Für viele Männer ist Wellness immer noch so ein Frauenthema. Man gönnt sich lieber ein Bier auf dem Sofa als einen Aufguss in der finnischen Sauna. Aber warum eigentlich? Matthias Hübner, Saunameister im Mediterana und Host des Podcasts „Saunaküche“, erklärt in unserem Gespräch für den NOT TOO OLD Podcast, warum Schwitzen nicht nur gut für den Körper, sondern auch für die Seele ist und was das Ganze mit Männlichkeit zu tun hat. Spoiler: Es geht um mehr als nur Handtuchwedeln.
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Was zum Teufel macht ein Saunameister?
„Viele haben im Kopf: Der Saunameister macht so ein bisschen Handtuchschwingerei und ein paar Düfte“, sagt Matthias Hübner, genannt Matze. Aber die Realität sieht anders aus. Ein Saunameister ist Gastgeber, Entertainer und Gesundheitsexperte in einem. Er sorgt dafür, dass es den Menschen gut geht, kennt sich mit Öfen, Düften und deren Wirkung aus und beherrscht die Kunst, mit einem Handtuch die Luft so zu verwirbeln, dass aus 90 Grad gefühlt 110 werden.
Matze arbeitet in Führungsposition im Mediterana in Bergisch Gladbach, einer der renommierten Wellness-Anlagen des Landes. Sein Job: Aufgüsse durchführen, das Team motivieren, Probleme lösen und dafür sorgen, dass Gäste und Mitarbeiter glücklich nach Hause gehen. Zusammen mit seinem Kollegen Sedo betreibt er außerdem den Podcast „Saunaküche“ – jeden Montag frisch und schweißtreibend.
Warum Schwitzen so verdammt guttut
„Es ist nachgewiesen, dass Saunieren einen unheimlich positiven Effekt nicht nur auf das körperliche, sondern auch auf das mentale hat, auf den Stressabbau“, erklärt Matze. Regelmäßiges Saunieren stärkt das Immunsystem, verbessert die Durchblutung und sorgt für einen echten Dopaminkick. Nach einem Saunagang fühlt man sich körperlich vielleicht erschöpft, aber mental total entspannt und glücklich.
Und dann ist da noch die Sache mit den Finnen: Das glücklichste Volk der Welt sauniert regelmäßig. Zufall? Matze glaubt nicht daran. Die Sauna ist für viele Finnen ein fester Bestandteil des Alltags, ein Ritual, das Körper und Geist in Einklang bringt.

Sauna-Tipps für Einsteiger
Wer noch nie in der Sauna war, hat oft Hemmungen. Nackt unter Fremden sitzen? Wie lange bleibt man drin? Oben oder unten sitzen? Matze gibt Entwarnung und liefert das 1×1 fürs Saunieren:
Zeit mitbringen: Nicht zwei Stunden hetzen, sondern ruhig acht Stunden einplanen. Der Körper braucht Zeit, um aus dem Alltag rauszukommen.
Vorher duschen: Die wichtigste Dusche ist die VOR der Sauna – mit Seife, um die Haut zu reinigen.
Auf den Körper hören: Es ist kein Wettkampf. Lieber zwei bis drei Aufgüsse mitmachen als sich zu überfordern.
Handtuch unterlegen: Hygiene-Grundregel Nummer eins – immer auf dem Handtuch sitzen.
Oben oder unten? Für Anfänger gilt: Unten ist kühler, oben heißer. Anfänger starten am besten in der Mitte oder unten und arbeiten sich hoch.
Nach der Sauna: Frischluft, abkühlen, ausruhen. Ein Eisbad oder eine kalte Dusche ist optional – aber nicht Pflicht.
Aufguss: Das Geheimnis hinter dem Ritual
Ein guter Aufguss ist wie eine kleine Zeremonie. Wasser wird auf die heißen Steine gegossen, Düfte verteilen sich, das Handtuch wirbelt die heiße Luft durch den Raum. Es gibt verschiedene Aufguss-Arten: klassisch mit ätherischen Ölen, mit Honig, Salz oder Eis. Manche Saunameister sind regelrechte Entertainer, andere setzen auf Stille und Meditation.
