HomeKULTURLiteratur80 Jahre Lucky Luke - Der ewig junge lonesome Cowboy feiert Geburtstag!

80 Jahre Lucky Luke – Der ewig junge lonesome Cowboy feiert Geburtstag!

Lucky Luke feiert Geburtstag. Acht Jahrzehnte, über hundert Alben, dreihundert Millionen verkaufte Bücher und für die meisten von euch wahrscheinlich unvergessliche Lesemomente in der Kindheit. Und klar, die Fernsehserie zum lässigen Cowboy war auch fester Bestandteil unseres damaligen Alltags. Noch immer, auch 80 Jahre nach dem ersten Abenteuer, reitet Lucky Luke dem Sonnenuntergang entgegen, als wäre es der erste Tag. Ein Hoch auf den Mann, der schneller zieht als sein eigener Schatten.

Wer in den Siebzigern oder Achtzigern aufgewachsen ist, kennt diesen schlanken Cowboy in seinem gelben Hemd, mit dem roten Halstuch, seinem cleveren Pferd und dem ewigen Grashalm zwischen den Zähnen, der früher eine Zigarette war, aber dazu später mehr. Am 24. Oktober 2026 wird der Held aus dem Wilden Westen achtzig Jahre alt. Und er sieht noch aus wie immer.

Der belgische Zeichner Maurice De Bevere, der Welt bekannt unter dem Künstlernamen Morris, schuf die Figur zum Jahresende 1946 für den Almanach Spirou. Die erste Episode hieß schlicht „Arizona 1880“, umfasste zwanzig Seiten, und Lucky Luke hatte damals noch vier Finger, so wie die Figuren in den Zeichentrickfilmen jener Zeit. Was folgte, war eine der erfolgreichsten Comicgeschichten Europas. Als sich Morris Anfang der Fünfzigerjahre in New York mit René Goscinny anfreundete, also tatsächlich dem Mann, der wenig später auch Asterix erfinden würde, begann die goldene Ära. Goscinny lieferte die Texte, Morris die Bilder, und gemeinsam schickten sie ihren Cowboy auf Abenteuer mit Billy the Kid, Calamity Jane und den unvergleichlichen Dalton-Brüdern.

Cowboy Lucky Luke zieht schon 80 Jahre schneller als sein Schatten.
© Egmont Ehapa Media GmbH

Daisy Town, Rantanplan und die Daltons

Für uns, die wir damals im Kinderzimmer durch die bunten Seiten geblättern haben, war Lucky Luke mehr als ein Comic. Er war eine abenteuerliche und ferne Welt mit eigenen Regeln, eigenen Bewohnern, eigener Logik. Der Hund Rantanplan, der als dümmster Hund des Wilden Westens gilt und trotzdem irgendwie zur Geschichte gehört wie Jolly Jumper, das klügste Pferd der Welt. Und natürlich die Dalton-Brüder: Joe, William, Jack und Averell — von klein bis groß, von grimmig bis vertrottelt — die eigentlich historische Figuren waren, von Morris aber als unsterbliches Gaunerquartett neu erfunden wurden. Dass Lucky Luke sie am Ende seiner ersten Begegnung gleich wieder zur Strecke brachte, störte die Leser kaum. Man wollte sie immer wiedersehen.

Was Lucky Luke von anderen Comicfiguren jener Ära unterschied, war der Humor. Nicht der plumpe Klamauk, sondern ein trockener, oft historisch informierter Witz. Morris und Goscinny kannten ihre amerikanische Geschichte, und sie liebten es, mit ihr zu spielen. Eine TV-Serie und mehrere Spielfilme versuchten das Gleiche und scheiterten. Den besonderen Ton, diese Mischung aus Ironie, Tempo und Zuneigung zur Figur, hat bisher niemand außerhalb des Comicformats wirklich treffen können. Im Comic ist ja sogar der Totengräber mit den Geiern eine irgendwie sympathische Figur.

