst. Er baut keine eigene Mobilfunkinfrastruktur. Und medizinischen Rat holt er weiterhin von Menschen ein, die dafür ausgebildet wurden. Entscheidend ist für ihn etwas anderes.

„Ich möchte wissen, wann ich Verantwortung abgebe und warum.“

Das ist ein kleiner Unterschied. Und möglicherweise ein ziemlich wichtiger. Selbstbestimmung bedeutet dann nicht, alles allein zu machen. Sondern Entscheidungen nicht vollständig aus der Hand zu geben.

Das betrifft Arbeit. Geld. Technologie. Und letztlich auch die Art, wie jemand leben möchte.

Mit 25 klingt Freiheit anders

Vielleicht verändert sich die Vorstellung von Freiheit ohnehin mit dem Alter.

Mit 25 bedeutet sie oft, möglichst viele Optionen zu haben. Später wird wichtiger, welche davon überhaupt noch relevant sind. Tobias formuliert es so:

„Früher hätte ich wahrscheinlich gesagt, Freiheit bedeutet, möglichst viele Türen offen zu haben. Heute interessiert mich stärker, wer die Türen gebaut hat, wer den Schlüssel besitzt und ob ich überhaupt hindurchgehen möchte.“

Das ist vermutlich eine ziemlich typische Erkenntnis der zweiten Lebenshälfte. Nicht alles, was möglich ist, muss getan werden. Nicht jede Karriere braucht die nächste Stufe. Nicht jedes Vermögen braucht mehr Rendite. Nicht jede Technologie mehr Komfort. Irgendwann werden andere Fragen interessanter.

Was ist genug? Welche Zeit möchte ich wofür einsetzen? Und welche Entscheidungen möchte ich nicht irgendwann mit dem Satz erklären müssen: Das hat sich eben so ergeben.

Vielleicht kein Lebensmodell zum Nachbauen

Der vierfache Vater empfiehlt übrigens niemandem, seine Familie einfach in einen LKW zu setzen und loszufahren. „Wir sind glücklich, wachsen zusammen und miteinander. Aber auch das kommt nicht ohne Commitment. Sechs Menschen, davon vier Heranwachsende, auf engstem Raum ist kein Spaziergang unter Palmen, sondern Arbeit an sich selbst von jedem Einzelnen”, sagt er. Die Medaille hat stets zwei Seiten.

Auch darin liegt etwas Sympathisches an seiner Geschichte.

Sie will kein Rezept sein. Die Pointe lautet nicht: Alle sollten anders leben. Sondern eher: Man darf das eigene Leben auch nach vielen Jahren noch einmal überprüfen.

Ohne das Vorherige abzuwerten. Ohne Krise. Ohne radikalen Bruch. Und ohne zu wissen, wie die nächsten zehn Jahre aussehen.

Vielleicht bleibt die Familie noch lange unterwegs. Vielleicht verändert sich das Modell irgendwann. Mit vier heranwachsenden Töchtern dürfte ohnehin niemand ernsthaft annehmen, dass ein Lebensplan auf Dauer unverändert bleibt.

Damit scheint Tobias inzwischen ziemlich entspannt umzugehen. Er möchte nicht wissen, wie sein Leben in zehn Jahren exakt aussieht.

Etwas anderes ist ihm wichtiger: Nicht irgendwann festzustellen, dass zehn Jahre vergangen sind, ohne dass er sich diese Frage überhaupt noch gestellt hat.

Vielleicht ist das am Ende die interessantere Form von Freiheit: nicht jederzeit gehen zu können, sondern gelegentlich innezuhalten und zu prüfen, ob man noch dort sein möchte, wo man gerade steht.

Auch dann, wenn das Zuhause Räder hat.


Über Tobias Heusinger von Waldegge

Tobias Heusinger von Waldegge arbeitet seit mehr als 20 Jahren an der Schnittstelle von Kommunikation, Digitalisierung, Strategie und Unternehmertum. Seit 2022 lebt und arbeitet der vierfache Vater mit seiner Familie in einem selbst ausgebauten historischen LKW – unterwegs auf Europas Straßen. Mit bitcoinimpuls baut er eine deutschsprachige Bildungsplattform auf, die Menschen dabei unterstützt, Bitcoin, Geld und digitales Eigentum zu verstehen, eigenständig einzuordnen und selbstbestimmt zu urteilen.

Alle Fotos © Tobias Heusinger von Waldegge

Hier findet ihr weitere besondere Typen und ihre Geschichten.

Kai Bösel
Kai Bösel
Kai Bösel (Jg. 1971) lebt als Patchwork-Papa mit der Familie in Hamburg. Neben NOT TOO OLD betreibt er auch das Väter-Magazin Daddylicious. Außerdem ist er Experte für Influencer-Marketing. Bisher hat er bereits fünf eigene Unternehmen gegründet, schreibt für diverse Print- und Online-Magazine, tritt als Speaker und Moderator auf und betreibt zu diesem Magazin auch einen Podcast. Nach Feierabend entspannt er im Home Gym oder beim Golf.

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