Am kommenden Freitag, den 6. Februar, beginnen die XXV. Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo. Während Millionen vor dem Fernseher mitfiebern, stellt sich die Frage: Muss ich wirklich nur zuschauen? Die Antwort lautet: Nein. Viele olympische Wintersportarten lassen sich auch als Freizeitsportler ausprobieren. Und das Alter spielt dabei keine Rolle.
In 16 Disziplinen werden 195 Medaillen vergeben. Deutschland geht mit großen Ambitionen ins Rennen. Doch während die Profis um Hundertstelsekunden kämpfen, können wir selbst aktiv werden. Hier sind acht olympische Sportarten zum Ausprobieren.
Biathlon: Zwischen Puls und Präzision
Halb Hochleistungssport, halb Meditation, so lässt sich Biathlon beschreiben. Was bei Olympia zu den Zuschauerlieblingen gehört, vereint Gegensätze: die körperliche Anstrengung des Langlaufs und die absolute Ruhe am Schießstand.
Nach den ersten Metern auf Langlaufskiern pocht das Blut in den Schläfen. Dann der magische Moment: Man liegt im Schnee, Gewehr im Anschlag, und plötzlich wird die Welt still. Jeder Atemzug zählt. Es geht darum, den eigenen Körper zu kontrollieren und im richtigen Moment abzudrücken.

Bei Biathlon-Schnupperkursen in Deutschland und Österreich erhalten Einsteiger professionelle Einweisung. Meist beginnt man mit Langlauftechnik, dann folgt das Schießen – oft mit Lasergewehren. Ideal für alle, die Stressabbau mal anders erleben wollen: Statt Zen-Modus gibt’s hier Zielmodus.
Voraussetzungen: Grundkondition für Langlauf, Bereitschaft zur Konzentration. Anfänger willkommen.
Rennbobfahren: Schwerelosigkeit im Eiskanal
Bei Olympia 2026 wird wieder um Medaillen im Bobsport gekämpft. Für Freizeitsportler ist das Rennbobfahren als Passagier ein Adrenalinkick der Extraklasse. Ein Profi-Pilot steuert bei Geschwindigkeiten bis 120 km/h. Der Bob schießt wie ein Projektil durch die Eisrinne, Fliehkräfte von mehreren G sorgen für Schwerelosigkeitsgefühl.

An Olympiastützpunkten wie Winterberg, Altenberg oder Königssee werden Gästefahrten im Bob angeboten. Die Fahrt dauert etwa eine Minute, aber diese 60 Sekunden brennen sich ein.
Voraussetzungen: Mindestalter 14-16 Jahre, keine Herzprobleme. Für alle, die den Kopf frei bekommen möchten.
Skeleton: Kopfüber durch den Eiskanal
Wer den Bob zu konventionell findet, für den gibt es Skeleton. Man liegt bäuchlings auf einem speziellen Schlitten und rast mit dem Kopf voraus durch den Eiskanal, mit Geschwindigkeiten bis 145 km/h. Der Helm mit Kinnschutz ist Pflicht, denn der Kopf schwebt nur wenige Zentimeter über dem Eis.

Deutschland holte 2022 mit Christopher Grotheer die erste Goldmedaille in dieser Disziplin. An einigen Bobbahnen werden neben Bob- und Rodelfahrten auch Skeleton-Schnupperfahrten angeboten. Eine Einweisung und professionelle Begleitung sind hier besonders wichtig.
Voraussetzungen: Sehr gute körperliche Verfassung, starke Nerven. Nur an ausgewählten Bahnen möglich.
Skilanglauf: Die Basis für Biathleten
Langlauf ist nicht nur Grundlage für Biathlon, sondern auch eine der gesündesten olympischen Wintersportarten. Der Einstieg gelingt am besten über die klassische Technik in der gespurten Loipe. Der Bewegungsablauf ähnelt dem Joggen oder Walking. Wer körperlich fitter ist, kann sich an die Skating-Technik wagen, die etwas dynamischere Variante.