„Lucky Luke ist für mich ein Unikat. Zusammen mit Spirou ist er der dienstalteste Star des europäischen Comics — und begeistert noch immer Millionen Fans, von jung bis alt.“

— Achdé, aktueller Zeichner der Lucky Luke-Reihe

Das Jubiläumsjahr 2026 und was alles kommt

Egmont Ehapa Media und die Egmont Comic Collection feiern das Jubiläum das ganze Jahr über mit einem breiten Programm. Den Auftakt macht im März die Hommage „Dakota 1880“, geschrieben von Appollo und gezeichnet von Brüno. Lucky Luke begleitet darin eine Postkutsche vom Norden in den Westen der Vereinigten Staaten und liefert gleich sieben Geschichten mit sieben Begegnungen. Befreite Sklaven, eigensinnige Frauen, abgewrackte Poeten und widerständige Ureinwohner kreuzen seinen Weg. Ein klassisches Setup, mit einem modernen, scharfen Blick.

Im Juni folgt das Highlight des Jahres. Zumindest für alle, die sowohl Lucky Luke als auch die Brüder Grimm im Herzen tragen. „Die Grimm Brothers“ bringt Jacob und Wilhelm Grimm in den Wilden Westen. Die beiden sind auf Lesereise in Amerika und müssen schnell feststellen: Mit Schneewittchen und dem Froschkönig kommt man in den Saloons nicht weit. Ma Dalton, die resolute Mutter der berüchtigten Verbrecherfamilie, hilft kurzerhand mit neuen Märchenstöffen aus, und plötzlich läuft das Geschäft.

Bis vier Brüder damit so gar nicht einverstanden sind. Wer das aufdröseln muss? Lucky Luke, natürlich. Das Duo hinter dieser Hommage ist selbst eine kleine Sensation: Flix als Szenarist und Reinhard Kleist als Zeichner, zwei der bekanntesten deutschen Comicschaffenden, die zum ersten Mal gemeinsam an einer Lucky Luke-Geschichte arbeiten.

„Dieses Jubeljahr verspricht zahlreiche Highlights! Mein persönlicher Favorit ist die Hommage der deutschen Künstler Reinhard Kleist und Flix, die Lucky Luke mit den Märchenerzahlern Wilhelm und Jacob Grimm zusammenbringen.“

— Wolf Stegmaier, Lucky Luke-Verleger, Egmont Verlagsgesellschaften

Zur Hommage entsteht außerdem eine echte Lesereise: In Zusammenarbeit mit dem Verein Deutsche Märchenstraße starten Flix und Kleist am 13. Juni in Hanau, dem Geburtsort der Brüder Grimm, und enden am 18. Juni in Berlin, wo die Grimms ihren letzten Lebensabschnitt verbrachten. Ein Roadtrip auf den Spuren zweier Legenden, begleitet von einer dritten.

Den Abschluss des Jubiläumsjahres bildet das neue reguläre Abenteuer aus der Feder von Jul und Achdé. Album Nummer 103, erscheint am 3. November. Der Titel ist noch geheim, der Inhalt noch strenger gehütet. Nur so viel: Es soll das bislang beste Abenteuer des aktuellen Teams sein. Jul schreibt seit 2016 die Texte, Achdé zeichnet seit 2001 und ihr jüngstes Album „Letzte Runde für die Daltons“ war das erfolgreichste Lucky Luke-Album seit dem Tod von Morris im Jahr 2001.

Die Ausstellungen und die neue TV-Serie

Wer mehr will als Seiten zum Blättern, hat 2026 gleich eine Ausstellungsoption: Ab dem 2. Oktober 2026 eröffnet im Berliner Museum für Kommunikation „Lucky Luke — Morris’ einsamer Westernheld“, eine große Retrospektive über Maurice De Bevere und sein Werk. Zu sehen bis zum 28. März 2027.

Und dann wäre da noch Disney+. Seit dem 23. März läuft dort eine neue Realverfilmung der Serie mit acht Episoden, Regie Benjamin Rocher, Hauptrolle Alban Lenoir. Die Besetzung klingt gut, die Produktionsfirmen sind namhaft, und die Daltons sowie Calamity Jane sind mit dabei. Ob die Serie hält, was Lucky Luke verspricht, muss jeder selbst beurteilen. Die Erwartungen nach den bisherigen Versuchen sind bei Kennern der Comics naturgemäß nicht die höchsten.

