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Karriere stagniert, Körper streikt? Mit diesen Tipps gelingt das mentale Upgrade ab 45+

Ein Beitrag von Abdullah Boulad

Immer mehr Männer ab 45 machen dieselbe Erfahrung: Sie sind beruflich etabliert, mitten im Leben, haben viel erreicht, und trotzdem fehlt plötzlich die innere Kraft, die früher selbstverständlich da war. Der Körper reagiert empfindlicher, der Kopf ist schneller erschöpft, und die Karriere fühlt sich an, als würde sie stagnieren. Ich kenne dieses Gefühl sehr gut. Mein eigenes Burnout hat mich bereits in meinen Dreißigern getroffen – zu einer Zeit, in der ich dachte, ich sei leistungsfähig, erfolgreich und „eigentlich“ auf der Überholspur.

Rückblickend war es kein persönliches Scheitern, sondern ein klares Signal: Mein inneres System war aus der Balance geraten. Denn Burnout beginnt dort, wo Stresssymptome kritisch werden. Wenn sich ihre Auswirkungen auf alle Lebensbereiche ausdehnen, Verhaltensänderungen auftreten, Selbstzweifel und Versagensängste wachsen und die Motivation schwindet. Anders als normale Erschöpfung verschwindet dieser Zustand nicht durch Urlaub oder ein freies Wochenende.

Die Fähigkeit zur Selbstregulation geht verloren. Das Nervensystem ist überlastet, das Dopamin- und Adrenalsystem aus dem Gleichgewicht. Statt Erholung bleibt Leere, innere Distanz und das Gefühl, nicht mehr auf das eigene Leistungsniveau zugreifen zu können. Unbehandelt kann Burnout ernsthafte gesundheitliche Folgen haben – bis hin zu autoimmunen oder anderen stressbedingten Erkrankungen.

Genau aus dieser Erfahrung heraus habe ich The Balance gegründet: als Raum, um sicher zurück in den Körper zu finden, ins Hier und Jetzt, und wieder Zugang zur eigenen inneren Stabilität zu bekommen. Denn eines wurde mir damals schmerzhaft klar: Wenn wir nicht in Balance sind, können wir nichts anderes wirklich managen, weder Familie noch Business noch uns selbst. Diese Lebensphase entscheidet darüber, ob Erschöpfung chronisch wird oder ob ein mentales Upgrade die Weichen neu stellt.

Älter werden heißt nicht ausbrennen

Veränderungen ab 45 sind normal: Der Körper meldet sich früher, Erholung braucht mehr Aufmerksamkeit, Leistungsphasen fühlen sich anders an als mit 25. Doch wichtig ist diese Unterscheidung: Älterwerden bedeutet nicht automatisch ausbrennen, denn Burnout entsteht nicht durch Lebensjahre, sondern durch ein dauerhaft dysreguliertes Nervensystem. Unsere Gesellschaft belohnt permanentes Aktivieren: Leistung, Tempo, Produktivität. Abschalten, Regeneration und echtes Runterfahren hingegen werden kaum trainiert.

Viele Menschen sind hervorragend darin, „Gas zu geben“, aber unfähig, täglich bewusst wieder in den Ruhemodus zu wechseln. Das System kippt, wenn Aktivierung zur Dauerschleife wird. Dann beginnt der Körper, sich mit Stress zu „betäuben“, Leistung wird zur Identität, und um weiter zu funktionieren, greifen manche zu Koffein, Schlafmitteln oder anderen Hilfsmitteln, um sich künstlich an- und abzuschalten. Irgendwann zieht das Nervensystem die Notbremse. Burnout ist dieser Punkt: emotionale Leere, mentale Erschöpfung, körperliche Müdigkeit, das Gefühl, weder abschalten noch leistungsfähig sein zu können.

Häufig begleitet von Kopfschmerzen, chronischen Schmerzen oder Verdauungsproblemen. Und wichtig: Das muss nichts mit Arbeit zu tun haben. Lebenskrisen, emotionale Überforderung oder innere Unruhe können genauso Auslöser sein, für High Performer besonders herausfordernd, weil Leistung oft Teil der eigenen Identität ist. Wer diese Signale erkennt, versteht: Es geht nicht darum, „wieder jünger“ zu werden, sondern darum, Balance und Regulation zurückzugewinnen. Genau hier beginnt der eigentliche Neustart.

Tipp 1: Das Nervensystem regulieren und bewusst entschleunigen

Man kann Stress nicht eliminieren, aber man kann lernen, sich davon zu erholen. Genau hier entscheidet sich, ob Belastung verarbeitet wird oder sich im Körper festsetzt. Man kann sich das Nervensystem wie eine Waage vorstellen: Jahrelange Überaktivierung, Leistungsdruck und permanentes „On-Sein“ kippen sie auf eine Seite. Um zurück in einen gesunden Mittelpunkt zu kommen, braucht es nicht mehr vom Gleichen, sondern oft bewusst das Gegenteil von dem, was bisher dominiert hat: Entschleunigung, Pausen und echte Regeneration. Nervensystem-Regulation bedeutet, täglich zwischen Aktivierung und Ruhe wechseln zu können.

