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Sinn & Engagement für Best Ager – Mit einem Ehrenamt geben und profitieren

Die Kinder sind aus dem Haus, die Karriere läuft oder ist abgeschlossen, der Lebensstandard gesichert und plötzlich stellt sich die Frage: Was jetzt? Viele Männer zwischen 45 und 65 entdecken in dieser Lebensphase, dass es mehr gibt als Beruf und Familie. Eine aktuelle Studie zeigt: Gesellschaftliches Engagement hat in Deutschland einen hohen Stellenwert. Doch zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft eine Lücke. Und gerade Best Ager könnten diese schließen.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache

Im Jahr 2024 sind 36,7 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren in Deutschland freiwillig engagiert, das entspricht rund 27 Millionen Menschen. Damit befindet sich das freiwillige Engagement weiterhin auf einem hohen Niveau, ist allerdings im Vergleich zur Voruntersuchung 2019 leicht zurückgegangen.

Eine neue Umfrage des digitalen Gesundheitsbegleiters Doctolib* zusammen mit dem Deutschen Roten Kreuz liefert weitere aufschlussreiche Erkenntnisse: Obwohl 92 Prozent gesellschaftliches Engagement wichtig finden, hat sich mehr als ein Drittel (37 Prozent) noch nie ehrenamtlich engagiert. Gleichzeitig sind 24 Prozent regelmäßig aktiv, 12 Prozent gelegentlich. 19 Prozent waren früher aktiv und 8 Prozent planen den Einstieg.

Besonders interessant für die Generation der Babyboomer und der Gen X: 2024 waren rund 19,1 Prozent aller Ehrenamtlichen 70 Jahre und älter. Die Engagementquote bei Menschen ab 65 Jahren ist seit 1999 von 18,0 Prozent auf 31,2 Prozent in 2019 gestiegen – der stärkste Zuwachs aller Altersgruppen. Dies zeigt: Ältere Menschen entdecken zunehmend, wie erfüllend ehrenamtliche Arbeit sein kann.

Warum gerade Best Ager ideale Ehrenamtliche sind

Männer zwischen 45 und 65 befinden sich in einer besonderen Lebensphase. Die Karriere ist meist etabliert, finanzielle Sorgen sind weniger drängend, und gleichzeitig ist man körperlich noch fit genug für aktive Tätigkeiten. Viele beginnen, ihre Prioritäten neu zu sortieren und suchen nach sinnstiftenden Aufgaben jenseits des beruflichen Erfolgs.

Die Doctolib-Studie zeigt, dass Menschen sich vor allem engagieren, um Sinn zu stiften (47 Prozent), Verantwortung zu übernehmen (38 Prozent) und eigene Fähigkeiten sinnvoll einzusetzen (35 Prozent). Genau diese Motive treffen die Lebenssituation vieler Best Ager: Sie verfügen über jahrzehntelange Berufserfahrung, haben Führungskompetenzen entwickelt und möchten etwas zurückgeben.

„Ehrenamt stärkt unseren Zusammenhalt und schafft persönliche Freiräume“

sagt Meike Dietzel, HR-Verantwortliche bei Doctolib.

Studien zeigen zudem: Männer über 50 möchten weiterhin gebraucht werden und aktiv zur Gesellschaft beitragen. Ein 63-jähriger Mann formulierte es in diesem Magazinbeitrag so: „Ich habe keine Lust, einfach nichts zu tun. Solange ich kann, werde ich arbeiten – vielleicht nicht mehr Vollzeit, aber ich brauche eine Aufgabe“.

Wo Engagement gefragt ist

Die Bandbreite ehrenamtlicher Tätigkeiten ist enorm. Laut der Doctolib-Umfrage liegt der Schwerpunkt bei denjenigen, die sich engagieren oder engagieren wollen, am häufigsten in den Bereichen Bildung, Jugend, Sport und Kultur (45 Prozent). 23 Prozent sind in Pflege, Betreuung oder Alltagshilfe aktiv, weitere 21 Prozent im Bereich Gesundheit, Erste Hilfe, Blutspende oder Notfallhilfe.

