Spiel’s nochmal, Sam – Kartenspiel Dominion im Check

Der Herbst und der Übergang in den Winter ist für viele Menschen eine aufreibende Zeit. Dieses Jahr noch mehr. Denn neben den kurzen Tagen, dem tristen Wetter und dem vorweihnachtlichen Streß sorgt auch noch die Isolation für zusätzlichen Zündstoff. Was immer hilft, ist eine entspannte Zeit mit lieben Menschen fernab der digitalen Welt. Ein perfektes Werkzeug dafür sind Spiele. Die bringen die grauen Zellen zum Rauchen, liefern Unterhaltung und schütten bestenfalls noch das Glückshormon Dopamin aus, wenn man den Tisch als Sieger verlässt. Zu unseren favorisierten Spielen gehört schon lange das Kartenspiel Dominion, daher stellen wir es euch heute umfassend vor.

Der Begriff Kartenspiel ist eigentlich irreführend. Denn auch wenn Dominion tatsächlich nur mit Karten gespielt wird, ist es doch viel mehr. Durch das Thema, die Komplexität und bis heute dreizehn Erweiterungssets taucht man komplett ein in das Mittelalter. Wir haben Dominion vor ein paar Jahren entdeckt als Spiel für unsere damals noch unregelmäßig stattfindenden Spieleabende mit Freunden. Das Spiel gibt es bereits seit 2008. Ein Jahr später wurde es zum Spiel des Jahres. Und weil es uns so gefesselt hat, haben wir mittlerweile auch ein paar weitere Freunde und Familienmitglieder angesteckt und treffen uns nun regelmäßig einen langen Tag für mehrere Runden in verschiedenen Viergruppen. Wenn es denn erlaubt ist…

Dominion Geldkarten

Das Setup

Dominion versetzt die Spieler in die Zeit des Mittelalters. Am meisten Spaß macht dieses Kartenspiel zu dritt oder viert. Dann dauert eine Runde oft über eine Stunde.
Das Spielmaterial ist toll gestaltet, jede Karte ist mit einem zum Namen passenden Bild versehen. In weiteren Sets kommen später auch noch Gegenstände wie Münzen und Ablagekarten dazu. Die Regeln sind recht einfach, trotzdem bekommt das Spiel durch die unendlichen Kombinationen und Erweiterungen eine enorme Spieltiefe und Komplexität, die allerdings nach Wunsch angepasst werden kann. Empfohlen ist das Spiel ab 13 Jahren, wir führen unsere Tochter mit einem soften Einstieg aber gerade an Dominion heran. Und sie ist begeistert. Nicht zuletzt, weil in der jüngsten Erweiterung „Menagerie“ auch Pferde, Ställe und Schlachtrösser spielbar sind. Um deren Bedeutung zu verstehen, ist aber erstmal der Spielablauf wichtig. Jeder Spieler kämpft dafür, sein Herrschaftsgebiet zu vergrößern und haut dafür den anderen Mitspielern Flüche, Hexen und die Banditin um die Ohren, bereist andere Länder, handelt auf dem Markt und versucht, schnell seinen Kontostand zu erhöhen, um Ländereien zu kaufen und so das Spiel zu gewinnen.

Der Spielablauf

Jedes Spieleset, sowohl das Basisspiel als auch jede Erweiterung, enthält verschiedene Königreichkarten. Im ersten Set sind 25 davon enthalten, deren Namen sind zum Beispiel Burggraben, Miliz, Geldverleiher, Thronsaal, Dieb und Vasall. Also eine Mischung aus Gebäuden und Personen. Jede Karte hat einen Wert und eine Aktion. Für das Spiel sucht man zehn dieser Karten aus. Das ist auch so, wenn man Erweiterungen mit einbaut. Und schon hier wird klar, wie variabel das Spiel ist. Denn je nach Kartenauswahl ist es mal entspannt, mal krawallig, mal angriffslustig, mal geldverliebt und mal hinterlistig.