Langlauf-Schnupperkurse werden überall in deutschen Mittelgebirgen und Alpen angeboten. In zwei bis drei Stunden lernt man Grundtechnik, Bremsen und einfaches Kurvenfahren. Anders als beim Skifahren ist der Einstieg sanft, Stürze sind seltener und weniger heftig. Dafür bietet Langlauf ein hervorragendes Ganzkörpertraining.
Voraussetzungen: Grundkondition für Ausdauersport, keine speziellen Vorkenntnisse nötig. Ideal für Einsteiger jeden Alters.
Curling: Schach auf Eis
Curling ist die olympische Disziplin für Strategen. Seit 1998 olympisch, wächst die Faszination des Sports stetig. Bis zu 20 Kilogramm schwere Granitsteine gleiten über eine speziell präparierte Eisbahn. Das Ziel: den Stein möglichst nah an den Mittelpunkt des Zielkreises bringen. Das Besondere: Während der Stein gleitet, können Mitspieler mit Besen vor dem Stein „wischen“, um seine Laufbahn zu beeinflussen.

Die Disziplin verlangt Köpfchen statt Kraft. Jeder Wurf will durchdacht sein, denn man kann eigene Steine optimal platzieren und gegnerische aus dem Weg räumen. Curling-Schnupperkurse werden von verschiedenen Vereinen angeboten. In drei Stunden lernt man die Grundlagen.
Voraussetzungen: Keine besonderen körperlichen Anforderungen, für alle von 8 bis 80 Jahren geeignet. Der Rest kann geliehen werden.
Skispringen: Der Traum vom Fliegen
Skispringen gehört zu den spektakulärsten olympischen Disziplinen und ist zugänglicher als man denkt. Bei Schnupperkursen in Oberstdorf, Willingen, Lauscha oder Kandersteg wagen sich Einsteiger natürlich nicht auf die Weltcup-Schanze, sondern starten auf kleinen Jugend- und Animationsschanzen.
Der Einstieg erfolgt schrittweise: Erst wird das Springen im Flachen trainiert. Sobald die Technik sitzt, geht’s auf die Piste mit kleinen Hüpfern, die immer höher werden. Dann folgt die erste kleine Schanze mit 8-12 Meter Hillsize, wo Sprünge von 5-8 Metern möglich sind. Wer weitermacht, kann sich bis zur 27-Meter-Schanze steigern und Sprünge bis 20 Meter wagen.

Professionelle Trainer führen Schritt für Schritt an den ersten Sprung heran. Mentaltraining gehört oft dazu, denn Skispringen ist nicht nur körperlich, sondern vor allem mental herausfordernd. Die Kurse dauern zwischen einem halben und mehreren Tagen, oft inklusive Übernachtung.
Voraussetzungen: Grundkenntnisse im Skifahren oder Langlaufen, eine ordentliche Portion Mut und Körperbeherrschung. Für Menschen ab etwa 10 Jahren bis ins Erwachsenenalter.
Eisschnelllauf: Rasanz auf langen Kufen
Eisschnelllauf führt ein Nischendasein, doch bei Olympia begeistert die Geschwindigkeit, Technik und Ästhetik dieser rasanten Sportart regelmäßig ein großes Publikum. Auf den langen, schmalen Kufen gleiten die Athleten mit bis zu 60 km/h über das Eis.
Anders als beim normalen Eislaufen erfordert Eisschnelllauf eine spezielle Technik: die charakteristische tiefe Haltung und der kraftvolle seitliche Abdruck. Viele Eisschnelllauf-Vereine bieten Schnupperkurse für Erwachsene an, meist samstags oder sonntags über mehrere Wochen. Trainiert wird auf 400-Meter-Bahnen oder in Eisstadien. Sucht online einfach nach „Eisschnelllauf Schnupperkurs“ und checkt die Ergebnisse auf Angebote in eurer Nähe.