„Es geht darum, dass die Menschen ein Erlebnis haben“, erklärt Matze. „Man kann verschiedene Düfte nutzen, die mental unterschiedliche Wirkungen haben. Eukalyptus zum Beispiel für die Atemwege, Lavendel zur Entspannung.“ Die Handtuchtechnik sorgt dafür, dass die heiße Luft gleichmäßig verteilt wird. Und ja, das will gelernt sein.

No-Gos: Was man in der Sauna NICHT tun sollte
Ein paar Dinge sollte man unbedingt vermeiden:
- Parfüm oder Aftershave: Vorher abduschen – und zwar ohne Duftstoffe. Niemand will in einer 90-Grad-Sauna neben jemandem sitzen, der nach Axe riecht.
- Handy: Absolutes Tabu. Digital Detox gehört zur Sauna dazu.
- Schwätzen ohne Rücksicht: Leise Gespräche sind ok, aber wer lautstark quatscht oder Geschäftliches bespricht, hat das Prinzip nicht verstanden.
- Nicht auf dem Handtuch sitzen: Hygiene ist heilig.
Gefährlich oder gesund? Wann man vorsichtig sein sollte
Sauna ist nicht für jeden geeignet, da spielt gerade das Thema Gesundheit eine wichtige Rolle. Menschen mit akuten Herz-Kreislauf-Problemen, Bluthochdruck oder nach einem Herzinfarkt sollten vorher unbedingt mit ihrem Arzt sprechen. Auch mit einer Erkältung hat man in der Sauna nichts verloren. Entgegen dem Mythos, dass Hitze die Erkältung „rausschwitzt“.
„Auf jeden Fall nicht mit leerem Magen in die Sauna gehen und genügend trinken“, betont Matze. Die meisten Kreislaufprobleme entstehen durch Dehydration oder Überforderung.
Männlichkeit und Schwitzen
„Wenn man ganz weit zurückgeht, auch in die Völker Rein, wo es noch Rituale gab vom Jungbewusstsein ins männliche Bewusstsein – da war Sauna ganz oft so ein Schwitzhütten-Thema. Es hat sehr viel mit einer reifen Maskulinität zu tun.“
Matze sieht die Sauna als Ort, an dem Männer lernen können, unangenehme Gefühle auszuhalten. Nicht verdrängen, nicht überspielen, sondern gelassen und souverän bei sich bleiben. In Männerrunden, die er anbietet, geht es genau darum: in die Sauna gehen, danach am Lagerfeuer sitzen und über Dinge sprechen, die sonst oft unausgesprochen bleiben.
„Es geht nicht darum, wer am längsten durchhält oder am coolsten ist“, sagt er. „Es geht darum, in die Ruhe zu gehen, die Emotionen auszuhalten und auch mal darüber zu sprechen.“
Was kostet der Spaß?
Ein Saunabesuch muss nicht teuer sein. Je nach Anlage zahlt man zwischen 30 und 150 Euro für einen ganzen Tag – inklusive Eintritt, eventuell Getränke, Essen und vielleicht eine Massage. Handtücher, Bademantel und Latschen kann man in den meisten Anlagen leihen. Wer regelmäßig geht, für den lohnt sich eine Jahreskarte oder Mitgliedschaft.
Der Tipp für alle, die noch nie in der Sauna waren
„Wenn du 50 plus bist, noch nie in der Sauna warst – warum solltest du jetzt in die Sauna gehen? Meine Antwort: In meinen Augen hast du nur ein Leben. Und dieses Leben solltest du nutzen, um Dinge auszuprobieren, die dir guttun könnten.“
Matzes Rat: Einfach mal hingehen. Keine Angst vor Nacktheit, keine Angst vor Fehlern. Die Sauna ist ein Ort der Entspannung und wer einmal den Dopaminkick nach einem guten Aufguss erlebt hat, kommt meistens wieder.
Linktipps zu Mathias Hübner
| Website von Mathias Hübner | www.mathiashuebner.de |
| Podcast von Matze und Sedo | wakeword.de/podcasts/die-saunaküche |
| Saunaküche bei Instagram | @die_saunakueche |
