Mit 20 sprang er auf dem Bike vom Fernsehturm, wurde mit dem Mountainbike unter anderem Europameister und Vize-Weltmeister, ging bei Red Bull unter Vertrag und war auf der ganzen Welt unterwegs, ohne nach rechts und links zu gucken. Heute, mit Anfang 50, fährt er auf dem Motorrad durch den Himalaya. Niels-Peter Jensen hat sein Leben auf zwei Rädern verbracht und dabei gelernt, dass die besten Trips nicht immer die schnellsten sind. Dazu und zu vielem Anderen erzählt er in Folge 65 unseres Podcast.
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Es gibt Menschen, bei denen man sich fragt, wann sie denn eigentlich mal stillsitzen. Niels-Peter Jensen ist so einer. Mit 51 Jahren hat er mehr erlebt als andere in drei Leben: Profisportler mit dem Mountainbike, sechs Jahre im deutschen Nationalteam, TV-Moderator, Unternehmer, Designer und nebenbei vierfacher Vater, der jeden Morgen Schulbrote schmiert.
Im NOT TOO OLD Podcast erzählt er von seiner Reise vom Adrenalin-Junkie zum achtsamen Abenteurer, vom Scheitern seiner Motorrad-Firma und davon, warum seine 50er die entspannteste Phase seines Lebens ist.
Vom BMX-Kid zum Nationalteam-Fahrer
Die Geschichte beginnt in den 80ern. Ein 10-jähriger Junge sieht den Film E.T. und ist fasziniert von den BMX-Rädern. Was als Kindheitstraum begann, wurde zur Karriere: Mit 20 war er Europameister und Indoor-Vize-Weltmeister, fuhr sechs Jahre im deutschen Nationalteam.
Die MTV-Generation kennt ihn aus spektakulären Stunts: Der Sprung vom 136 Meter hohen Heinrich-Hertz-Turm in Hamburg, natürlich mit dem Bike am Bungee-Seil. Die Abfahrt eines aktiven Vulkans auf Bali. „Damals ging es um den Kick, um Rekorde, um gesehen zu werden“, sagt Niels heute. Red Bull öffnete ihm jede Tür, die Medien feierten ihn als Extremsportler.
Die Transformation: Von Rekorden zu Orten
Doch mit den Jahren änderte sich etwas. „Ich fahr heute nicht mehr auf Rekorde, sondern such Orte, die etwas mit einem machen“, erklärt Niels. Der Wendepunkt? Schwer zu sagen. Vielleicht war es das Älterwerden. Vielleicht die vier Kinder. Vielleicht Indien.
Heute verbringt er regelmäßig Wochen im Himalaya, übernachtet in Klöstern, trinkt Tee mit Fremden auf 6.000 Metern Höhe. „Es geht nicht mehr darum, der Erste oder der Schnellste zu sein. Es geht darum, dort zu sein und es wirklich zu fühlen.“
Die Zahlen sind trotzdem beeindruckend: Der Umling-La-Pass, mit 5.400 Metern der höchste befahrbare Pass der Welt, eigentlich nur für indische Staatsbürger zugänglich. Niels war der erste Nicht-Inder, der es geschafft hat. „Aber das Ziel war nicht der Rekord. Das Ziel war, es mir selbst zu beweisen.“

Der Spagat: Papa und Abenteurer
Einerseits ist er der bodenständige Familienvater, der morgens die Kinder auf den Weg zur Schule bringt. Andererseits ist er der Mann, der nicht stillsitzen kann, der nach Wochen zu Hause „hibbelig“ wird.
„Wenn ich hier am Tisch sitze und es regnet wochenlang, dann bin ich nach ein paar Wochen so unruhig“, erzählt er. „Dann weiß ich: Ich habe nur dieses eine Leben. Und ich will nicht irgendwann daliegen und denken: Hätte ich bloß…“
Die Erinnerung an seine Mutter, die mit 47 starb und ihm vor ihrem Tod sagte, sie bereue all die Dinge, die sie nie gemacht hat, treibt ihn bis heute an. „Sie hat mir gesagt: Mach das, worauf du Bock hast. Und genau das lebe ich.“
Scheitern als Antrieb: Die Liberta-Geschichte
Mit 40 gründete Niels die Motorrad-Marke Liberta Motorcycles. Handgefertigte 125ccm-Chopper, gebaut in der Hamburger Hafencity. Prominente Kunden wie Til Schweiger und Ben Becker fuhren seine Bikes. „Es war ein Traum, der wahr wurde“, sagt Niels.
