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Return of the Spielkinder – Kidults als lukratives Marktsegment

Noch in der Generation unserer Eltern hat man sich eher lustig gemacht, wenn ein Kerl jenseits der 50 einen „auf jung“ gemacht hat. Da waren Sneaker noch ähnlich verpöhnt wie Comics oder ein Skateboard in den Händen eines Best Agers. Heute ist das zum Glück anders. Erlaubt ist, was gefällt. Die Kidults holen sich die Unbeschwertheit ihrer Kindheit zurück und orientieren sich bei ihren Interessen und Hobbys oft an eigenen Kindheitserfahrungen. Oder sie probieren im fortgeschrittenen Alter einfach mal etwas Neues aus. Unternehmen haben das erkannt und adressieren diese Zielgruppe mit ganz speziellen Produkten und Angeboten.

Definieren wir aber zuerst einmal den Begriff: „Kidult“ setzt sich aus den Wörtern „Kid“ (Kind) und „Adult“ (Erwachsener) zusammen und beschreibt Erwachsene, die typisch kindliche Verhaltensweisen und Interessen zeigen. Dies kann sich in verschiedenen Bereichen manifestieren wie zum Beispiel in der Vorliebe für Spielzeug, Comics, Videospiele, Collectibles, Animationsfilme und anderen Aspekten der Popkultur, die traditionell mit der Kindheit verbunden sind. Über Silver Gamer hatten wir schon berichtet und Gastbeiträge zum Skateboard und einer Ciao findet ihr auch bereits.

Hintergrund und Entwicklung des Phänomens

Die Entwicklung der Kidults lässt sich auf verschiedene soziale und kulturelle Entwicklungen zurückführen. Zum einen hat sicherlich die Digitalisierung dazu beigetragen, dass viele traditionelle kindliche Aktivitäten auch für Erwachsene leichter zugänglich sind. Die Internetkultur und soziale Medien haben außerdem Plattformen geschaffen, auf denen Erwachsene ihre kindlichen Interessen frei ausleben können, ohne stigmatisiert zu werden. Und natürlich sind auch digitale Inhalte manchmal selbst das Objekt der Begierde der Best Ager oder dienen als Inspirationsquelle.

Kidults können sich zum Beispiel für Comics begeistern.
© Jakob Owens (Unsplash)

Begünstigt wurde die Zielgruppe der Kidults auch durch wirtschaftliche Faktoren, denn die Unterhaltungsindustrie entwickelt zunehmend Produkte und Inhalte, die sowohl Kinder als auch Erwachsene ansprechen. Filme und Serien wie die Simpsons, Barbie oder Super Mario sind bei Erwachsenen ähnlich beliebt wie bei den Kleinen, ein TV-Format wie Lego Masters sucht die besten gestandenen Klemmbausteinprofis und Spiele wie Pokémon GO treiben auch die Erwachsenen zur digitalen Jagd mit dem Smartphone.

Diese Verschmelzung von Kinder- und Erwachsenenkulturen hat dazu geführt, dass viele Erwachsene sich nicht mehr so stark an traditionelle Vorstellungen von „Erwachsensein“ gebunden fühlen und stattdessen ihre kindlichen Neigungen frei ausleben. Insgesamt hat die Verbreitung der Kidults eine Vielzahl von Fragen aufgeworfen, darunter die Natur des Erwachsenwerdens, die Rolle der Popkultur in der Gesellschaft und die Bedeutung von Kindheitserinnerungen für das individuelle Wohlbefinden.

Motivationen der Kidults

Es muss gar nicht immer der Impuls durch die eigenen Kinder sein, der bei den Erwachsenen die Lust an kindlichen Hobbys weckt. Einige nehmen die Themen auch einfach aus der eigenen Kindheit mit oder lassen sich von Freunden, im Netz oder durch Produkte inspirieren.

Warum fühlen sich Erwachsene von kindlichen Aktivitäten angezogen?

