HomeSPASSHobbys45+ und kreativ? Malen nach Zahlen ist der entspannende Stresskiller

45+ und kreativ? Malen nach Zahlen ist der entspannende Stresskiller

Mit 20 war „kreativ sein“ oft etwas für Leute mit Skizzenbuch, Kunsthochschule oder sehr viel Zeit. Mit 45+ sieht die Welt anders aus: Du hast wahrscheinlich genug erlebt, um zu wissen, was dich wirklich runterbringt und was nur Lärm ist. Genau deshalb passt Malen nach Zahlen so gut in die zweite Lebenshälfte. Es ist simpel, überraschend befriedigend und ein Stresskiller, den man meistens erst ernst nimmt, wenn man ihn ausprobiert hat.

Warum du mit 45+ plötzlich Bock auf Farbe hast 

In der Mitte des Lebens passiert etwas Spannendes: Du wirst wählerischer. Nicht bei allem – aber bei dem, was dir Energie zieht. Job, Familie, Verpflichtungen, der ganz normale Wahnsinn: Das meiste ist nicht verhandelbar. Umso wichtiger wird das, was dir gehört. Ein Hobby, das dich nicht noch mehr fordert, sondern dich sortiert.

Kreativität ist dabei nicht „Kunst machen“, sondern eher: den Kopf in einen anderen Gang schalten. Viele Männer merken mit 45+ zum ersten Mal bewusst, wie gut es tut, etwas zu tun, das kein Ergebnis in Excel produziert. Malen nach Zahlen ist genau dieser sichere Einstieg: Du brauchst keine Ideen, keinen Mut zum leeren Blatt. Du brauchst nur ein Set, ein bisschen Zeit und die Bereitschaft, dir selbst zu erlauben, etwas einfach nur zum Spaß zu machen.

Stresskiller ohne Esoterik: Was im Kopf passiert, wenn du Felder ausmalst

Malen nach Zahlen wirkt so gut, weil es die perfekte Mischung aus Konzentration und Einfachheit ist. Du musst dich fokussieren, aber du musst nicht „denken“. Das Gehirn liebt solche Aufgaben: klar, überschaubar, Schritt für Schritt. Du schaust nach der Zahl, nimmst die passende Farbe, malst das Feld aus. Wiederholen. Fertig.

Und genau da liegt der Stresskiller-Effekt: Grübeln braucht Raum. Wenn Hände und Augen beschäftigt sind, hat das Gedankenkarussell weniger Bühne. Viele beschreiben diesen Zustand als „Flow light“ – nicht dieses hochintensive Tunnelgefühl, sondern eher ein ruhiges, gleichmäßiges Eintauchen. Es ist wie ein mentaler Reset nach einem Tag voller Entscheidungen.

Dazu kommt etwas, das man nicht unterschätzen sollte: Du siehst Fortschritt. Nicht irgendwann, sondern sofort. Ein paar Felder ausgemalt und das Bild verändert sich sichtbar. Dieses kleine Erfolgserlebnis ist ein Gegenpol zu vielen Dingen im Alltag, die lange dauern oder nie „fertig“ sind.

So steigst du ein, ohne frustriert aufzugeben

Der häufigste Fehler beim Start: Man nimmt ein Motiv, das zu kompliziert ist, weil es „am coolsten aussieht“. Dann sitzt du da, die Felder sind winzig, die Farben wirken am Anfang langweilig und nach 30 Minuten bist du genervt. Deshalb: starte smarter.

Wähle für den Anfang ein Motiv mit größeren Flächen und klaren Formen. Landschaften, Autos, Architektur, Tiere, Klassiker – völlig egal, solange du beim Anschauen denkst: „Das hätte ich später gern an der Wand.“ Achte auch auf die Größe: Ein riesiges Format klingt beeindruckend, kann aber am Anfang überfordern. Lieber ein Bild, das du in ein paar Sessions merklich voranbringst.

Die beste Regel: 20 bis 30 Minuten sind ideal. Nicht, weil du nicht länger könntest, sondern weil kurze Einheiten dich motiviert halten. Du willst aufhören, wenn’s noch Spaß macht – nicht erst, wenn du müde wirst oder die Schulter zieht. So entsteht ein Ritual statt ein „Projekt, das mich anstarrt“.