Doch dann kamen die Investoren. Zu viele, zu unterschiedliche Vorstellungen. „Am Ende ist das Projekt an zu vielen Investoren zerbrochen“, erzählt er. Das Scheitern tat weh, aber es hat ihn nicht gebrochen. „Mit 40, 50 ist Scheitern anders als mit 25. Du weißt: Ich stehe wieder auf. Und vor allem: Der Traum ist jetzt aus meinem Kopf raus.“
Heute sieht er es sogar positiv: Einige der damaligen Investoren und Kunden sind zu engen Freunden geworden. „Klaus war Investor und ist vor zwei Jahren mit mir im Himalaya gewesen. Momme war Kunde Nummer 5 und fährt jetzt mit mir durch Indien. Das Projekt ist gescheitert, aber die Menschen sind geblieben.“
Indien: Die zweite Heimat
Niels erzählt: „Indien hat etwas mit mir gemacht. Die Menschen, die Kultur, die Spiritualität. Dort habe ich gelernt, dass es nicht um Geschwindigkeit geht, sondern um Tiefe.“
Aus dieser Liebe entstand sein Charity-Projekt „Helmets for India“. 57 Prozent der Zweiradfahrer in Indien sind ohne Helm unterwegs, oft mit tödlichen Folgen. „Ich kann nicht einfach nur dort fahren und die Landschaft genießen. Ich will auch etwas zurückgeben.“

Die 50er: Die beste Dekade
„50 werden war nicht so schlimm wie 30 werden“, lacht Niels. „Mit 30 bin ich in meinem VW-Bus nach Fehmarn abgehauen. Mit 50 saß ich hier am Tisch, und mittags standen plötzlich alle meine Freunde und Familie vor der Tür.“
Heute sieht er das Älterwerden gelassen: „Es ist wirklich nur eine Zahl. Solange ich mich fit halte, auf mein Bauchgefühl höre und meine Träume umsetze, ist alles gut.“ Die körperlichen Veränderungen spürt er schon, die Regeneration dauert länger, die Spritzigkeit lässt nach. „Aber mental bin ich stärker als je zuvor.“
Die Pläne für 2025? Namibia im März, Schweden im Mai, Wales, Norwegen und im September der nächste Versuch, über 6.000 Meter zu fahren. „Es gibt einen neuen Pass, der im Juni öffnet. Eventuell könnte ich es schaffen, über 6.000 Meter zu kommen. Das ist mein nächstes Ziel.“
Die Message: Träume sind nur gut, wenn man sie anfasst
Am Ende unseres Gesprächs frage ich Niels nach seiner Message an die Hörer. Seine Antwort kommt ohne Zögern: „Was ist schlimmer, als einen Traum im Kopf zu haben und ihn nie probiert zu haben? Das steckt für immer in deinem Kopf. Jeder wird irgendwann sagen: Oh Mann, ich wollte immer diese Segeltour machen, aber ich hab’s nie gemacht.“
Sein Rat: „Wenn du einen Traum hast, eine Idee, dann zieh durch. Und wenn du scheiterst, ist es egal. Dann ist das Ding aus dem Kopf raus und du hast Platz für den nächsten Traum.“
Niels-Peter Jensen zeigt: Mit 50+ fängt das Leben nicht an, langsamer zu werden. Es wird nur bewusster. Nicht mehr schneller, sondern tiefer. Nicht mehr lauter, sondern echter. Und manchmal braucht es einfach nur den Mut, sich auf zwei Räder zu schwingen und loszufahren. Egal, ob mit oder ohne Motor.
Links zu Niels-Peter Jensen
| Website von Niels-Peter Jensen | nielspeterjensen.de |
| Niels bei Instagram | @niels_peter_jensen |
| Niels bei Facebook | @nielspeter.jensen |
| Niels bei youTube | @GRAVELTV |