Die Anziehungskraft kindlicher Aktivitäten auf Erwachsene kann auf verschiedene psychologische Faktoren zurückgeführt werden. Einerseits bieten kindliche Aktivitäten oft eine Flucht vor den Belastungen und Verantwortlichkeiten des Erwachsenenlebens. Das Ausleben von kindlichen Interessen kann ein Gefühl der Unbeschwertheit und Freude vermitteln, das im Alltag oft fehlt. Darüber hinaus können kindliche Aktivitäten Erinnerungen an eine einfachere und sorglose Zeit wecken, was ein Gefühl von Nostalgie und Trost hervorrufen kann. Und nicht zuletzt macht es natürlich auch verdammt viel Spaß, ein Spielkind zu sein.

Wie prägen Medien und Popkultur das Verhalten von Kidults?

Die Medienlandschaft und Popkultur spielen eine entscheidende Rolle bei der Formung der Verhaltensweisen von Kidults. Durch die Verbreitung von Kinder- und Jugendkulturen in Film, Fernsehen, Literatur und anderen Medienformaten werden kindliche Interessen und Aktivitäten nicht mehr ausschließlich mit der Kindheit assoziiert, sondern finden auch bei Erwachsenen Anklang. Darüber hinaus haben soziale Medien und Online-Plattformen dazu beigetragen, Gemeinschaften von Gleichgesinnten zu schaffen, die sich über ihre kindlichen Interessen austauschen und unterstützen können. Diese sozialen und kulturellen Einflüsse haben dazu beigetragen, dass das Ausleben kindlicher Neigungen für Erwachsene zunehmend akzeptabel und sogar trendy geworden ist.

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© Dmitry Mashkin (Unsplash)

Auswirkungen auf die Gesellschaft

Zum einen begünstigt die gesellschaftliche Entwicklung die Möglichkeiten der Kidults, ihre Hobbys und Leidenschaften zu pflegen. Zum anderen wird das Wachstum dieser lukrativen Zielgruppe aber auch befeuert mit entsprechenden Inhalten und Produkten.

Wie beeinflussen Kidults Märkte und Konsumgewohnheiten?

Kidults haben eine signifikante Auswirkung auf Märkte und Konsumgewohnheiten, da sie eine Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen erzeugen, die traditionell mit der Kindheit verbunden sind. Dies hat dazu geführt, dass Unternehmen vermehrt Produkte entwickeln, die sowohl Kinder als auch Erwachsene ansprechen. Der Markt für Retro-Spielzeug, Nostalgie-Filme und -Serien sowie andere kindliche Produkte ist stark gewachsen, um den Bedürfnissen dieser Zielgruppe gerecht zu werden. Kidults neigen auch dazu, mehr Geld für Produkte auszugeben, die Erinnerungen an ihre Kindheit wecken oder ihnen ein Gefühl von Nostalgie vermitteln, was zu einem lukrativen Marktsegment für Unternehmen führt.

Welche Rolle spielen Kidults in Bezug auf soziale Normen und Erwartungen?

Kidults tragen zur Veränderung sozialer Normen und Erwartungen bei, indem sie traditionelle Vorstellungen von „Erwachsensein“ in Frage stellen. Durch ihr offenes Ausleben kindlicher Interessen und Aktivitäten tragen sie dazu bei, dass Erwachsensein nicht mehr ausschließlich mit Ernsthaftigkeit und Verantwortung assoziiert wird, sondern auch Platz für Freude, Kreativität, Spaß und Spiel lässt. Dies kann zu einem breiteren kulturellen Wandel führen, der die Definition von „Erwachsensein“ und die Erwartungen an Erwachsene neu definiert. Denn grundsätzlich ist es ja auch immer mal befreiend, unvernünftig und albern zu sein.

Beispiele für Kidults

Es gibt zahlreiche Prominente und öffentliche Figuren, die öffentlich ihre Liebe zu kindlichen Aktivitäten und Interessen bekunden. Zum Beispiel hat Schauspieler Ryan Reynolds ein Faible für Superhelden-Comics und Videospiele, während der Musiker Pharrell Williams sich oft in bunten und verspielten Outfits präsentiert.

Schauspieler Johnny Depp ist bekannt für seine Liebe zu unkonventionellen Rollen in Filmen und für sein exzentrisches Auftreten. Depp hat öffentlich seine Vorliebe für Comicbücher, Cartoons und ungewöhnliche Hobbys wie das Sammeln von Actionfiguren und seltenen Artefakten gezeigt.

