Von Frodo und Sam bis Käsekuchen – 7 Tipps für eine glückliche Beziehung

Unser Gastautor Christian Hanne ist nicht nur Kniffel-König und Käsekuchen-Junkie, sondern insbesondere ein Virtuose des geschriebenen Wortes. Der zweifache Vater betreibt den lesenswerten Blog Familienbetrieb und hat bisher vier Bücher rund ums „Papa sein“ veröffentlicht, die es alle verdient haben, gelesen zu werden. Weil er auch zu glücklichen und langen Beziehungen eine Meinung – und sogar ein Rezept – hat, freue ich mich sehr über diesen wirklich unterhaltsamen Gastbeitrag von Christian Hanne:

Am 20. November feierten Queen Elisabeth II. und Prinz Philip ihren 73. Hochzeitstag. Wahnsinn. In Hundejahren sogar ihren 511. Hochzeitstag. Noch wahnsinniger! Nicht nur biologisch ist es eine Herausforderung, es bis zur Gnadenhochzeit (70 Jahre) und darüber hinaus zu schaffen, sondern auch die Statistik spricht dagegen. In Deutschland wird rund jede dritte Ehe nicht durch den Tod geschieden, wie es das kirchliche Treuegelübde verlangt, sondern durch das örtliche Familiengericht.

Da ist die lange Beziehung von Lisbeth und Lippl fast schon ein Kuriosum. Wie sie es geschafft haben, so lange zusammenzubleiben, weiß ich nicht. Bereits zum Frühstück hochwertigen Gin trinken, hilft möglicherweise. In einem Schloss mit über 700 Zimmern zu leben, in dem du deinem Gatten tagelang aus dem Weg gehen kannst, schadet sicherlich auch nicht.

Meine Frau und ich sind zwar nicht seit über sieben Jahrzehnten verheiratet, aber immerhin auch schon seit 1997 zusammen. (In der gleichen Zeit waren Gerhard Schröder und Joschka Fischer jeweils drei Mal verheiratet.) Vielleicht interessiert es dich ja, was das Geheimnis unserer langen Beziehung ist. Möglicherweise – und sogar sehr wahrscheinlich – auch nicht, aber dann wäre dieser Artikel sehr kurz und ich habe Kai versprochen, ihm einen Gastbeitrag zu schreiben. Da wäre es mir sehr unangenehm, wenn er nur 100 Wörter lang wäre. Also müssen Sie da jetzt durch.

1. Seid wie Frodo und Sam

Meine Frau und ich sind nicht nur seit 23 Jahren zusammen, sondern haben auch zwei Kinder im Alter von 14 und 17. Kinder großzuziehen ist ein wahnsinnig anstrengender Job, der jede Beziehung auf eine harte Probe stellt. Als Babys müssen sie ständig gefüttert und gewickelt werden und du bekommst keinen Schlaf. Dann kommen die Trotzanfälle, später leidige Hausaufgabendiskussionen und in der Pubertät musst du verhindern, dass ihr Alkohol und Drogenkonsum ausartet, denn schließlich sollen sie wenigstens einen passablen Schulabschluss machen. (Und irgendwann ausziehen.)

Allein ist das gar nicht zu schaffen. Nicht umsonst lautet das afrikanische Sprichwort: „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen.“ In der Realität ist aber niemand aus dem Dorf bereit, die Einschlafbegleitung oder die Hausaufgabenbetreuung zu übernehmen. Und in der Stadt schon gar keiner. Deswegen ist es sinnvoll, sich an die 90er-Werbung der Volks-und Raiffeisenbanken zu erinnern, die uns den Werbeslogan „Gemeinsam sind wir stark“ ins Hirn hämmerte. Das heißt nicht, dass du pädagogische Ratschläge von deinem Bankberater einholen sollst. Nein, du sollst mit deiner Partnerin ein Team bilden. Frodo hat ja auch nicht allein den Ring nach Mordor gebracht, sondern hatte seinen Freund Sam an seiner Seite.

Wenn ihr euch unterstützt, könnt ihr euch mit euren Stärken ergänzen. Seid wie Frodo und Sam, die Wahrscheinlichkeit steigt um 50 Prozent, dass ihr das mit der Kindererziehung irgendwie hinbekommt. Im schlimmsten Fall seid ihr nicht Frodo und Sam, sondern Dick und Doof. Aber dann vermasselt ihr es wenigstens gemeinsam.

