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„Ein Sommer in Italien“ im Kino – Tore! Titel! Tränen! Die WM 1990 ist zurück

Es gab da diesen Sommer vor 36 Jahren, der hat sich kollektiv ins Gehirn gebrannt wie der Elfmeter von Andy Brehme ins linke untere Eck. Der Sommer 1990 war besonders, aus vielerlei Gründen. Wer ihn und die Fußball-WM in Italien damals miterlebt hat, vielleicht so wie ich gerade volljährig, mit dem Fernseher und vielen Freunden auf der Terrasse beim Grillnachmittag, der weiß: Das war kein normales Fußballturnier. Das war ein Lebensgefühl. Bella Italia eben.

Und jetzt, 36 Jahre später, gibt es dieses Lebensgefühl als 93-minütigen Kinofilm. „Ein Sommer in Italien – WM 1990″ startet am 19. März in den deutschen Kinos. Und wir sagen euch vorab: Zieht euch die Stutzen hoch, denn das ist Nostalgie, großer Sport und Gänsehaut.

Kamerakinder Sepp und Bodo

Die Regisseurinnen Vanessa Goll und Nadja Kölling haben sich für diesen Dokumentarfilm zur WM 1990 tief ins Archiv gegraben und dabei echte Schätze gehoben. Torwarttrainer und Hobbyfilmer Sepp Maier hatte offenbar immer eine Kamera dabei und auch Bodo Illgner hat mit der Videokamera draufgehalten. Das Material aus Kabine, Unterkunft und Mannschaftsbus zeigt eine Seite des Turniers, die wir damals nicht zu sehen bekamen. Dazu kommen Raritäten aus dem FIFA-Archiv und viele private Bilder der Spieler selbst. Somit ist das kein Rückblick mit verstaubten Archivaufnahmen und Moderatorenstimme aus dem Off, sondern echtes Kino, nah dran, authentisch und voller Emotionen.

Spieler erinnern sich

Die Geschichte zur WM wird von den Spielern selbst erzählt. Matthäus, Klinsmann, Völler, Illgner, Littbarski, Buchwald, Häßler und viele andere berichten heute über das, was damals auf und neben dem Platz passiert ist. Und man merkt: Die haben das alles noch auf der Festplatte, eingebrannt und abgespeichert. Als wäre es gestern gewesen. Auch weil sie wissen, das sich Fußballer mit einem WM-Sieg einen Titel für den Rest ihres Lebens umhängen.

Fünf Deutsche, die beste Liga, Heimspiele

Italien 1990, das war nicht irgendeine WM. Das war das Turnier der Turniere, gespielt in den Stadien der damals stärksten Liga der Welt, mit den größten Stars des Planeten. Maradona bei Napoli, Van Basten bei Milan, die „Serie A“ war das Champions-League-Feeling schon vor der Champions League. Und mittendrin spielten mit Brehme, Matthäus Völler, Berthold und Klinsmann gleich fünf Deutsche in der Spitze dieser Liga. Kein Wunder, dass sich ihre Auftritte in gewisser Weise nach Heimspiel anfühlte.

Ost und West feiern zusammen

Dazu kam der historische Kontext, der in dem Film ebenfalls seinen Platz bekommt: Es war die erste WM nach dem Mauerfall, wenige Monate vor der offiziellen Wiedervereinigung. In den Jubel der Millionen mischte sich ein neues, gesamtdeutsches Wir-Gefühl. Menschen aus Ost und West feierten gemeinsam. Somit war es mehr als Fußball, sondern auch ein Symbol.

Der Kaiser und der Druck

Der Druck auf diese Mannschaft war enorm. Zwei Finalniederlagen in den letzten beiden WM-Turnieren – 1982 gegen Italien, 1986 gegen Argentinien – lagen wie ein Fluch über dem Kader. Aber Kaiser Franz Beckenbauer, selbst einer der größten Fußballer, die dieses Land je hervorgebracht hat, hatte die richtige Mischung gefunden: Er war Papa und Stratege zugleich, mit der Magie seines legendären Turmzimmers und einem Führungsstil, bei dem er mal die Leine lang ließ und mal genau die richtigen, lauten Worte fand. Unter ihm wurde auch eingeführt, dass die Spieler bei der Nationalhymne mitsingen. Eine tolle und wichtige Tradition, die bis heute bei vielen Nationalmannschaften unterschiedlichster Sportarten gilt.