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© PopularImages (depositphotos.com)

Ein weiteres Beispiel für Kidults ist der Regisseur und Produzent Guillermo del Toro, der für seine Leidenschaft für Fantasy- und Horrorfilme bekannt ist. Del Toro hat in Interviews seine Begeisterung für Monsterfiguren, Märchen und Comics ausgedrückt und sogar eine umfangreiche Sammlung von Filmrequisiten und Memorabilien aufgebaut.

Der vielfach ausgezeichnete Schauspieler Tom Hanks ist bekannt für seine Liebe zu Modelleisenbahnen. Hanks hat öffentlich darüber gesprochen, wie er seit seiner Kindheit fasziniert von Zügen und Miniaturwelten ist. Er hat sogar eine beeindruckende Sammlung von Modelleisenbahnen und Zubehör.

Steve Carell, Komiker und Schauspieler, ist ein leidenschaftlicher Sammler von Actionfiguren und Comicbüchern. Carell hat in Interviews betont, wie sehr ihn die Welt der Superhelden und fantastischen Geschichten fasziniert und wie er seine Liebe zu Comics seit seiner Kindheit pflegt.

Der legendäre Filmemacher George Lucas ist Schöpfer von „Star Wars“ und ein bekannter Sammler von Filmrequisiten und Memorabilien. Lucas hat eine umfangreiche Sammlung von Spielzeugen, Modellen und anderen Gegenständen aus seiner eigenen Filmreihe und anderen beliebten Franchises, die seine Leidenschaft für fantastische Welten und Geschichten widerspiegeln.

Diese Persönlichkeiten tragen dazu bei, das Bild von Kidults in den Medien zu prägen und zeigen, dass das Ausleben kindlicher Interessen auch für Erwachsene cool und akzeptabel ist.

Ausblick

Ist das rasante Wachstum der Kidults nur ein in diese Zeit fallendes Phänomen oder ist damit zu rechnen, dass sich dieser Trend weiter fortsetzt?

Wird der Trend der Kidults an Bedeutung gewinnen oder abnehmen?

Die Zukunft des Kidult-Trends bleibt unsicher, da verschiedene Faktoren zu berücksichtigen sind. Einerseits könnte die fortschreitende Digitalisierung und die Verfügbarkeit kindlicher Inhalte für Erwachsene dazu beitragen, dass der Trend weiter an Bedeutung gewinnt. Andererseits könnten gesellschaftliche Veränderungen, wirtschaftliche Entwicklungen oder kulturelle Verschiebungen dazu führen, dass das Interesse an kindlichen Aktivitäten und Produkten abnimmt. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass der Kidults-Trend in gewisser Form bestehen bleibt und sich möglicherweise weiterentwickelt, um den sich ändernden Bedürfnissen und Vorlieben von Erwachsenen gerecht zu werden.

Gibt’s Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Kidult-Phänomen?

Das Kidult-Phänomen wirft auch ethische Fragen und Grenzen auf, die sorgfältig betrachtet werden müssen. Zum Beispiel könnte ein übermäßiges Festhalten an kindlichen Interessen und Aktivitäten dazu führen, dass Erwachsene ihre Verantwortlichkeiten vernachlässigen oder Schwierigkeiten haben, angemessen mit erwachsenen Herausforderungen umzugehen. Darüber hinaus könnten bestimmte Aspekte des Kidult-Trends, wie die Kommerzialisierung kindlicher Produkte für Erwachsene, Fragen der Authentizität aufwerfen. Es ist wichtig, diese potenziellen Probleme und Herausforderungen zu erkennen und zu adressieren, um sicherzustellen, dass das Kidult-Phänomen positiv und verantwortungsbewusst gelebt werden kann.

Titelbild © David Herron (Unsplash)

Kai Bösel
Kai Bösel
Kai Bösel (Jg. 1971) lebt als Patchwork-Papa mit der Familie in Hamburg. Neben NOT TOO OLD betreibt er auch das Väter-Magazin Daddylicious. Außerdem ist er Experte für Influencer-Marketing. Bisher hat er bereits fünf eigene Unternehmen gegründet, schreibt für diverse Print- und Online-Magazine, tritt als Speaker und Moderator auf und betreibt zu diesem Magazin auch einen Podcast. Nach Feierabend entspannt er beim Laufen oder Golf.

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