Die Schlittschuhe werden in der Regel gestellt, mitzubringen sind Trainingsanzug, Fahrradhelm, Handschuhe sowie Knie- und Ellbogenschoner. Viele Vereine bieten zunächst eine allgemeine Eislaufschule an, in der die Grundlagen auf normalen Schlittschuhen gelernt werden, bevor man auf die langen Eisschnelllauf-Kufen umsteigt.
Voraussetzungen: Grundkenntnisse im Eislaufen hilfreich, aber nicht zwingend nötig. Gute Beinmuskulatur von Vorteil. Kurse gibt es für alle Altersgruppen.
Der olympische Dreikampf am Olympiastützpunkt
Wer sich nicht entscheiden kann, findet in Kombi-Angeboten die Lösung. Ein Tag, drei Disziplinen: Bei Erlebnissen am Olympiastützpunkt bewegt man sich in der Königsklasse. Auf dem Zeitplan stehen Bobfahren, Biathlon und Rodeln – drei olympische Disziplinen an einem Tag. Als Add-on gibt’s oft Führungen durch den Olympiastützpunkt, wo deutsche Spitzenathleten trainieren.

Solche Pakete zum Ausprobieren werden in Altenberg, Winterberg oder Oberhof angeboten. Ideal für Allrounder, die gerne Neues ausprobieren.
Praktische Hinweise
Buchung: Schnupperkurse können über spezialisierte Anbieter oder direkt bei Sportstätten gebucht werden. Bobfahrten ab ca. 30 Euro, Biathlon- und Curling-Kurse bei 60-80 Euro, Skispringen-Workshops ab 80-150 Euro, Kombi-Pakete am Olympiastützpunkt zwischen 150-250 Euro.
Saison: Dezember bis März für die meisten Angebote. Bob- und Skeleton-Bahnen haben oft längere Öffnungszeiten. Skispringen-Schanzen mit Matten sind teils ganzjährig nutzbar.
Fitness: Bob-, Rodel- und Skeleton-Fahrten als Passagier erfordern in Sachen Fitness keine besonderen Voraussetzungen. Für Biathlon und Langlauf sollte man Grundkondition mitbringen. Curling ist für fast jeden geeignet. Skispringen erfordert Mut und Körperbeherrschung. Eisschnelllauf beansprucht vor allem die Beinmuskulatur.
Ausrüstung: Wird gestellt oder kann vor Ort geliehen werden. Wichtig: wetterangepasste, warme Kleidung.
Olympia 2026: Inspiration inklusive
Wenn ab dem 6. Februar die besten Wintersportler in Italien um Medaillen kämpfen, lohnt es sich, genau hinzuschauen. Deutschland holte in der vergangenen Wintersaison 2024/25 über alle olympischen Sportarten hinweg die meisten Medaillen aller Nationen.
Doch Olympia ist mehr als Zuschauen. Die Spiele können Inspiration sein, selbst aktiv zu werden. Ob Biathlon, Eiskanal-Geschwindigkeit, Curling-Strategie, Langlauf-Meditation, der Mut beim Skispringen oder die Eleganz des Eisschnelllaufs, jede Sportart bietet ein einzigartiges Erlebnis.
Die Wettkämpfe werden in ARD und ZDF übertragen, aber vielleicht schaust du ja nicht nur zu, sondern probierst selbst eine olympische Disziplin aus. Der Winter ist noch lang genug.
Über den Tellerrand: Weitere Winterabenteuer
Nicht olympisch, aber spektakulär: Freeriding für erfahrene Skifahrer abseits der Pisten, Moonbike als Mischung aus E-Motorrad und Schneemobil, oder Airboarding mit kopfüber-Gleiten auf aufblasbarem Board. Auch ein Besuch im Natureispalast am Hintertuxer Gletscher – 30 Meter unter der Skipiste durch gefrorene Wasserfälle – ist ein Erlebnis der besonderen Art.



Weitere Infos
Verschiedene Anbieter haben sich auf Wintersport-Erlebnisse spezialisiert. Die diesem Artikel zugrunde liegende Pressemeldung stammt von Jochen Schweizer. Weitere Informationen gibt es direkt bei Olympiastützpunkten, lokalen Skigebieten, Sportvereinen und Eislaufschulen.
