Wie steht es um das Hobby mit den Briefmarken?

Ich weiß nicht genau, ob es Euch so ähnlich geht. Aber für mich war das Sammeln von Briefmarken eins meiner liebsten Hobbies als Kind. Inspiriert von meinem Großvater habe ich einige Alben mit wirklich tollen Marken gefüllt und wie einen Schatz gehegt. Natürlich habe ich immer gehofft, dass mir irgendwann die blaue Mauritius in die Hände kommt. Und das man beim ersten Date seine Briefmarkensammlung zeigt, fand ich zu der Zeit auch nicht abwegig. Aber wie steht es heute um das Briefmarken sammeln? Stirbt der Dino aus?

Klar, die Sammler von Briefmarken waren für vierzig bis fünfzig Jahren die Nerds der Nation. Sie waren ausgestattet mit besonderen Pinzetten, großen Alben und kleinen Klebefolien, damit ja kein Zahn der seltenen Marken verknickt. In einer Welt vor eBay führte der Weg regelmäßig zum Münz- und Briefmarkenladen in der Stadt oder auf eine der Sammlerbörsen, die regelmäßig stattfanden. Ich hatte stets die aktuelle Ausgabe des Philex-Kataloges und habe versucht, die Marken lückenlos im Album einzustecken. Was den Reiz ganz genau ausgemacht hat, kann ich gar nicht mehr genau sagen. Das Sammeln von Dingen ist ja irgendwie genetisch verankert, zumindest bei den meisten. Und natürlich gibt es auch wirklich sehr schöne Briefmarken, die zum Teil richtig schwer zu bekommen sind. Wahrscheinlich sind genau das die Zutaten für ein befriedigendes Hobby.

Briefmarken zur Fussball-WM 1982
© pascal OHLMANN (Pixabay)

Quo vadis Briefmarken?

Natürlich hat die Digitalisierung auch bei der Post voll eingeschlagen. Abgesehen davon werden heute kaum noch handgeschriebene Briefe geschrieben. Leider. Die Kommunikation erfolgt zur Zeit über Mails oder Messenger-Dienste. Somit sind es überwiegend Rechnungen oder Werbepost, die im Briefkasten landen. Und die sind mit Standard-Klebemarken oder maschinell frankiert. Somit sind Briefmarken bei uns nicht mehr täglich im Gebrauch. Auf der anderen Seite ist die Beschaffung von Briefmarken durch das Internet natürlich viel leichter geworden. Und so hält sich dieses Hobby bis heute, ist dabei fast zu 90 Prozent durch Männer besetzt und meist eine Leidenschaft, die zwar vielleicht schon als Kind entfacht wurde, dann aber in der zweiten Hälfte des Lebens intensiviert sind. Und so ist es wahrscheinlich wie auch mit unseren Mixtapes: heute lockt man mit diesem Hobby keine Jugendlichen mehr vom Smartphone weg, aber unsere Generation kennt noch die Bedeutung eines handgeschriebenen Briefes, vielleicht sogar per Luftpost aus fernen Ländern.

Als Geldanlage ungeeignet

Eine schlechte Nachricht vorab: überraschende Reichtümer könnt Ihr nicht erwartet, wenn Ihr vielleicht ein altes Album Eures Vaters oder Großvaters im Keller findet. So ging es auch meiner Oma, als sie mit den vielen Alben und quasi dem Lebenswerk meines längst verstorbenen Großvaters zum Schätzen gegangen ist. Aus der erwarteten Eigentumswohnung wurde ein gebrauchter Kleinwagen. Somit geht es bei der Philatelie weniger um die Ansammlung von Reichtümern als vielmehr eine erfüllende Beschäftigung. Teuer sind insbesondere ungestempelte Einzelstücke, die dann aber meist in der Beschaffung auch schon damals recht hochpreisig waren. Und das sind meist alte Marken mit kleiner Auflage.

© Gerhard G. (Pixabay)

Weiter geht’s

Klar, mit dem Ablösen von Marken unter Wasserdampf und dem Zählen der Zähnchen, bevor die Briefmarken ins Album gesteckt werden, ist wohl bald Schluss. Dafür gewinnt der komplette Brief mit Briefmarke an Bedeutung bei den Sammlern. Wann wurde der Brief von wem geschrieben, welchen Weg hat er genommen und welche Geschichte steckt dahinter? So rückt die Briefmarke als Teil einer Geschichte in politische und kulturelle Zusammenhänge, mit denen man sich dann wieder umfassend auseinandersetzen kann. Und so verwundert es nicht, dass Expertenschätzungen zufolge heute immer noch über eine Million Philetalisten in Deutschland aktiv sind. Davon sind gut 30 000 in gut 900 Vereinen organisiert. Und da geht es wenig nerdig sondern sehr kommunikativ zu. Für Tinder ist die Briefmarkensammlung aber kein Argument mehr, trotzdem ist es ein schönes Hobby.

Linktipps

BriefmarkenkatalogePhilex bei Amazon
Blog über BriefmarkenRock the Stamp
Bund Deutscher Philatelisten e.V.bdph.de

Titelbild: © jacqueline macou (Pixabay)

Kai Bösel
Kai Bösel
Kai Bösel (Jg. 1971) lebt als Patchwork-Papa mit der Familie in Hamburg. Neben NOT TOO OLD betreibt er auch das Väter-Magazin Daddylicious. Außerdem ist er Experte für Influencer-Marketing. Bisher hat er bereits fünf eigene Unternehmen gegründet, schreibt für diverse Print- und Online-Magazine, tritt als Speaker und Moderator auf und betreibt zu diesem Magazin auch einen Podcast. Nach Feierabend entspannt er beim Laufen oder Golf.

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