Der Grashalm und die Story dahinter

Eine Kleinigkeit noch, die zeigt, was diese Figur ausmacht: Lucky Luke raucht schon lange nicht mehr. Seit 1983, genau. In dem Album „Fingers“ ließ Morris seinen Helden die Zigarette gegen einen Grashalm tauschen. Aus eigenem Antrieb, ohne Druck von außen. Für diese Entscheidung wurde Morris 1988 von der Weltgesundheitsorganisation mit einer Medaille ausgezeichnet. Ein Comiczeichner, geehrt von der WHO. Eine coole Geschichte aus dem Kosmos von Lucky Luke.

„Lucky Luke altert nie, und dafür sorge ich, denn Comic-Helden sterben niemals.“

— Achdé, Zeichner der Lucky Luke-Reihe

Gucken wir also nochmal in den Rückspiegel: Achtzig Jahre. Dreihundert Millionen Alben. Ein Grashalm. Und am 24. Oktober reitet er wieder dem Sonnenuntergang entgegen, das melancholische Lied auf den Lippen — „I’m a poor lonesome cowboy“ — und lässt uns zurück mit dem Gefühl, dass manche Dinge einfach immer da sein werden. Lucky Luke gehört dazu.


Die Neuerscheinungen im Überblick

10. März 2026 // Dakota 1880 — Hommage von Appollo & Brüno

Lucky Luke eskortiert eine Postkutsche quer durch den Westen. Sieben Begegnungen, sieben Geschichten. Hardcover 17,00 €, Softcover 9,99 €.

9. Juni 2026 // Die Grimm Brothers — Hommage von Flix & Kleist

Die Brüder Grimm auf Lesereise im Wilden Westen. Erstes deutsches Autoren-Duo für eine Lucky Luke-Hommage.

2. Oktober 2026 // Ausstellung Berlin — Museum für Kommunikation

„Lucky Luke — Morris’ einsamer Westernheld“. Läuft bis 28. März 2027. Originalzeichnungen und Archivmaterial.

3. November 2026 // Album 103 — Jul & Achdé (Titel noch geheim)

Das neue reguläre Abenteuer des aktuellen Stammteams. Mehr wird noch nicht verraten.

Kai Bösel
Kai Bösel
Kai Bösel (Jg. 1971) lebt als Patchwork-Papa mit der Familie in Hamburg. Neben NOT TOO OLD betreibt er auch das Väter-Magazin Daddylicious. Außerdem ist er Experte für Influencer-Marketing. Bisher hat er bereits fünf eigene Unternehmen gegründet, schreibt für diverse Print- und Online-Magazine, tritt als Speaker und Moderator auf und betreibt zu diesem Magazin auch einen Podcast. Nach Feierabend entspannt er beim Laufen oder Golf.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Letzte Beiträge

Älter werden? Na und! – Die besten Sprüche für Männer, die das gelassen sehen

Es gibt zwei Arten, älter zu werden. Die eine: mit hochgezogenen Schultern, zählendem Blick in den Spiegel und dem nagenden Gefühl, dass die besten...

Gold-Crash oder Korrektur? Warum die aktuelle Unruhe deine größte Chance sein könnte

Wer heute, im Frühjahr 2026, auf sein Depot blickt, braucht gute Nerven. Die Schlagzeilen überschlagen sich: Die geopolitische Lage im Nahen Osten ist so...

Buchtipp: „Wir Freitagsmänner“ von Hans-Gerd Raeth

Welcher Tag wäre heute, wenn dein Leben eine Woche wäre? Henri überlegt kurz. Freitag, sagt er. Und damit ist eigentlich alles gesagt. Oder vielleicht doch...

NTO Podcast #70 mit Mathias „Matze“ Hübner über die Sauna

Für viele Männer ist Wellness immer noch so ein Frauenthema. Man gönnt sich lieber ein Bier auf dem Sofa als einen Aufguss in der...

Weniger, bewusster, informierter – Rauchen im zweiten Lebensabschnitt

Wir sind eine Generation, die im letzten Jahrtausend mit Rauchen aufgewachsen ist. Im Kino, im Büro, im Zug. Heute ist vieles davon Geschichte, aber...