Idole auf der Wolke

Der Film porträtiert Beckenbauer so, wie wir ihn in Erinnerung haben: charismatisch, entspannt, mit dem Blick des Mannes, der genau weiß, wohin die Reise geht. Und ja, es tut ein bisschen weh, ihn auf der Leinwand zu sehen. Denn der Kaiser ist nicht mehr unter uns. Ebenso wie Andy Brehme, dessen Elfmeter in der 85. Minute des Finals das Tor zum dritten Weltmeistertitel aufgestoßen hat und der 2024 viel zu früh gestorben ist. Seine Mitspieler sprechen darüber im Film mit echtem Schmerz. Und das geht nah, denn Andy Brehme war nicht irgendein Spieler, sondern einer von ihnen und eben auch ähnlich alt. Man merkt: Der Tod von Kollegen, die zur gleichen Generation gehören, trifft anders.

Spucke, Zittern und viele Elfmeter

Sportlich hat dieser Film alles, was das Herz begehrt. Die Niederlande im Achtelfinale mit der berühmten doppelten Spuckszene von Frank Rijkaard in die Locken von Rudi Völler. Beide, Rijkaard und Völler, flogen mit Rot vom Platz. Und dann lieferte Jürgen Klinsmann sein Jahrhundertspiel ab und schoss das entscheidende Tor. Der Rest ist Geschichte oder besser: Kino.

Unvergessen auch das Halbfinale gegen England mit dem dramatischen Elfmeterschießen. Der Film beleuchtet, wie es zu den fünf Schützen kam und das ist tatsächlich eine ziemlich unterhaltsame Story. Lothar Matthäus trug neue und zu große Schuhe und wollte daher nicht antreten. Aber Kalle Riedle nahm sich ein Herz und versenkte die Pille. Wer damals mit zitternden Knien vor dem Fernseher saß, erlebt das noch einmal, Herzklopfen inklusive.

Und dann wäre da noch Guido Buchwald im Finale gegen Argentinien. Komplett vergessen, wie unfassbar gut der Mann Maradona neutralisiert hat. Der beste Spieler der Welt, und Buchwald hat ihn schlicht unsichtbar gemacht. Der Film erinnert an solche WM-Details, die im kollektiven Rausch der Meisterfeier untergegangen sind.

Kleine Randnotiz: Einige wichtige Akteure wie Jürgen Kohler oder Thomas Berthold kommen im Film nicht vor. Wer sich an den hammerharten Ausputzer Kohler erinnert, der damals jeden Angreifer schon im Anlauf demontiert hat, der vermisst ihn ein bisschen. Aber 93 Minuten sind 93 Minuten und was gezeigt wird, ist dicht, packend und liebevoll zusammengestellt.

Der Sommer 1990 gehört ins Kino

Für wen ist dieser Film? Für Kinder der 70er und 80er, die diesen Sommer in der Seele tragen. Für Fußball-Enthusiasten, die wissen, dass Mannschaftssport immer mehr ist als elf Leute und ein Ball. Für Nostalgiker, die keine Angst vor Gänsehaut haben. Für alle, die den „Geist von Malente“ nicht für den Titel eines Horrorfilms halten. Und für jeden, der schon mal hupend durch seine Heimatstadt gefahren ist, weil Deutschland Weltmeister wurde.

Die heutigen Kids haben Instagram und TikTok, um ihren Fußballhelden näherzukommen. Wir hatten das Glück, diese Männer an den Röhrenfernsehern zu erleben. Ohne Zeitverschiebung, ohne Störgeräusche, nur mit dem puren Rausch eines Sommers, der uns alle zusammengebracht hat. Und jetzt dürfen wir das nochmal. Im Kino. Mit großer Leinwand und echten Emotionen.

Guckt euch das gern mal an. Forza!

Hier ein kleiner Vorgeschmack:

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Mehr Informationen

Ein Sommer in Italien – WM 1990“ läuft ab 19. März im Kino. Laufzeit: 93 Minuten. Regie: Vanessa Goll & Nadja Kölling. Zu sehen sind u.a. Matthäus, Klinsmann, Völler, Illgner, Littbarski, Buchwald, Häßler, Brehme.

Kai Bösel
Kai Bösel
Kai Bösel (Jg. 1971) lebt als Patchwork-Papa mit der Familie in Hamburg. Neben NOT TOO OLD betreibt er auch das Väter-Magazin Daddylicious. Außerdem ist er Experte für Influencer-Marketing. Bisher hat er bereits fünf eigene Unternehmen gegründet, schreibt für diverse Print- und Online-Magazine, tritt als Speaker und Moderator auf und betreibt zu diesem Magazin auch einen Podcast. Nach Feierabend entspannt er beim Laufen oder Golf.

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