Und noch ein Trick: Stell dir am Anfang ein Mini-Ziel. Zum Beispiel: „Heute mache ich nur diese Ecke“ oder „Heute nur Farbe 7“. Das nimmt Druck raus und macht es leichter, dran zu bleiben.

Dein Setup wie ein Gentleman: Licht, Platz, Tools – damit’s Spaß macht

Du brauchst kein Atelier. Aber du brauchst ein Setup, das nicht nervt. Denn sobald es fummelig wird, wird’s mental wieder anstrengend.

  • Tisch statt Sofa: Auf dem Sofa rutschst du rum, die Farben kippen, der Rücken meckert. Am Tisch ist es stabil und entspannt.
  • Gutes Licht: Eine normale Lampe reicht, aber sie sollte das Bild gleichmäßig ausleuchten. Wenn du abends malst, ist Licht der Unterschied zwischen „Entspannung“ und „Augenstress“.
  • Basis-Tools: Wasserbecher, Küchenrolle, ein zweiter Pinsel (falls einer ausfranst), vielleicht ein Zahnstocher für winzige Ecken. Mehr braucht es nicht.

Mach dir das Drumherum angenehm: leise Musik oder ein Podcast, ein Tee, vielleicht sogar ein fester Platz, an dem das Bild liegen bleiben kann. Je weniger du auf- und abbauen musst, desto wahrscheinlicher machst du es regelmäßig.

Typische Männer-Probleme (ja, wirklich) – und wie du sie easy löst

„Ich bin nicht kreativ.“
Doch, bist du. Du hast nur irgendwann gelernt, Kreativität mit Talent oder Kunst zu verwechseln. Malen nach Zahlen ist Handwerk plus Ruhe – keine Bühne.

„Ich hab keine Geduld.“
Du brauchst keine Geduld für das ganze Bild. Du brauchst Geduld für ein Feld. Dann für das nächste. Das ist der Punkt: Es ist klein genug, um machbar zu sein.

„Ich verkacke das bestimmt.“
Gute Nachricht: Die meisten Fehler sind unsichtbar, sobald das Bild fertig ist. Und wenn du doch mal übermalst? Kein Drama. Kurz trocknen lassen und mit der richtigen Farbe drüber. Wenn Farbe zu dick wird, nimm weniger Farbe am Pinsel. Wenn sie zu wässrig ist, lass sie kurz stehen oder tupfe den Pinsel ab. Es ist alles reparierbar.

„Das ist mir irgendwie peinlich.“
Ganz ehrlich: Niemand muss es wissen. Aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass du nach ein paar Abenden denkst: Warum hab ich das nicht früher gemacht? Außerdem: Männer sammeln seit Jahrzehnten Modellautos, bauen Möbel, schrauben am Motorrad – Malen nach Zahlen ist nur eine andere Art von „mit den Händen was machen“.

Und was machst du dann mit dem fertigen Bild?

Bitte nicht in die Schublade. Ein fertiges Bild hat zwei Jobs: Es soll dich freuen – und es soll dich daran erinnern, dass du dir Zeit genommen hast.

Die einfachste Lösung: Rahmen. Kein teurer Galerierahmen, aber etwas, das sauber aussieht. Home-Office, Flur, Schlafzimmer, Hobbyraum – irgendwo, wo du es regelmäßig siehst. Alternativ ist es ein starkes Geschenk: persönlich, ungewöhnlich, und es zeigt, dass du Zeit investiert hast.

Die beste Nebenwirkung ist aber etwas anderes: Du baust dir ein Ritual, das nicht viel kostet, nicht kompliziert ist und trotzdem wirkt. Malen nach Zahlen kann dein „Runterkommen-Knopf“ werden. Und genau das ist in der zweiten Lebenshälfte Gold wert: nicht noch mehr Action, sondern mehr Ruhe – auf deine Art.

Kai Bösel
Kai Bösel
Kai Bösel (Jg. 1971) lebt als Patchwork-Papa mit der Familie in Hamburg. Neben NOT TOO OLD betreibt er auch das Väter-Magazin Daddylicious. Außerdem ist er Experte für Influencer-Marketing. Bisher hat er bereits fünf eigene Unternehmen gegründet, schreibt für diverse Print- und Online-Magazine, tritt als Speaker und Moderator auf und betreibt zu diesem Magazin auch einen Podcast. Nach Feierabend entspannt er beim Laufen oder Golf.

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