Dominion Kartendeck

Jeder spielt für sich

Auf dem Tisch liegen nun also die zehn von euch gewählten Königreichkarten. Dazu kommen Geldkarten, Punktekarten und Flüche. Das ist schon alles, wenn ihr erstmalig mit Dominion startet. Jeder Spieler bekommt zehn Karten auf die Hand, drei Punktekarten und sieben Geldkarten. Die mischt jeder für sich und gibt sich selbst fünf Handkarten. Auch das bleibt in jedem Spiel immer so. Mit den fünf Startkarten werden nun Aktionskarten aus der Tischmitte gekauft, die unter den Stapel gemischt werden und dann schon bald in der Hand landen. Während der Profi schon vor dem Spiel nach Durchsicht der zehn Königreichkarten seine Strategie entwickelt, kann der Newbie aber auch einfach drauflosspielen und sich immer erst dann entscheiden, wenn er an der Reihe ist. Einige Spieler werfen überflüssige Karten ab, andere fokussieren sich aufs Geld verdienen und wieder andere sammeln so viele Aktionskarten, dass sie teilweise pro Runde bis zu 20 Karten ausspielen. Durch die Aktion „Nachziehen“ wird das möglich. Jeder Spieler sieht, was die anderen tun. Allerdings lässt sich nicht wirklich davon lernen, denn das Glück und das eigene Mischen sorgt für unterschiedliche Voraussetzungen.

Drei Spielrunden

Wenn ein Spieler an der Reihe ist, dann hat er drei Spielphasen, die er direkt hintereinander durchführt:

In der Aktionsphase darf er eine Aktionskarte aus seiner Hand spielen. Da könnte zum Beispiel stehen: Ziehe zwei Karten nach und spiele eine weitere Aktion“. So lässt sich die Starthand massiv erweitern. Es kann aber auch dafür gesorgt werden, dass die Mitspieler Karten ablegen müssen. Welche Aktionen ihr spielt, hängt von eurer Strategie ab – und was ihr auf der Hand habt.

Dann folgt die Kaufphase. Da dürft ihr für das Geld, welches euch zur Verfügung steht, weitere Königreichkarten aus der Tischmitte kaufen. Auch hier hängt es von eurem Geschick ab, wieviel Budget ihr einsetzen könnt und was ihr dafür bekommt. Irgendwann in der Spielmitte fangt ihr an, Punktekarten zu kaufen. Die „stören“ zwar auf der Hand, weil sie nicht gespielt werden können, sind aber für den Sieg des Spiels unabdingbar.

In der Aufräumphase checkt ihr eure gespielten Karten, räumt alles zusammen, legt die Karten auf den Ablagestapel und zieht euch fünf neue Karten auf die Hand. Soweit schon der ganze Spielablauf. Während die Auswahl und die Schwierigkeit im Basisspiel noch niedrig war, sind durch Erweiterungen zu diversen Themen ganz neue Spielmöglichkeiten hinzugekommen, daher stellen wir euch einige wichtige Sets kurz vor.

Dominion Handkarten

Erweiterungen

Mit der Menagerie ist gerade die dreizehnte Erweiterung von Dominion erschienen. Es ist aber davon auszugehen, dass noch weitere Folgen. Denn dieses Kartenspiel hat weltweit eine riesige Fangemeinde, die sich auch online trifft. Dazu später mehr. Hier erstmal eine kurze Übersicht zu den aus unserer Sicht wichtigsten Erweiterungen.

Für Einsteiger

Für die ersten Gehversuche oder jüngere Mitspieler wird es spannender mit:

Seaside

Nachdem das Basisspiel so erfolgreich gestartet war, wurde 2010 mit Seaside die erste Erweiterung an den Start gebracht. Und wie der Name vermuten lässt, stechen die Spieler hier dank 300 neuer Karten thematisch in See. Es gibt Aktionskarten wie Pirat, Werft, Insel und den Botschafter. Ihr braucht aber zwingend die Karten aus dem Basisspiel. Außerdem werden als Neuerung Dauerkarten, Spieltableaus zur Ablage und Marker aus Metall ins Spiel gebracht.

Blütezeit

Die Erweiterung der Blütezeit erschien ebenfalls schon 2010. Der Name steht für Reichtum und die Maximierung des Profits. Daher bestehen die 300 Karten aus vielen Aktionskarten der Finanzwelt, also Münzer, Halsabschneider, Schmuggelware, Lohn und Wachtum. Mit dem Platin wurde eine neue Geldkarte und mit der Kolonie eine neue Punktekarte eingeführt. Außerdem gibt es Tableaukarten als Ablage und Geld- und Punktemarker aus Metall.

