Der Van wartet, die Straße ruft und aktuelle Daten zeigen: Männer zwischen 45 und 65 sind die treibende Kraft im deutschen Camper-Boom. Aber wohin geht die Reise 2026? Wir klappen mal die Motorhaube hoch und checken aktuelle Zahlen zum Vanlife und zu der Freiheit auf vier Rädern, die wir auch schon intensiv hier im Magazin bearbeitet haben. Vielleicht ist das ja Inspiration für eure nächsten Urlaub, einen Roadtrip oder einen ersten Ausritt mit dem Wohnmobil.
Denn die Reise mit den eigenen vier Wänden ist immer auch ein Aufbruch. Auslöser ist häufig die innere Stimme, die euch sagt: Ich muss raus. Weg. Einfach fahren. Wer das kennt, ist vermutlich kein schlechter Kandidat fürs Camping und laut aktuellen Zahlen ziemlich sicher in der Altersgruppe 45 plus.
PaulCamper, Deutschlands führende Plattform für privates Camping und Vanlife-Sharing, hat Anfang 2026 mehr als 1.000 Kunden zu ihrem Reiseverhalten befragt und die Ergebnisse mit einer datenbasierten Analyse kombiniert. Das Ergebnis ist eindeutig: Camping boomt! Und wir Best Ager sind mittendrin.

Die Überholspur gehört uns
Die 55- bis 64-Jährigen stellen laut der PaulCamper-Auswertung nach wie vor die am stärksten vertretene Altersgruppe unter den Campern dar. Das verwundert wenig, wenn man über die Lebensrealität dieser Generation nachdenkt. Die Kinder sind aus dem Haus oder auf dem Weg dahin. Der Job ist entweder stabil genug, um auch mal zwei Wochen loszulassen oder man ist sogar bereits im Ruhestand. Man hat schlicht mehr Zeit, mehr Erfahrung und weniger Lust auf Pauschalurlaub. Der Camper passt zu einem Lebensabschnitt, in dem Autonomie wieder an erster Stelle steht. Kein Hoteltakt, kein Buffet-Gedränge, kein Reiseleiter mit Fähnchen oder Pool-Gymnastik.
Gleichzeitig holt die jüngere Generation auf: Der Anteil der 18- bis 34-Jährigen unter den Campern wächst. Sie fahren anders und spontaner, oft mit Freunden, manchmal zu Festivals. Aber sie schaffen keine Konkurrenz, sie ergänzen. Der Markt wächst, und unser Segment bleibt das dominierende.
Dass Camping dabei längst kein Nischenphänomen mehr ist, wissen wir auf NOT TOO OLD schon eine Weile. Im NTO Podcast #15 sprach Gerd Blank ausführlich über Vanlife und Camping. Und das nicht als Thema für Asketen, sondern als ernstzunehmendes Lebensstilkonzept für Männer, denen Unabhängigkeit wichtig ist. Und wir waren auch bereits selbst mit PaulCamper und einem Wohnmobil auf Tour. Die Erfahrung, sich seinen Schlafplatz selbst zu wählen, hat einen eigentümlichen Reiz, den man kaum anders beschreiben kann.
Zu zweit unterwegs
Fast drei Viertel der befragten Camper gaben an, gemeinsam mit dem Partner oder der Partnerin zu reisen. Das klingt banal, erzählt aber eigentlich eine wichtige Geschichte. Der Camper ist kein Soloreisemittel für einsame Wölfe, er ist ein Paardingens. Oder ein Familiendingens: In fast jedem vierten Fahrzeug sind auch Kinder mit an Bord. Camping ist, so zeigen die Zahlen, ein Familienthema geblieben, auch wenn die Kinder schon groß sind und manchmal eher die Enkel mitfahren.

Für Männer in der Lebensmitte bedeutet das oft: Die Phase des Familienurlaubs mit kleinen Kindern ist vorbei, aber die Reiselust zu zweit ist ungebrochen. Im Gegenteil. Der Camper bietet gerade für Paare ab 50 eine Qualität, die viele Hotels schlicht nicht liefern können: Nähe ohne Enge, Freiheit ohne Vereinsamung. Man ist zusammen, aber man entscheidet selbst, wann man am Fjord frühstückt, wann man weiterfährt und wo man die Nacht verbringt.
Das Traumziel liegt im Norden
Und wohin geht die Reise? Hier wird es interessant. Das absolute Wunschziel für 2026 liegt nicht an der Côte d’Azur, nicht am Gardasee und nicht auf Mallorca. Es liegt im hohen Norden: Norwegen steht an erster Stelle, und innerhalb Norwegens werden immer wieder die Lofoten genannt, jene Inselkette im Nordatlantik, wo steile Berge direkt aus dem Meer aufragen und das Licht zu jeder Tages- und Jahreszeit unwirklich schön ist.
Das hat Gründe, die über pure Ästhetik hinausgehen. Wer einmal auf den Lofoten war – egal ob mit Fähre, Flieger oder Camper –, versteht, was gemeint ist, wenn Männer sagen, sie wollten „wirklich ankommen“. Es ist eine Landschaft, die keine Ablenkung duldet. Kein All-inclusive, keine Poolbar. Nur Meer, Fels, Wind und Stille. Genau das, was man sucht, wenn man die Lebensmitte überschritten hat und merkt, dass spektakuläre Kulisse mehr befriedigt als spektakuläres Programm.

