Der Darm als zweites Gehirn

Ein Arzt erklärt, was ein gesunder Darm für unsere Gesundheit bedeutet und wie man ihn unterstützt. Ein Gastbeitrag von Daniel Harbs.

Mit seinen 300 Quadratmetern Gesamtoberfläche trägt der Darm eine entscheidende Rolle zu unserer Gesundheit bei und ist das wichtigste Immunorgan. So sind Allergien, Lebensmittelunverträglichkeiten und andere Krankheiten Anzeichen dafür, dass der Darm aus dem Gleichgewicht geraten ist. Das Ökosystem des Immunorgans beeinflusst den gesamten Körper.

„Wer an Gesundheit und Energie denkt, denkt wahrscheinlich zunächst an irgendwelche ergänzenden Mittel, einen gesunden Schlaf und viel Wasser. Dass der Darm aber die Hauptrolle bei unserer Gesundheit übernimmt, weiß fast niemand“, erklärt Daniel Harbs. Gerne verrät der Mediziner in folgendem Artikel, was wir für unsere Darmgesundheit tun können und warum das so wichtig ist.

Wenn Nahrungsmittel unverträglich sind

Es gibt zahlreiche Auslöser für Unverträglichkeiten – allen voran Getreide, Milch und Hülsenfrüchte. Dabei löst der Körper eine Abwehrreaktion auf bestimmte Lebensmittel aus. Bei dieser Reaktion werden Antikörper gebildet, die sich sowohl gegen das Nahrungsmittel als auch gegen den eigenen Körper richten. Auch das körpereigene Histamin kann eine Unverträglichkeit auslösen, wenn es durch Lebensmittel wie Tomaten, Zitrusfrüchte oder geräucherten Fisch zusätzlich aufgenommen wird. Außerdem kann ein Mangel des Enzyms Diaminoxidase für eine Unverträglichkeit verantwortlich sein, weil hierbei das Histamin nicht ausreichend abgebaut werden kann.

Unverträglichkeiten sorgen für Alarm im Darm
© Kate Remmer (Unsplash)

Der Genuss eines Auslösers für Unverträglichkeiten hat Folgen für den ganzen Körper: Verdauungsbeschwerden, Kopf- und Gelenkschmerzen, Müdigkeit, Stimmungsschwankungen, Hauterscheinungen und Übergewicht. Die Symptome treten zumeist erst nach Tagen auf, was es erschwert, den Auslöser zu erkennen. Tritt eine Lebensmittelunverträglichkeit auf, wird statt des Auslösers ein anderes Nahrungsmittel verwendet – beispielsweise Reis anstelle von Weizen oder Roggen.

Laktoseintoleranz

Bei der bekannten Unverträglichkeit gegen Laktose fehlt das Enzym Laktase, das die Zucker spalten soll. Konsumiert man trotz einer Unverträglichkeit laktosehaltige Milchprodukte, führt das dazu, dass der nicht abgebaute Milchzucker im Darm von den Bakterien verstoffwechselt wird. Daraus entstehen wiederum Stoffwechselprodukte, die die typischen Beschwerden wie Blähungen oder Durchfall verursachen können. Diese Intoleranz lässt sich durch einen Atemtest diagnostizieren, den man mittlerweile auch zu Hause durchführen kann, und anschließend zur Auswertung ins Labor schickt.

Der Darm als Immunorgan

Auch abseits von Nahrungsmittelunverträglichkeiten spielt der Verdauungstrakt eine wichtige Rolle für den Gesundheitszustand. Dank der Darmflora mit ihren Bakterien ist er das wichtigste Immunorgan des Menschen. Wird das Gleichgewicht gestört, schwächt das die Immunleistung und steigert die Anfälligkeit für Infekte. Völlegefühl, Blähungen und Verstopfungen sind die Folge. Um die Darmflora nicht zu stören, sollten Zucker, Fertigprodukte und Weißmehlprodukte genauso vermieden werden wie Alkohol, Schweinefleisch, frittierte Speisen, fettige Käse- und Milchprodukte, Wurst und Koffein.

Mit Ballaststoffen Ballast abwerfen

Wichtiger Bestandteil der Immunfunktion des Darms sind Ballaststoffe und sogenannte Präbiotika. Ballaststoffe regen die Tätigkeit an, sodass er schneller entleert wird. Schadstoffe stehen so nicht zu lange mit den Darmzellen in Kontakt, die sie binden. Präbiotika sind eine Untergruppe der Ballaststoffe. Sie reduzieren den pH-Wert des Darms und den Cholesterinspiegel, helfen gegen Verstopfung und regen die Bakterienaktivität an. Sie können sogar das Risiko für Dickdarmkrebs senken. Zu finden sind diese Präbiotika in Lebensmitteln wie Zwiebeln, Spargel und Brokkoli.

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© Iñigo De la Maza (Unsplash)

Zu viele Ballaststoffe sollte man nicht zu sich nehmen, denn sie sind nicht oder schwer verdauliche Lebensmittelbestandteile. In zu großen Mengen werden sie unzureichend abgebaut.

Probiotika für einen gesunden Darm

Bei einem Probiotikum handelt es sich um eine Zubereitung aus lebenden Mikroorganismen, wie Milchsäurebakterien. Diese haben eine fördernde Wirkung auf den Darm und können vielseitig eingesetzt werden: etwa bei der Einnahme von Antibiotika.

Bei einer Therapie mit Antibiotika sollen die Bakterien beispielsweise im Hals abgetötet werden. Das Problem ist, dass gleichzeitig auch die guten Darmbakterien angegangen werden und es daher häufig zu Durchfall kommt. Um das zu vermeiden, sollten Milchsäurebakterien eingenommen werden. Ähnlich verhält es sich bei Reisedurchfall: hier wird der Darm häufig durch kontaminiertes Wasser, Eiswürfel oder Früchte in Getränken angegriffen. Um die Heilung zu beschleunigen, können auch hier Probiotika eingenommen werden. Darüber hinaus kann Probiotika in solchen Fällen auch präventiv eingesetzt werden.

daniel harbs
Unser Gastautor Daniel Harbs

Über den Autor

Daniel Harbs ist Mediziner mit einer Privatpraxis in Hamburg. Gemeinsam mit einem Team aus Spezialisten bietet er zusätzlich ein Online-Coaching an, das für alle interessant ist, die ihren Stoffwechsel in Schwung bringen und ihr Immunsystem stärken möchten. Die Themen reichen von gesunder Ernährung über autogenes Training bis zu dauerhafter Gewichtsreduktion.
Weitere Informationen unter Gesundheitsgipfelstürmer.

Titelbild © Kindel Media (Pexels)

Kai Bösel
Kai Bösel
Kai Bösel (Jg. 1971) lebt als Patchwork-Papa mit der Familie in Hamburg. Neben NOT TOO OLD betreibt er auch das Väter-Magazin Daddylicious. Außerdem ist er Experte für Influencer-Marketing. Bisher hat er bereits fünf eigene Unternehmen gegründet, schreibt für diverse Print- und Online-Magazine, tritt als Speaker und Moderator auf und betreibt zu diesem Magazin auch einen Podcast. Nach Feierabend entspannt er beim Laufen oder Golf.

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