Das lässt sich trainieren, etwa durch Bewegung, Meditation, Journaling oder Zeit in der Natur. Auch Schlaf, regelmäßige Bewegung und echte Offline-Momente sind keine Luxusfaktoren, sondern biologische Notwendigkeiten. Ebenso wichtig ist die biochemische Balance: Nährstoffmängel, ein geschwächtes Immunsystem oder instabile Blutzuckerwerte verstärken Erschöpfung. Eine Ernährung mit echten, unverarbeiteten Lebensmitteln, der Verzicht auf Zucker und kurzkettige Kohlenhydrate sowie gezielte Supplementierung auf Basis von Blutwerten können hier entscheidend unterstützen.

Ergänzend bieten technikbasierte Ansätze wie Neurofeedback enorme Chancen in der Burnout-Prävention. Dabei werden Elektroden am Kopf angebracht, um die Gehirnaktivität in Echtzeit zu messen. Über ein Feedbacksystem ­– etwa visuelle oder akustische Signale – lernt das Gehirn, selbstständig zwischen „An“ und „Aus“ zu wechseln, also Aktivierung und Ruhe gezielt zu steuern. So wird die Fähigkeit trainiert, Stress abzubauen und wieder ins Gleichgewicht zu kommen.

Tipp 2: Mentale Muster überarbeiten und alten Ballast loslassen

Wer sein Nervensystem wieder ins Gleichgewicht bringt, legt die Basis für den nächsten Schritt: die eigenen mentalen Muster. Denn alte Überzeugungen und unbewusste Stressmechanismen erzeugen weiter Druck – selbst in Balance. Ab 45+ tragen viele Männer Muster in sich, die früher leistungsfähig machten, heute aber erschöpfen: der Drang nach Perfektion, ständige Kontrolle oder der Anspruch, niemals Schwäche zu zeigen. Diese „Stressmotoren“ lassen sich nur stoppen, wenn man sie hinterfragt: Sind meine Methoden noch hilfreich? Tun sie mir gut? Wer seine Glaubenssätze anpasst, entzieht dem Stress seine Macht und findet zu einer gesünderen Form von Leistungsfähigkeit zurück.

Tipp 3: Werte und Ziele neu definieren – das mentale Upgrade

Wer alte Muster erkennt und loslässt, schafft nicht nur Ruhe im Kopf, sondern auch Raum, die eigenen Prioritäten zu überdenken. Burnout entsteht oft, wenn Leben und innere Bedürfnisse nicht mehr übereinstimmen. Deshalb ist eine bewusste Neuorientierung entscheidend: Welche Ziele habe ich heute noch? Welche Werte bestimmen mein Handeln? Was gibt mir Energie, was raubt sie mir? Ein mentales Upgrade bedeutet, sich selbst neu auszurichten. Psychotherapie kann dabei ein wertvoller Schritt sein, um Glaubenssätze zu hinterfragen, die weiterhin in Richtung Burnout führen, das eigene Narrativ zu verändern und neue Denk- und Verhaltensmuster zu entwickeln. Sind Werte und Ziele im Einklang, sinkt die Burnout-Gefahr und zugleich entsteht mehr Klarheit, innere Kraft und Lebenssinn.

Fazit: Balance finden und das Leben neugestalten

Burnout ist kein unausweichliches Schicksal. Wer die leisen Signale des Körpers ernst nimmt, veraltete Muster hinterfragt und sein Leben Schritt für Schritt bewusster Ausrichtet, kann die Abwärtsspirale stoppen, lange bevor sie sich ausbreiten kann. Die Jahre ab 45 sind eine Chance auf Neuanfang: Wir haben genug Erfahrung, um uns selbst zu verstehen und genug Klarheit, um Dinge bewusst anders zu entscheiden als früher.

Ein mentales Upgrade ist weit mehr als eine Reaktion auf eine stagnierende Karriere oder einen Körper, der deutliche Grenzen setzt. Es ist die Entscheidung, inne zu halten, neu zu justieren und den Weg bewusster weiterzugehen. Ein Leben zu gestalten, das nicht nur von „Durchhalten“ geprägt ist, sondern von mehr Stabilität, Energie und innerer Ruhe geprägt ist. Sehen wir es als ein Zeichen von Freiheit und Selbstbestimmung, die kommenden Jahrzehnte positiv zu formen.

Über den Autor Abdullah Boulad

Abdullah Boulad ist Gründer und CEO der privaten Luxus-Rehaklinik THE BALANCE auf Mallorca. Der Schweizer Unternehmer vereint langjährige Erfahrung in Management, Psychologie und integrativer Gesundheitsmedizin und gilt als Pionier für ganzheitliche, diskrete Suchtprävention und individuelle Gesundheitsbehandlungen auf höchstem Niveau. Mit einem multidisziplinären, evidenzbasierten Ansatz unterstützt er Menschen dabei, gesundheitliche und mentale Belastungen frühzeitig zu erkennen, ihnen vorzubeugen und nachhaltige körperliche wie psychische Stabilität zu entwickeln – eingebettet in ein exklusives medizinisches Umfeld, das moderne Wissenschaft, innovative Technologien und Luxus vereint.

Kai Bösel
Kai Bösel
Kai Bösel (Jg. 1971) lebt als Patchwork-Papa mit der Familie in Hamburg. Neben NOT TOO OLD betreibt er auch das Väter-Magazin Daddylicious. Außerdem ist er Experte für Influencer-Marketing. Bisher hat er bereits fünf eigene Unternehmen gegründet, schreibt für diverse Print- und Online-Magazine, tritt als Speaker und Moderator auf und betreibt zu diesem Magazin auch einen Podcast. Nach Feierabend entspannt er beim Laufen oder Golf.

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