Prokrastination vermeiden – Apps und Methoden helfen

Schon Oma sagte „Was Du heute kannst besorgen, dass verschiebe nicht auf morgen“. Aber die hatte auch keine E-Mail, keine Whats-App, kein Instagram und eigentlich gar nichts Digitales. Aufgaben wurden auf einem Zettel gesammelt und abgearbeitet. Heute prasseln Nachrichten auf uns ein, die Handlungen erfordern. Das belastet und sorgt dafür, dass das Aufschieben mit Prokrastination sogar einen komplizierten Namen bekommen hat, der trotzdem in aller Munde ist. Das Gute ist jedoch: es gibt etwas, was dagegen hilft. Und wie sollte es anders sein, als auch wieder digital. Wir stellen euch passende Apps vor.

Widmen wir uns mal den ganz schweren Fällen, bei denen sich die Prokrastination als zwanghaftes Aufschieben zeigt. Im Kleinen kennt ihr das vielleicht auch. Da wollt ihr eigentlich eine recht wichtige Sache am Rechner erledigen – und schon öffnet ihr neue Fenster, lasst euch treiben und fahrt am Ende den PC runter, ohne die Aufgabe erledigt zu haben. Und wenn man dieses Verhalten auf größere Themen überträgt, dann studieren Leute deshalb länger als nötig, schieben den Führerschein vor sich her oder kriegen berufliche Dinge nicht auf die Kette. Das nagt am Selbstwertgefühl und der Psyche und führt bei einigen zu Erkrankungen wie Depressionen. Und die Prokrastination macht auch vor dem Alter nicht halt.

Umfrage zur Prokrastination

Schon 2011 hat das Statistische Bundesamt in einer Umfrage ermittelt, dass die Befragten mit 26 Prozent das Aufschieben von Dingen als ihre schlechteste Eigenschaft angeben. Also tatsächlich mehr als die Befragten, die keinen Sport treiben (21 %), Rauchen (20 %), zuviel essen (12 %) oder zuviel trinken (3 %). Das ist ein erstes Warnsignal.

Wenn es ganz schlimm steht, dann helfen Selbsthilfegruppen. Für eine erste Neuordnung helfen aber auch einige Apps und eine Neuausrichtung nach diesen Schritten.

Schritt 1 – Fokussieren und Ablenkung vermeiden

Schafft euch zuerst einmal eine Umgebung, die ruhiges und konzentriertes Arbeiten ermöglicht. Auch wenn das Radio im Hintergrund für musikalische Abwechslung sorgen kann, bringen einen Verkehrsnachrichten und Werbe-Jingles schnell wieder aus dem Tritt. Also verzichtet am besten ganz auf eine Geräuschkulisse. Kocht euch eine Kanne Kaffee oder Tee, denn selbst solche Aufgaben sind unterbewusst ein willkommener Grund, den Platz wieder zu verlassen. Und schaltet Euer Smartphone auf Flugmodus. Die App DETOX ist ein Prokrastination Blocker der euer Telefon bei Aktivierung für einen gewählten Zeitraum abschaltet. Bei der Fokussierung hilft auch die App Get S**t done! – allerdings ist sie derzeit nur in englischer Sprache erhältlich. Und mit der App Freedom könnt ihr einzelne Dienste und Apps komplett blockieren, um wieder produktiver zu werden.

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© inspirexpressmiami (Pixabay)

Schritt 2 – Deadlines setzen

Sicherlich benutzt ihr zusammen mit eurem Online-Kalender auch bereits entsprechende Apps, um eure To-Do-Liste zu verwalten. Bei Google helfen die Tasks. Es gibt aber auch Apps wie Todoist oder Microsoft To Do. Aber natürlich ist auch dabei ein Stück weit eure Disziplin gefragt. Denn es ist ja ein Leichtes, die zu bearbeitenden Themen einfach weiter zu verschieben. Dafür tritt euch leider niemand in den Hintern. Nicht ohne Grund ist die Definition von Prokrastination die Verbindung von dem lateinischen Präfix pro für „vor“ und crastinum für „Morgen“.

Schritt 3 – „Eat the Frog“

Bei der Strukturierung eurer wichtigen Aufgaben und dem Vermeiden der Prokrastination hilft euch möglicherweise die von Brian Tracy entwickelte „Eat the Frog“-Methode. Die besagt, dass ihr morgens am besten gleich mit der Aufgabe startet, die am unangenehmsten ist. Also im wahrsten Sinne des Wortes den Frosch esst. Weil es sich verdammt gut anfühlt, wenn ihr diese eine Sache erledigt habt. Dann gehen euch die weniger belastenden Dinge auf jeden Fall leichter von der Hand.

Schritt 4 – Belohnung

Startet erstmal mit kleinen Schritten und übertreibt es nicht gleich. Und wenn ihr dann den ersten Frosch geschluckt habt, dann dürft ihr euch auch gern mit der Ablenkung belohnen, die euch üblicherweise von der Erledigung abhält. Also eine schnelle Folge Netflix, ein neues Spiel auf dem Smartphone oder hemmungsloses Surfen. Begrenzt aber diese Zeit und macht dann weiter, eure noch offenen Projekte zu bearbeiten und abzuschließen.

Linktipps

Buch von Brian TracyEat the Frog
Prokrastination SelbsttestFreie Uni Berlin
Literatur zum Themabei Amazon
Kai Bösel
Kai Bösel (Jg. 1971) lebt als Patchwork-Papa mit der Familie in Hamburg. Neben NOT TOO OLD betreibt er auch das Väter-Magazin Daddylicious. Außerdem ist er Experte für Influencer-Marketing. Bisher hat er bereits fünf eigene Unternehmen gegründet, schreibt für diverse Print- und Online-Magazine, tritt als Speaker und Moderator auf und betreibt zu diesem Magazin auch einen Podcast. Nach Feierabend entspannt er beim Laufen oder Golf.

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