Besonders für Männer in der Lebensmitte bieten sich vielfältige Möglichkeiten:

  • Sport und Vereinsarbeit: Als Trainer, Übungsleiter oder im Vorstand eines Sportvereins können Sie Ihre Leidenschaft weitergeben und junge Menschen fördern. Männer engagieren sich mit 8,9 Prozent häufiger in Sportvereinen als Frauen mit 4,5 Prozent.
  • Mentoring und Bildung: Ihre Berufserfahrung ist Gold wert für junge Menschen, die ihren Weg noch suchen. Als Mentor oder bei der Hausaufgabenhilfe können Sie Wissen weitergeben.
  • Katastrophenschutz: Bei der freiwilligen Feuerwehr, dem Technischen Hilfswerk oder Rettungsdiensten werden erfahrene, belastbare Menschen gebraucht.
  • Soziale Projekte: Ob Tafel, Obdachlosenhilfe oder Flüchtlingsarbeit – hier zählt nicht nur Zeit, sondern auch Lebenserfahrung und Gelassenheit im Umgang mit schwierigen Situationen.

Was hält uns zurück?

Trotz hoher Wertschätzung gibt es Hürden. Die Doctolib-Studie zeigt: Zeitmangel bremst 58 Prozent, gesundheitliche Gründe 25 Prozent, andere Prioritäten 14 Prozent und fehlende Informationen zu passenden Möglichkeiten 11 Prozent. Zudem schrecken Bürokratie und unklare Strukturen 42 Prozent ab.

Knapp ein Fünftel würde sich engagieren, wenn klar erkennbar ist, dass Hilfe dringend benötigt wird. Diese Menschen brauchen konkrete Anlässe und niedrigschwellige Einstiege – ein Bereich, in dem Organisationen noch Nachholbedarf haben.

Laut Malteser Ehrenamtsmonitor können sich 40 Prozent der Befragten vorstellen, kurzfristig und ohne Teil einer Organisation zu sein einzuspringen, wenn gerade Hilfe gebraucht wird. Diese Flexibilität spricht besonders Menschen an, die sich nicht langfristig binden wollen oder können.

Die positive Wirkung auf die eigene Gesundheit

Die Mehrheit der Engagierten berichtet von positiven Erfahrungen: 71 Prozent sagen laut Doctolib-Studie, dass Ehrenamt ihrem Leben spürbar Sinn gibt und der seelischen Gesundheit gut tut. Viele fühlen sich weniger allein und sozial verbundener. Zugleich gibt es auch Schattenseiten: 55 Prozent fühlen sich zumindest gelegentlich durch ihr Engagement belastet. Ein Hinweis darauf, dass das richtige Maß wichtig ist.

Für Männer, die einen Großteil ihrer Freizeit mit ihrer Partnerin verbringen, wie Studien zeigen, kann ein Ehrenamt auch eine willkommene Abwechslung und einen eigenen Bereich außerhalb der Partnerschaft schaffen.

Digitalisierung erleichtert den Einstieg

Viele potenzielle Engagierte sehen in digitalen Tools einen Schlüssel für mehr Beteiligung: 41 Prozent wünschen digitale Terminplanung oder flexible Zeiteinteilung, 40 Prozent eine einfache Online-Suche nach passenden Engagements und 37 Prozent mehr Informationen über Organisationen und Projekte.

„Digitalisierung ist für uns ein wichtiger Türöffner. Sie verbindet uns schneller mit Menschen, die Hilfe brauchen, und hilft uns, neue Menschen für das Ehrenamt zu begeistern“, sagt Annette Strauß, ehrenamtliche DRK-Bundesleiterin der Wohlfahrts- und Sozialarbeit in Dresden. „Ob durch digitale Einsatzplanung, Online-Schulungen oder die DRK-Engagementplattform: Technologie erleichtert uns unser Ehrenamt und hilft uns, mehr zu bewirken. Gleichzeitig bleibt der persönliche Kontakt das Wichtigste.“

Diese Entwicklung kommt gerade Best Agern entgegen, die zunehmend digital versiert sind. Plattformen wie das DRK oder lokale Freiwilligenagenturen bieten heute bequeme Online-Einstiegsmöglichkeiten.