Glückliches Paar
© Snapwire (Pexels)

2. Don’t be a Hilfswilli!

Vielleicht bist du die rühmliche Ausnahme, aber sehr wahrscheinlich wird deine Partnerin wesentlich mehr Zeit mit Familien- und Hausarbeit zubringen als du. Statistisch gesehen rund 50 Prozent. Und selbst wenn ihr beide vollzeiterwerbstätig seid, immer noch mehr als 40 Prozent.

Der Harmonie in eurer Beziehung tut es auf jeden Fall gut, wenn du dich für die Haus-, Familien- und Care-Arbeit genauso verantwortlich fühlst, wie deine Partnerin. Das heißt, du „unterstützt“ sie nicht im Haushalt, denn es ist ja auch dein verdammter Haushalt. Und du „hilfst“ nicht mit den Kindern, denn es sind ja auch deine Kinder.

Sich verantwortlich fühlen, bedeutet, selbst an Sachen wie Kinderarzttermine, Einkaufslisten oder an die Wechselklamotten für die Kita zu denken, und nicht darauf zu warten, dass deine Partnerin dir sagt, was du erledigen sollst. Vielleicht erwerbsarbeitest du ja in einer leitenden Position mit Budget- und Mitarbeiterverantwortung, dann willst du Zuhause ja nicht zum Hilfswilli degradiert werden, dem Aufgaben zugewiesen werden. Und deine Partnerin will das garantiert auch nicht!

3. Funktionale Arbeitsteilung rules

Es macht nicht wirklich Sinn, wenn jeder und jede für alles zuständig ist und sich immer abgestimmt werden muss, wer gerade was erledigt. Bei meiner Frau und mir hat es sich bewährt, dass wir uns die ständigen Haushaltsarbeiten systematisch aufgeteilt haben und jeweils das übernehmen, was uns mehr liegt. Beziehungsweise, was wir weniger verabscheuen.

Ich bin beispielsweise für Geschirr, Saugen und Einkaufen verantwortlich, meine Frau übernimmt Wäschewaschen, Kochen und Badputzen. Selbstverständlich können die Aufgaben auch mal getauscht werden, aber bei uns hat sich das in den letzten 15 bis 20 Jahren kaum geändert. Ganz im Gegenteil ist es sogar unerwünscht, sich in den Arbeitsbereich des oder der anderen einzubringen. Meine Frau hat beispielsweise ein sehr komplexes System, wie die Klammern auf dem Wäscheständer farblich anzuordnen sind. Wenn ich aus falsch verstandener Hilfsbereitschaft mal die Wäsche aufhänge, ist sie erstmal damit beschäftigt, alles wieder umzusortieren. Ich wiederum habe ein seit zwei Jahrzehnten bewährtes System, wie die Spülmaschine einsortiert wird. Räumt meine Frau das schmutzige Geschirr ein, ruft das bei mir nervöses Augenzucken hervor. (Als guter Ehemann räume ich die Maschine natürlich heimlich um.)

4. Es lebe die Chaostoleranz

Da meine Frau und ich beide vollzeitberufstätig sind und zu geizig sind, eine Putzhilfe zu beschäftigen, erledigen wir den Großteil der anfallenden Hausarbeit am Wochenende. Für den halben Samstag befindet sich die Wohnung dann in einem repräsentablen Zustand und könnte in der „Schöner Wohnen“ abgebildet werden. Von Sonntag bis Freitag vermüllt und verdreckt die Bude dann zunehmend, bis sie Freitagabend wie eine Mischung aus einer aus dem Ruder gelaufenen WG-Party und der Kulisse einer Messi-Alarm-Folge im Privat-Trash-TV aussieht.

Da wir beide zu gleichen Teilen für das Chaos in der Wohnung verantwortlich sind, müssen wir uns deswegen gegenseitig keine Vorwürfe machen. Außerdem verfügen wir beide über eine sehr ausgeprägte Toleranz gegenüber Unordnung. Wahrscheinlich ist – neben Liebe, Zuneigung und gegenseitiger Achtung – unsere sehr belastbare Schmutzresilienz die Hauptursache für die Harmonie in unserer Ehe. Also, stresst euch nicht, wenn eure Wohnung nicht immer picobello aussieht. Freut euch einfach, dass ihr die Abwehrkräfte eurer Kinder stärkt und Allergien vorbeugt.