Dominion Aktionskarten

Für Profis

Für die Experten gibt es eine Vielzahl toller Erweiterungen, die Dominion komplexer werden lassen und ganz neue Spielmöglichkeiten bieten. Das sind zum Beispiel

Menagerie

Dieses Set ist seit Kurzem erhältlich und enthält 400 Karten, die meisten davon aus der Tierwelt. Daher auch der Titel, denn eine Menagerie ist die historische Form der Tierhaltung und damit der Verläufer zu den Zoos und Tierparks von heute. So gibt es Pferde, Stallburschen und die Koppel, aber auch den Fischer und einen Viehmarkt. Außerdem kommt mit dem Exil und dem Weg eine ganz neue Option hinzu, daher ist für dieses Set etwas Spielerfahrung hilfreich. Mehr Infos zur Menagerie findet ihr in dem Unboxing-Video:

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Nocturne

Ihr seid fortgeschrittener Dominion-Spieler und liebt die Dunkelheit? Dann knipst das Licht aus, macht euch eine Kerze an und spielt die Erweiterung Nocturne. Dort begegnet ihr mit den Königreichkarten Vampirin, Fledermaus, Friedhof und Zombie einigen Figuren aus der Unterwelt, spielt Nachtkarten oder schwächt die Gegner mit Flüchen und Plagen. Nocturne ist eine angriffslustige und düstere Erweiterung mit 500 neuen Karten.

Dark Ages

Die Erweiterung Dark Ages beinhaltet ebenfalls 500 neue Karten und hat den Schwerpunkt auf Burgen und Rittern. Es gibt Hütten, verfallene Anwesen, verlassene Minen, zerstörte Anwesen und Überlebende. Und so destruktiv wie diese Aktionskarten ist auch die Strategie in dieser Erweiterung. Es geht nicht um das schnelle Geld, sondern um die Vermeidung von Schaden und den Wiederaufbau. Dazu könnt ihr 500 neue Karten mit dem Basisset und natürlich auch anderen Sets mischen.

Dominion Sammler-Box

Nehmen wir mal an, Dominion hat euch ebenso infiziert wie uns. Dann habt ihr irgendwann eine ganze Sammlung recht vieler Spieleboxen im Regal. Das ist unpraktisch, gerade wenn ihr das Spiel auch mal mitnehmen wollt. Und auch da gibt es nun eine praktische und durchdachte Lösung. In der Sammler-Box ist Platz für über 3.000 Karten, die ihr dank 360 Trenner-Karten nach euren Wünschen sortieren könnt. Es gibt aber noch ein Leckerli, denn neben einem kompletten Basiskartenset sind auch Promokarten und ein Stoffbeutel für Münzen und Marker enthalten. Außerdem noch Trenner für eine zweite Box. So könnt ihr eine weitere Kiste zur Aufbewahrungsbox umfunktionieren. Hier gibt es umfassende Infos im Clip zur Sammler-Box:

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Dominion online

Ihr wollt an euren Skills arbeiten oder euch in Zeiten der Isolation online zu einer Partie verabreden? Auch das ist lein Problem. Dominion bietet eine Kooperation mit Dominion Online – im aktuellen Basisspiel 2. Edition bekommt ihr einen Code, um ein Jahr kostenlos online anzutreten und euch mit Spielern aus der ganzen Welt zu messen oder sich mit Freunden an einem privaten Tisch zu treffen. Die Profis spielen dort sogar in einer Dominion-Liga, in der regelmäßig Turniere stattfinden.

Fazit

Wenn ihr Dominion bisher nicht kennt, dann können wir euch nur wärmstens empfehlen, euch das Basisspiel oder die Sammler-Box unter den Weihnachtsbaum zu legen. Denn gerade wenn ihr mit älteren Kindern oder mit drei bis vier Leuten spielen wollt, gibt es kaum ein spannenderes Spiel als Dominion, welches strategisch, unterhaltsam und spannend ist. Und wenn der Funke dann übergesprungen ist, könnt ihr dank der vielen Erweiterungen schnell in etliche neue Themenwelten abtauchen und um die Krone kämpfen.
Dazu könnt ihr auch beliebig viele Sets mischen, am Ende liegen immer zehn von euch gewählte Karten in der Tischmitte. Verschiedene Vorschläge in den Anleitungen oder über Randomizer im Internet oder über Apps helfen euch, passende Karten zusammenzustellen und dabei zu berücksichtigen, ob ihr angriffslustig, entspannt, einfach oder fortgeschritten spielen möchtet.

[In Kooperation mit ASS Altenburger]

Kai Bösel
Kai Bösel
Kai Bösel (Jg. 1971) lebt als Patchwork-Papa mit der Familie in Hamburg. Neben NOT TOO OLD betreibt er auch das Väter-Magazin Daddylicious. Außerdem ist er Experte für Influencer-Marketing. Bisher hat er bereits fünf eigene Unternehmen gegründet, schreibt für diverse Print- und Online-Magazine, tritt als Speaker und Moderator auf und betreibt zu diesem Magazin auch einen Podcast. Nach Feierabend entspannt er beim Laufen oder Golf.

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