Vielfalt als Stärke

Das Netzwerk Gesunde Kinder in Brandenburg zeigt eindrucksvoll, wie vielfältig Engagement sein kann. „Ehrenamt lebt Vielfalt – und macht unsere Gesellschaft stärker“, heißt es dort. Die Familienpatinnen und -paten kommen aus ganz unterschiedlichen Lebenswelten: „Ob mit oder ohne Kinder, berufstätig oder im Ruhestand, aus der Stadt oder vom Land: Jede Familienpatin und jeder Familienpate bringt eigene Perspektiven, Kompetenzen und Lebenserfahrungen mit.“

Ein Ehrenamtlicher formuliert es so: „Für mich ist ehrenamtliches Engagement nicht nur eine ‚Zeitspende‘, sondern eine Möglichkeit, aktiv etwas zu bewegen, Verantwortung zu übernehmen und Teil einer Gemeinschaft zu sein. Es schafft Verbindungen, bringt Abwechslung und erweitert den Horizont.“

Der erste Schritt

Wer sich engagieren möchte, findet heute zahlreiche niedrigschwellige Einstiegsmöglichkeiten zum Ehrenamt. Die Studie zeigt: 37 Prozent der Befragten würden zwei bis fünf Stunden im Monat investieren, 27 Prozent sechs bis zehn Stunden, 24 Prozent mehr als zehn Stunden. Das bedeutet: Auch mit wenig Zeit lässt sich Sinnvolles bewirken.

Erste Anlaufstellen sind lokale Freiwilligenagenturen, die Website des Deutschen Roten Kreuzes oder Plattformen wie Vostel.de. Auch ein Gespräch im örtlichen Sportverein, bei der Feuerwehr oder in sozialen Einrichtungen kann der Anfang sein.

Über 70 Prozent der Befragten der Doctolib-Studie wünschen sich mehr Unterstützung und Anerkennung durch Politik, Arbeitgeber und Zivilgesellschaft. Einige Unternehmen gehen mit gutem Beispiel voran und bieten „Solidarity Days“ für freiwilliges Engagement an – ein Modell, das Schule machen sollte.

Fazit: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt

Die Lebensmitte ist die ideale Phase, um sich ehrenamtlich zu engagieren. Man hat Erfahrung, Zeit und oft auch die finanzielle Sicherheit, um etwas zurückzugeben. Die Gesellschaft braucht diese Expertise und Tatkraft und du selbst profitierst von neuen Kontakten, Anerkennung und dem guten Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun.

Wie eine 40-jährige Ehrenamtliche es ausdrückt: „Meine ehrenamtliche Tätigkeit erfüllt mich mit Dankbarkeit und Freude. Es ist ein schönes Gefühl, etwas von meiner eigenen Zufriedenheit weitergeben zu können und andere auf ihrem Weg zu stärken. Gleichzeitig lerne ich selbst immer wieder dazu und fühle mich verbunden mit den Menschen in meiner Region.“

Warum also warten? Der erste Schritt ist oft leichter als gedacht.


* Informationen zur Doctolib-Studie: Es handelt sich um eine Online-Befragung von 2.403 Personen in Deutschland im November 2025 über die App und Website von Doctolib. Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ, geben aber ein aktuelles Stimmungsbild zum Thema Ehrenamt.

Kai Bösel
Kai Bösel
Kai Bösel (Jg. 1971) lebt als Patchwork-Papa mit der Familie in Hamburg. Neben NOT TOO OLD betreibt er auch das Väter-Magazin Daddylicious. Außerdem ist er Experte für Influencer-Marketing. Bisher hat er bereits fünf eigene Unternehmen gegründet, schreibt für diverse Print- und Online-Magazine, tritt als Speaker und Moderator auf und betreibt zu diesem Magazin auch einen Podcast. Nach Feierabend entspannt er beim Laufen oder Golf.

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