5. Gemeinsam zweisam, aber manchmal auch Alleinsein

Selbstverständlich ist es für eine glückliche Beziehung wichtig, dass es gewisse Überschneidung bezüglich der Freizeitgestaltung gibt. Zum Beispiel gemeinsam ins Kino oder Theater gehen, Städtetrips unternehmen oder zusammen Topflappen häkeln.

Aber das heißt nicht, immer und alles zu zweit machen zu müssen. Wer will schon zusammen in Partner-Funktionsjacken durch den Hunsrück wandern? Bitte verstehe mich nicht falsch: Der Hunsrück ist bestimmt wunderschön, Funktionsjacken im Partner-Look aber definitiv nicht. (Funktionsjacken sind generell ein ästhetisches Verbrechen und sollten allenfalls von Menschen auf Antarktis- Expeditionen getragen werden, aber das ist ein anderes Thema.) Was ich sagen will: Getrennte Aktivitäten tun einer Beziehung auch mal gut, denn wie willst du dich aufeinander freuen, wenn du 24/7 aufeinanderhängst?

Verbundene Hände
© Snapwire (Pexels)

6. Wir glotzen TV

Essenziell wichtig ist allerdings, dass du und deine Partnerin ähnliche Serien- und Filmvorlieben habt. Wenn du ausschließlich französische Arthouse-Filme schauen willst, in denen ein Schnitt circa 47 Minuten dauert und in dem nicht mehr als 100 Worte gesprochen wird, während sie auf Splatter-Movies besteht, in denen mehr Körper zersägt werden als in einer Tönnies-Fleischfabrik, ist das auf Dauer nur schwer vereinbar. Dann gibt es zuerst getrennte Fernseher, kurze Zeit später getrennte Schlafzimmer und schließlich getrennte Sexualpartner. In dieser Monokausalität eine vielleicht etwas steile These, aber ich will mir nicht vorwerfen müssen, dich nicht gewarnt zu haben.

7. Let’s sex together

Apropos Sex: Der darf in einer glücklichen Beziehung auch nicht fehlen. Anfangs ist das kein großes Problem, da ist die Kopulationsfrequenz auf Bonobo-Level. Später wird das dann etwas herausfordernder. Zum Beispiel wenn ihr ein Baby habt. Denen ist es nämlich vollkommen wumpe, ob Mama und Papa gerade nach ein wenig erotischer Zweisamkeit ist. Wenn sie Hunger haben, wollen sie etwas essen, und zwar sofort. Da ist der Coitus Interruptus dann keine Seltenheit. (So oft passiert das aber auch nicht, denn im ersten Jahr sind Eltern so kaputt und dauermüde, dass sie mehr Interesse an Schlaf als an Beischlaf haben.)

Sind die Kinder etwas größer, dann klappt das mit dem Sex wieder ungestörter. Wenn es gut läuft, ungefähr so lange wie eine Peppa-Wutz-Folge. Im Teenager-Alter pennen die Kinder dann so lange, dass sogar wieder Vorspiel möglich ist. Toll!

Es ist aber auch nicht unnormal, dass mit Fortdauer einer Beziehung die Lustriebe allmählich nachlassen. Dafür gibt es dann Ersatzbefriedigungen. Deswegen heißt es ja: „Essen ist der Sex des Alters.“ Wenn die Lust im Bett nachlässt, könnt ihr immer noch gemeinsam Käsekuchen essen. Das ist auch geil und führt definitiv zu einer glücklichen Beziehung. Oder hast du schon mal von einem Paar gehört, dass sich beim Käsekuchenessen getrennt hat? Nein? Na dann: Guten Appetit!

Lieber Christian, vielen lieben Dank für die hilfreichen und unterhaltsamen Hinweise. Es wäre wünschenswert, dass viele Paare Deine Tipps gemeinsam lesen und umsetzen. Denn Lesen kann Beziehungen retten… 😉

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Blog von Christian HanneFamilienbetrieb
Familienbetrieb auf Twitter@familienbetrieb

Titelbild: © Tero Vesalainen (shutterstock)

Christian Hanne
Christian Hannehttps://www.familienbetrieb.info/
Christian Hanne (Jg. 1975) ist Buchautor und Blogger. Der zweifache Papa veröffentlicht regelmäßig die berühmt-berüchtigten Familien-Tweets. Er steht auf Schlagermusik und Kuchen. Überflüssige Pfunde purzeln dank Laufrunden und auf dem Rad im Großstadtdschungel von Berlin.

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