Die Kinder sind aus dem Haus, der Job erlaubt mobiles Arbeiten oder der Ruhestand bietet endlich die ersehnte Freiheit und plötzlich wächst die Sehnsucht: raus aus dem Alltag, rein ins Abenteuer. Ein bisschen Spontaneität, ein Lagerfeuer am See, die Sterne über dem Dach und der Weg als Ziel. Kein Wunder, dass gerade Männer zwischen 45 und 65 zunehmend Gefallen am Vanlife finden. Denn das mobile Leben auf vier Rädern bietet genau die Mischung, nach der viele in der zweiten Lebenshälfte suchen: Freiheit mit Komfort, Bewegung mit Sinn, Rückzug mit Ausblick.
Was früher als Aussteigerromantik belächelt wurde, ist heute technisch ausgereift, versicherungstechnisch gut absicherbar und in der Praxis oft erstaunlich komfortabel. In Folge 15 unseres NOT TOO OLD Podcasts hat Journalist und Vanlife-Enthusiast Gerd Blank eindrucksvoll geschildert, wie erfüllend – und auch herausfordernd – das Leben im Camper sein kann. Wer sich vorbereitet, reist entspannter. Und wer bereit ist, sich auf das Abenteuer einzulassen, wird nicht nur neue Orte entdecken, sondern oft auch ein neues Stück von sich selbst.

Freiheit auf Abruf – der Vanlife-Boom in Zahlen
Laut einer Umfrage der Tankstellenkette HEM haben sich schon 38 Prozent der Befragten den Traum vom mobilen Leben erfüllt. Fast jeder Zweite träumt vom „Vanlife“, also dem Reisen oder Leben im Van, Wohnmobil oder ausgebauten Transporter. Über eine Million Wohnmobile sind mittlerweile auf deutschen Straßen zugelassen – doppelt so viele wie noch vor acht Jahren. Und dabei geht es nicht mehr nur um Urlaube. Für viele ist der Camper Rückzugsort, Frühstücksplatz, Musikecke und Wohnzimmer in einem, quasi ein zweites Zuhause auf Rädern.
Spannend ist dabei nicht nur die steigende Zahl der Fahrzeuge, sondern vor allem das veränderte Mindset: Wer früher Camping mit Klappstuhl und Vorzelt assoziierte, denkt heute an Flexibilität, Minimalismus, Entschleunigung und einen Kaffee mit Seeblick statt Pendelverkehr im Stau.
Warum Vanlife besonders gut zu Männern ab 50 passt
Für viele Männer beginnt mit Mitte Fünfzig eine neue Phase. Die Kinder sind selbstständig, das Berufsleben ist eingespielt oder endet in absehbarer Zeit, und zum ersten Mal seit Jahren entstehen Räume für persönliche Wünsche. Genau hier setzt Vanlife an, als Reiseform, als Lebenskonzept oder als Experiment.
Das Leben im Van ist eine Einladung zum Umdenken. Es bietet Abenteuer, ohne extrem zu sein. Es schafft Struktur, etwa durch tägliches Fahren, Kochen, Planen, aber ohne starre Verpflichtungen. Und es gibt viel Raum für Technik, Handwerk und Individualismus. Wer gern schraubt oder tüftelt, kann sich beim Ausbau verwirklichen. Wer lieber sofort losfahren will, findet heute Wohnmobile, die kaum Wünsche offenlassen.
Nicht zuletzt ist Vanlife eine Gelegenheit zum Alleinsein. Aber nicht im Sinne von Einsamkeit, sondern als bewusste Pause von Terminen, Erwartungen und Dauerverfügbarkeit. Viele Männer berichten, dass sie im Camper zum ersten Mal seit Jahren wieder das Gefühl hatten, selbst zu entscheiden, was sie mit ihrer Zeit anfangen wollen.

Wohnmobil, Campervan oder Selbstausbau?
Am Anfang steht die Wahl des passenden Fahrzeugs. Und die ist alles andere als trivial. Wer ein Wohnmobil kauft, bekommt meist ein Komplettpaket mit Küche, Bett, Bad und Stauraum. Ein Campervan ist oft kompakter und dadurch alltagstauglicher, aber weniger luxuriös. Und wer sich für einen Selbstausbau entscheidet, beginnt ein Projekt, das viel Planung, Zeit und auch Geduld erfordert.
Bei selbst ausgebauten Fahrzeugen gelten bestimmte Zulassungsanforderungen: Es braucht eine Sitzgelegenheit mit Tisch, eine Schlafmöglichkeit, eine Kochgelegenheit, Stauraum und eine sichere Lüftung. Dabei dürfen etwa Schranktüren während der Fahrt nicht aufspringen. Ohne ein entsprechendes Gutachten durch den TÜV oder DEKRA ist eine Zulassung als Wohnmobil nicht möglich und ohne diese Zulassung ist der Versicherungsschutz gefährdet. Das TÜV-Merkblatt 740 gibt hier einen guten Überblick über die Anforderungen.
Zwischen Freiheit und Gesetz – wo darf man eigentlich übernachten?
Die Vorstellung, einfach irgendwo zu parken, die Türen zu öffnen und die Nacht unter dem Sternenhimmel zu verbringen, gehört für viele zur Faszination Vanlife dazu. In der Praxis ist das aber nicht ganz so einfach. In Deutschland ist das Übernachten im Fahrzeug zur Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit zwar für eine Nacht erlaubt, allerdings ohne Campingverhalten. Markisen, Tische, Stühle oder Grillen vor dem Van sind tabu. Wer auf Nummer sicher gehen will, steuert offizielle Stellplätze oder Campingplätze an. Erstere sind meist günstiger und für kurze Aufenthalte gedacht, während Campingplätze mehr Komfort bieten und auch längere Aufenthalte ermöglichen.
Hilfreich sind Apps wie „Park4Night“ oder „StayFree“, die freie Stellplätze anzeigen, oft inklusive Nutzerbewertungen, Ausstattungshinweisen und GPS-Koordinaten.