Portugal und Schottland folgen auf den nächsten Plätzen der Wunschliste und gewinnen laut PaulCamper deutlich an Beliebtheit. Beide Länder vereinen Küstenlandschaft mit Ursprünglichkeit und beide sind mit dem Camper hervorragend erschlossen. Italien und Frankreich bleiben die verlässlichen Klassiker für internationale Touren. Gardasee und Sardinien führen dabei die Nennungen an. Man muss das Rad nicht neu erfinden, wenn es so schön rollt.
Deutschland unterschätzen? Lieber nicht.
Wer bisher gedacht hat, Camping in Deutschland sei eher was für die, die sich den Flieger nicht leisten können oder wollen, sollte die Zahlen genau lesen. 2025 war Deutschland das beliebteste Reiseziel unter den PaulCamper-Kunden: 34,1 Prozent der Befragten verreisten innerhalb Deutschlands. Nord- und Ostsee führen die Beliebtheitsskala an, gefolgt von Allgäu, Bodensee, Mosel und Schwarzwald. Wer hätte das gedacht: Auch Berlin, Hamburg, München, Dresden, Freiburg und Leipzig sind als Camper-Ziele beliebt. Ein Wohnmobil auf einem Stadtcampingplatz, tagsüber in die Stadt – das klingt ungewöhnlich und ist genau deshalb reizvoll.
Für Best Ager hat Deutschland als Reiseland einen unterschätzten Vorteil: die Flexibilität. Spontane Verlängerung, spontaner Richtungswechsel, kein Flug, kein Gepäcklimit. Wenn die Ostsee in drei Tagen Schönwetter verspricht, fährt man eben drei Tage früher los. Das Camper-Leben schreibt seinen Takt selbst.
Länger unterwegs – und das nicht zufällig
2026 ist auch das Jahr der langen Trips. Die durchschnittliche Reisedauer im Mai und Juni steigt laut PaulCamper auf rund elf Tage, ein Plus von rund 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wo noch rund 8,5 Tage der Schnitt waren. Im März liegt die durchschnittliche Reisedauer sogar bei 9,4 Tagen, etwa ein Drittel länger als im Vorjahr.
Das klingt nach einer schönen Statistik. Es steckt aber mehr dahinter. Die Menschen planen bewusster und früher. Langzeitreisen, Frühjahrstrips, Work-from-Anywhere-Aufenthalte – all das wird weiter vorverlegt ins Buchungsverhalten. Wer mit dem Camper unterwegs ist, bucht seine Lieblingsfahrzeuge schon Monate im Voraus.

Und es gibt einen weiteren Trend, der sich in den Zahlen spiegelt: 64 Prozent der Befragten wollen 2026 bewusst in der Nebensaison reisen, also in den Monaten Mai, Juni, September und Oktober. Denn das führt zu weniger Stau, weniger Gedränge auf Campingplätzen und angenehmere Temperaturen für aktive Touren. Wer schon einmal im August mit dem Camper durch Südfrankreich gefahren ist und zwanzig Autos hinter sich hergezogen hat, versteht diese Entscheidung sofort.
Warum der Camper zum Lebensabschnitt passt
Es ist kein Zufall, dass gerade Männer zwischen 45 und 65 so stark auf Camping setzen. Es ist eine Frage des Lebensgefühls. Die Lebensmitte bringt – bei aller Komplexität – auch eine Art von Klarheit mit sich. Man weiß, was man will. Man weiß, was man nicht mehr braucht. Und man hat genug Geld und Erfahrung, um beides zu kombinieren: Komfort und Abenteuer, Freiheit und Zweisamkeit, Fernweh und Entschleunigung.
Der Camper ist das Fahrzeug dieser Haltung. Er bietet das eigene Bett, das eigene Tempo, die eigene Küche – und trotzdem jeden Abend einen neuen Horizont. Gerd Blank hat das in unserem Camping-Podcast treffend auf den Punkt gebracht: Es geht nicht ums Campen im klassischen Sinne. Es geht ums Unterwegssein. Und das bleibt, so zeigen alle Daten, 2026 ein Thema, das uns Best Agern ganz besonders gehört.
Also: Wohin geht Eure erste Tour in diesem Jahr?