Gut abgesichert unterwegs – Expertenrat von der ERGO
Ein Abenteuer auf Rädern ist nur dann wirklich entspannend, wenn die Risiken im Griff sind. Darauf weist auch die ERGO in einem umfangreichen Ratgeberbeitrag hin. In einer aktuellen Veröffentlichung erklärt Peter Schnitzler, Kfz-Experte der ERGO, worauf es bei der Absicherung eines Campers ankommt. Neben der obligatorischen Kfz-Haftpflicht empfiehlt er je nach Fahrzeugwert auch eine Teil- oder Vollkaskoversicherung. Wichtig sei zudem, dass das persönliche Inventar – von Elektronik bis Küchengeräten – gesondert abgesichert wird. Hier bietet sich eine spezielle Inhaltsversicherung für Camper an, die bei Einbruchdiebstahl oder Schäden greift.
Auch die Juristin Sabine Brandl von der ERGO Rechtsschutz Leistungs-GmbH mahnt zur gründlichen Vorbereitung: Gerade beim Selbstausbau eines Fahrzeugs müsse man die Anforderungen an die Wohnmobil-Zulassung kennen, von Sicherheitslüftung bis zu verschließbaren Schränken. Und wer beim Übernachten außerhalb offizieller Stellplätze auf Nummer sicher gehen möchte, sollte sich mit den geltenden Regeln genau vertraut machen.
Fazit der Experten: Freiheit auf vier Rädern ist kein Freifahrtschein. Wer sich gut informiert und absichert, reist nicht nur entspannter, sondern erlebt das Vanlife auch mit einem echten Gefühl von Sicherheit.
Komfort ist keine Frage des Alters, sondern der Ausstattung
Wer denkt, Vanlife sei gleichbedeutend mit Verzicht, wird spätestens nach der ersten Nacht im eigenen Camper eines Besseren belehrt. Eine bequeme Matratze, eine kleine Kühlbox oder sogar ein fest verbauter Kühlschrank, eine portable Toilette oder eine Solardusche machen das mobile Leben erstaunlich komfortabel. Viele setzen auf Stromanschlüsse oder Solarpanels auf dem Dach, um auch autark über längere Zeit unterwegs sein zu können. Im Winter sorgt eine Dieselstandheizung für angenehme Temperaturen und im Sommer ein clever durchlüftetes Dachfenster.
Was dabei auffällt: Männer über 50 investieren oft deutlich mehr Zeit und Geld in die Ausstattung als jüngere Vanlifer. Der Van ist kein Provisorium, sondern ein persönlicher Rückzugsort und manchmal sogar ein Hobbyraum auf Rädern.

Zwischen Digital Detox und mobilem Büro
Vanlife heißt nicht automatisch Offline-Sein. Viele nutzen den Camper als mobiles Büro, arbeiten remote vom Strand oder vom Waldrand aus, mit Laptop, LTE-Router und faltbarem Solarpanel. Andere wiederum nutzen die Reisen bewusst zum Entschleunigen: kein WLAN, kein Zeitdruck, kein Scrollen. Beide Wege sind legitim. Entscheidend ist, dass man das eigene Tempo wiederfindet.
Fazit: Van frei für die zweite Lebenshälfte
Vanlife ist nicht nur ein Trend, es ist ein Lebensgefühl, das besonders gut zu Männern passt, die mitten im Leben stehen und Lust auf Veränderung haben. Es verbindet Freiheit mit Verlässlichkeit, Natur mit Komfort, Technik mit Entschleunigung. Und es macht den Weg zum Ziel.
Wer vorbereitet losfährt, reist sicher. Wer offen losfährt, erlebt mehr. Und wer als Best Ager den Mut hat, die Couch gegen einen Camper zu tauschen, entdeckt vielleicht mehr als nur neue Orte, sondern auch neue Perspektiven.